Der größte Börsengang eines Internetunternehmens ist ein großes Fest gewesen. Doch einige Experten fragen sich: Wann platzt die Blase?

New York - Es war reiner Zufall – und es fand bei den Anhängern des sozialen Netzwerks Facebook auch keine Beachtung. Ausgerechnet zwei Tage vor dem „historischen Tag“, den der 28-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit seinen Freunden feierte und der ihn auf einen Schlag zu einem mehrfachen Milliardär machte, hatte das Oberlandesgericht in Frankfurt die Erwartungen von Tausenden von Aktionären enttäuscht. Die Anleger, die sich beim dritten Börsengang der Deutschen Telekom getäuscht fühlten, konnten vor Gericht ihre Ansprüche nicht durchsetzen. Sie werden es weiter versuchen – jetzt beim Bundesgerichtshof. Für 66,50 Euro hatten sie im Jahr 2000 die Papiere der Telekom gekauft, zwei Jahre später waren sie gerade noch acht Euro wert.

 

Solche Zweifel plagten Zuckerberg und seine Freunde am Freitag nicht. Mit 38 Dollar je Aktie haben die Facebook-Manager nach Ansicht von Experten zwar die obere Grenze dessen ausgereizt, was die Anleger angeblich bereit waren zu zahlen, aber offensichtlich haben noch viel mehr Menschen auf dem Globus so viel Lust auf eine Facebook-Aktie gehabt, dass auch diese Grenze zum Auftakt des Börsenhandels locker übersprungen wurde. Mit einer Bewertung von 104 Milliarden Dollar oder umgerechnet 80 Milliarden Euro war Facebook aus dem Stand teurer als die drei deutschen Traditionsunternehmen BMW, Deutsche Bank und Adidas zusammen.

Vor Beginn des Handels wurde eifrig gewettet

Doch das sollte nur der Anfang sein. Vor Beginn des offiziellen Handels wurde eifrig gewettet, mit welchen Aufschlägen die Aktie starten würde. Alles, was mehr als zehn Prozent sei, sei schon ein Erfolg, meinten die einen. Andere wiederum hielten einen Kurssprung von 50 Prozent für „realistisch“, ganz Mutige trauten der Aktie gar eine Verdoppelung zu. Auf jeden Fall war die Nachfrage so hoch, dass es fast eine halbe Stunden dauerte, bis der erste Kurs von 43 Dollar feststand: ein Plus von 12,3 Prozent. Wie lange der Höhenflug anhält, interessierte nicht – erst war Feiern angesagt.

Der Hype um die Facebook-Aktie sei nicht zu stoppen, meinten Händler in Frankfurt, wo die Aktien schon außerbörslich von 15.30 Uhr an zu handeln waren. Um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit war es so weit: Zuckerberg läutete die Glocke zum Handelsstart an der US-Technologiebörse Nasdaq. Doch weil Facebook kein normales Unternehmen ist, lief auch der Börsengang nicht nach normalen Maßstäben ab: der Jungmanager blieb in seiner Firma in Kalifornien. Zuckerberg hatte schon vorher gefeiert, die ganze Nacht durch mit seinen Mitarbeitern einen sogenannten „Hackathon“ abgehalten – eine Veranstaltung, bei der bis in die Morgenstunden unter Einfluss von viel Koffein und lauter Musik Software geschrieben wird.

Noch in diesem Jahr soll die Milliardenmarke geknackt werden

Der Börsengang des sozialen Netzwerks ist der Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Zuckerberg hat Facebook zusammen mit Kommilitonen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog das Netzwerk rund eine Million Nutzer an. Noch in diesem Jahr soll die Milliardenmarke geknackt werden. Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und plötzlich war die Studentenspielerei eine handfeste Wirtschaftsgeschichte.

Allerdings hat der Rekordbörsengang auch zunehmend Skeptiker auf den Plan gerufen, die sich zum einen fragen, wie lange die Erfolgsstory noch anhalten kann. Und die sich vor allem wundern, wie die hohe Bewertung zustande kommt und wann auch diese Blase platzen wird. Denn Facebook ist eine Wette auf die Zukunft. Noch ist das Unternehmen eher klein, hat zwar viele Nutzer, setzt aber nur 3,7 Milliarden Dollar um und hat zuletzt eine Milliarde Dollar Gewinn gemacht – das ist verschwindend wenig im Vergleich zu Unternehmen wie BMW, Deutsche Bank und Adidas.

Facebook könnte an die größten US-Börsengänge anschließen

Doch die Zweifel hielten die Investoren letztlich nicht davon ab, bei den Aktien zuzugreifen. Zusammen mit der sogenannten Mehrzuteilungsoption – eine Art Reserve der Banken – könnte Facebook bis zu 18,4 Milliarden Dollar einsammeln. Damit würde das Unternehmen an die beiden größten Börsengänge der US-Geschichte anschließen: Die Kreditkartenfirma Visa hatte im Jahr 2008 insgesamt 19,7 Milliarden Dollar eingenommen und der Autokonzern General Motors im Jahr 2010 nach seinem Neustart 18,1 Milliarden Dollar. Weltweit waren lediglich die Börsengänge dreier chinesischer Finanzkonzerne noch größer.

Zuckerberg selbst hat 30 Millionen seiner Anteilsscheine verkauft und damit gut 1,1 Milliarden Dollar eingenommen. Er besitzt aber noch einen Anteil im Gegenwert von mehr als 19 Milliarden Dollar. Auf der Liste der reichsten Menschen der Welt des Finanzdienstes Bloomberg hat sich der 28-Jährige auf Platz 29 vorgeschoben – und liegt damit noch knapp vor den beiden Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin.