Wenn Julia Briem und Lusia Schmid in ihre berufliche Zukunft blicken, löst das ein positives Gefühl in ihnen aus. Auch wenn die beiden 15-Jährigen noch keine konkreten Vorstellungen von ihrer Jobwahl haben, sind sie zuversichtlich gestimmt – und entsprechen mit ihrem Optimismus der Grundstimmung, die derzeit unter den jungen Menschen hierzulande herrscht.
Denn aus der aktuellen Shell-Jugendstudie geht hervor, dass die meisten Jugendlichen daran glauben, ihre beruflichen Wünsche verwirklichen zu können.
Für die vor kurzem veröffentlichte Studie wurden von Januar bis März diesen Jahres 2509 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zwölf bis 25 Jahren zu Themen wie Familie, Freizeit, Bildung und Beruf befragt. Die Studie wird etwa alle vier Jahre vom Mineralölkonzern Shell finanziert und herausgegeben. Mehr als vier Fünftel der Studienteilnehmer blicken laut der aktuellen Befragung optimistisch in ihre berufliche Zukunft – gemeinsam mit dem Ergebnis aus 2019 ein Spitzenwert seit 2002.
Auch den 16-jährigen Aron Mayer verunsichert die Frage, wie es nach der Schule für ihn weitergehen soll, nicht. Gemeinsam mit seiner Klasse besucht der Echterdinger die „Börse deiner Zukunft“, die am Dienstag in der Filharmonie in Filderstadt-Bernhausen stattfand. Einen Tag lang bietet die Börse einen Überblick für interessierte Schülerinnen und Schüler über Ausbildungsberufe und Studiengänge und ermöglicht den direkten Kontakt zu den jeweiligen Betrieben in der Region.
Die vielen Möglichkeiten überfordern manchmal
„Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich einen Job finden werde, der mir gefällt“, sagt Aron Mayer, „aber das große Angebot an Möglichkeiten überfordert mich manchmal“. Eine Ausbildung in der IT-Branche kann sich der Schüler vorstellen – auch, weil er sich davon Sicherheit im Job verspricht. Das Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz sticht mit einer Zustimmung von 91 Prozent der Befragten deutlich aus der Shell-Umfrage hervor.
Ein Arbeitsplatz, für den die jungen Menschen nicht umziehen müssen oder der ihnen die Möglichkeit bietet, sich um andere zu kümmern, ist dagegen weniger wichtig (je 52 Prozent). Auch der 16-jährige Schüler ist bei der Jobfrage nicht auf die Region festgelegt: „Ich würde gerne in Süddeutschland bleiben, würde aber für ein gutes Angebot zum Beispiel nach München ziehen.“ Für Julia Briem und Lusia Schmid stehen Spaß und ein netter Umgang unter Kollegen an erster Stelle. „Natürlich spielt das Gehalt auch eine Rolle. Aber, dass ich Spaß an meiner Arbeit habe, steht für mich im Vordergrund“, sagt Julia Briem.
Jugendliche aus der Region sehnen sich nicht nach Homeoffice
Im Vergleich zu 2019 ist laut der Studie das Bedürfnis nach einem hohen Einkommen gestiegen (83 Prozent zu 76 Prozent). Während bei der letzten Shell-Umfrage noch drei Viertel der Befragten gute Aufstiegsmöglichkeiten zu ihrer Priorität erklärten, waren es in diesem Jahr bereits 80 Prozent. Ebenso spielt der Wunsch, aus dem Homeoffice arbeiten zu können bei 69 Prozent der Berufssuchenden eine wichtige Rolle. Zum Vergleich: Vor der Coronapandemie waren es noch 61 Prozent.
Einige Schülerinnen und Schüler auf der Messe erzählen, dass ihr Wunsch, aus dem Homeoffice zu arbeiten, gar nicht so groß sei. Sätze wie „wir hatten schon genug Unterricht vor dem Bildschirm“ oder „ich brauche den Austausch“, hört man immer wieder.
Durchgeführt wird die Berufsmesse jährlich im Oktober von den Städten Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen in Zusammenarbeit mit den Schulen und der örtlichen Wirtschaft.