Kommentar zum Börsenausblick Sicher ist nur die Unsicherheit

Die beiden mächtigsten Männer der Welt, die Präsidenten von China und den USA, werden auch an den Aktienmärkten aufmerksam beobachtet. Foto: dpa

Auf die Rekorde des Jahres 2017 folgte an den Aktienmärkten der Absturz. Im neuen Jahr kann es nur eine Wende geben, wenn in die Weltpolitik wieder Ruhe einkehrt, meint der Wirtschaftsredakteur Klaus Dieter Oehler.

Frankfurt/Main - Donald Trump verbreitet mal wieder Zuversicht, das ist so seine Art. „Ich denke, es ist eine großartige Zeit zu kaufen“, verkündete der US-Präsident vor dem Weißen Haus am ersten Weihnachtsfeiertag. Das war genau einen Tag nach einem der größten Kursstürze, den die amerikanische Leitbörse an der Wall Street hatte hinnehmen müssen. Doch Trumps simple Begründung für den Optimismus: Er habe großes Vertrauen in US-Unternehmen. Wenn man so denkt wie Trump, ergibt die Rechnung sogar Sinn. Die Kurse sind gefallen, nicht nur an Heiligabend, sondern das ganze Jahr über, Aktien daher relativ günstig, und wenn die US-Wirtschaft so in Schwung kommt, wie der Präsident es möchte, dann können die Kurse nur wieder steigen. Kurz nach Trumps Aufruf taten sie es sogar.

 

2018 war ein schwieriges Börsenjahr

Dennoch wird der US-Präsident mit einer so schlichten Kalkulation bei deutschen Anlegern auf wenig Gegenliebe stoßen. 2018 war eher ein Börsenjahr, das den ohnehin nicht sehr Aktien liebenden deutschen Sparer verschreckt haben könnte. Einem Kursplus von 14 Prozent in 2017 folgte ein Absturz um gut 19 Prozent. Und die Aussichten sind nicht besser, nicht zuletzt wegen Donald Trump. Es ist ungewöhnlich, wie stark die Wirtschaftspolitik des amerikanischen Präsidenten selbst die Aktienmärkte nun schon seit Monaten in Atem hält. Der Streit um Zölle mit China, die Aufkündigung von Handelsabkommen, selbst mit den engsten Nachbarn, die Drohungen gegenüber der Europäischen Union, die die deutsche Autoindustrie treffen könnten. Das alles hat die Stimmung an den Aktienmärkten belastet und eine spürbare Sorge um die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur wachgerufen. Hinzu kamen das Brexit-Gerangel, der Streit der EU mit Italien und die politischen Probleme in Frankreich. Für ein Land, dessen größte Branchen zu 70 bis 80 Prozent vom Export abhängen, ist das kein gutes Gemisch. Selbst der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat seine Gewinnerwartungen herunterschrauben müssen. Wie sollte man da für 2019 an steigende Kurse glauben?

Crash oder Erholung?

Ganz so düster sind die Aussichten dann aber doch nicht. Hauptgrund dafür, wenigstens einen Teil seines Ersparten in Aktien anzulegen, bleibt auch 2019 die lockere Geldpolitik der Notenbanken und die damit niedrigen Zinsen. Andere, „sichere“ Anlageformen bleiben unattraktiv. Ein Ausweichen in Gold birgt ebenso Risiken. Und der Run auf Kryptowährungen ist für den normalen Kleinanleger keine Lösung, eher etwas fürs Spielcasino. Mut machen kann vor allem die Tatsache, dass die deutschen Unternehmen schon mehrfach bewiesen haben, dass sie mit schwierigen Situationen umgehen können. Die aktuelle Börsenbewertung spiegelt diese Stärke nicht in allen Fällen wider, so dass eine Beteiligung an diesen Unternehmen sich durchaus lohnen könnte.

Doch auch wenn Experten für bestimmte Aktien aufgrund der Unternehmensdaten eine relativ konkrete Prognose wagen – eine Vorhersage für den Gesamtmarkt zu geben, ist in diesen Zeiten noch schwerer als sonst. Kaum ein Profi hatte zum Beispiel mit dem Kurseinbruch im vergangenen Februar/März gerechnet, fundamental hatte sich auch da kaum etwas geändert. Doch die Stimmung schlug um. Genau das ist das, was die Akteure an den Aktienmärkten nun für das neue Jahr hoffen. Eine Beilegung der politischen Streitigkeiten, Klarheit bei den Brexit-Gesprächen, Ruhe in Italien und Frankreich. Damit wäre schon viel erreicht. Die Unruhe aber wird noch eine Weile anhalten. Sicher ist nur die Unsicherheit. Solange werden kleine Ereignisse ausreichen, um die Kurse auf oder ab zu bewegen. Für manche Experten zeichnet sich sogar ein Börsencrash im kommenden Jahr ab, andere rechnen mit einer deutlichen Erholung. Wer recht hat, zeigt sich am Jahresende.

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