Börsenbarometer in der Kritik Aktienindex MSCI World: Etikettenschwindel – und wenn schon
Weltaktienindex oder nicht? Beim MSCI World geht es um wesentlich wichtigere Dinge als den Namen, findet unser Finanzkorrespondent Hannes Breustedt.
Weltaktienindex oder nicht? Beim MSCI World geht es um wesentlich wichtigere Dinge als den Namen, findet unser Finanzkorrespondent Hannes Breustedt.
Die Kritik am MSCI World trifft in wesentlichen Punkten zu, das sollte Anlegern zu denken geben. Wo Welt draufsteht, stecken tatsächlich vor allem US-Aktien drin. Das Etikett „Weltindex“ passt nur noch begrenzt. Das ist allerdings nicht das Hauptproblem.
Niemand dürfte bei der Namensgebung des Index vor über 35 Jahren Täuschungsabsichten gehabt haben. Die Investmentwelt war damals eben noch deutlich kleiner. Dass MSCI den bei ETF-Käufern beliebten Index nicht umbenennt: geschenkt. Erfolgreichen Produkten neue Labels zu verpassen, ist aus Marketing-Sicht unklug.
Das Spannende an der Kontroverse über den MSCI World ist weniger die Frage nach der Korrektheit des Namens als die nach der Aktiengewichtung des Index. Anleger müssen sich über die hohe Konzentration von – teilweise sehr heißgelaufenen – US-Techtiteln bewusst sein. Wie an den US-Börsen insgesamt stehen und fallen die Kurse besonders mit einer Reihe von Branchenschwergewichten – Nvidia, Apple, Microsoft, Tesla , Meta, Amazon und Alphabet.
Investoren müssen sich entscheiden, ob sie sich mit so viel US-Gewicht wohlfühlen. Dabei kann ein Renditevergleich helfen: US-Aktien haben internationale Aktien in acht der letzten zehn Jahre geschlagen – teilweise deutlich. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum US-Konzerne am Börsenwert gemessen so gewichtig und überproportional in globalen ETFs vertreten sind. Auch bei der Performance der letzten 50 Jahre sind US-Aktien überlegen, allerdings deutlich knapper. Analysten des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock rechnen in den kommenden Jahren mit geringeren US-Renditen.
Wer glaubt, dass die Dominanz der USA am Aktienmarkt schwindet, sollte sich stärker gestreute Welt-ETFs kaufen oder ergänzend Fonds mit Fokus auf Schwellenländer oder kleinere Firmen ins Depot legen.