Wie findet man eine Gewinneraktie? Foto: KI/Midjourney//Montage: Ruckaberle
Wer sein Geld vermehren möchte, kommt an der Börse nicht vorbei. Doch es ist nicht leicht, eine Gewinneraktie zu finden. Worauf Anleger beim „Stock Picking“ achten müssen.
Geld an der Börse anlegen ist nicht zu verwechseln mit Glücksspiel. Jeder Aktienkauf ist und bleibt zwar eine Wette auf die Zukunft – aber je besser man sich vorher über das Unternehmen informiert, desto einfacher ist es, die Entwicklung einzuschätzen. Damit das Investment kein Flop wird, gibt es bestimmte Kennzahlen, die Privatanleger kennen sollten, bevor sie sich die Wertpapiere ins Depot legen. Drei Börsenexperten aus Stuttgart erklären, was Anleger beim Stock Picking, also bei der Auswahl von Einzelaktien, unbedingt beachten sollten.
Zu versuchen, den Markt zu schlagen, geht meistens schief
Selbst Fondsmanager, die nichts anderes tun, als Geschäftsberichte zu lesen und Unternehmen zu analysieren, schaffen es selten, langfristig besser abzuschneiden als der breite Markt, erklärt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er warnt: „Der Kauf einzelner Aktien ist riskant und keine erfolgversprechende Strategie, um langfristig Vermögen aufzubauen.“ Kurzfristig folge die Börse einem Zufallspfad mit unvorhersehbaren Schwankungen. Verluste von bis zu 50 Prozent gehörten ebenso zur Tagesordnung wie rasante Kursanstiege.
Der Rat des Verbraucherschützers: breit gestreut in Aktien-ETFs investieren. Die Abkürzung steht für Exchange Traded Funds, übersetzt also börsengehandelter Indexfonds. Eine weltweite Streuung von 3000 bis 4000 Titeln an Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern sei zum Beispiel in Indizes wie dem MSCI All Country World oder dem FTSE All World enthalten. Nauhauser meint: „Sie sind eine solide Geldanlage und auch zur Altersvorsorge gut geeignet.“
Wichtige Börsenregel: Kaufe nichts, was du nicht verstehst
Vor allem Sparpläne können sich für Privatanleger auszahlen. „Bei einem festen Betrag pro Monat erhalten Investoren bei fallenden Kursen mehr Anteile, während sie bei steigenden Kursen eine geringere Anzahl an Papieren kaufen,“ erklärt Jürgen Dietrich, Abteilungsleiter des Aktienhandels der Börse Stuttgart. Über einen längeren Zeitraum betrachtet zahlen Anleger so einen günstigen Durchschnittspreis für die Anteile.
Jürgen Dietrich ist Abteilungsleiter des Aktienhandels bei der Börse Stuttgart. Foto: Börse Stuttgart
Wer sich trotz des höheren Risikos über den einmaligen Kauf von Einzelaktien Gedanken macht, kommt nicht darum herum, seine Kenntnisse zu vertiefen. Die Grundregel: „Grundsätzlich sollte man nur Wertpapiere kaufen, die man wirklich versteht“, rät Börsenprofi Dietrich. Womit verdient das Unternehmen Geld? Ist das Geschäftsmodell zukunftsfähig? Gibt es Schulden oder Rücklagen? Wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Und wie ist die Dividendenpolitik des Unternehmens? Hat man dann die wesentlichen Daten zusammen, kommt man der Vorstellung eines fairen Kaufpreises schon näher.
Was tun, damit das Investment kein Misserfolg wird?
Um überbewertete Aktien zu vermeiden, orientieren sich Anleger an einigen Kennziffern. Diese sind für jedermann auf der Homepage des Unternehmens einsehbar. Börsennotierte Unternehmen sind dazu verpflichtet ihre Bilanzen viermal im Jahr in Berichten offenzulegen.
Wichtig: „Keine Kennzahl ist für sich allein aussagekräftig. Sie muss stets im Zusammenspiel mit den weiteren Kennzahlen, im Branchenvergleich und im zeitlichen Verlauf interpretiert werden“, erklärt Finanzexperte Paul Maares von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Diese Kennzahlen sind für Aktien wichtig
– Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) misst die Anzahl der Jahre, in denen das Unternehmen seinen aktuellen Börsenwert verdienen würde. Dabei werden der aktuelle Aktienkurs und der aktuelle Jahresgewinn pro Aktie ins Verhältnis gesetzt. Als Faustregel gilt: je niedriger das KGV, desto preisgünstiger und attraktiver ist die Aktie. Doch Vorsicht: Ein niedriges KGV kann auch auf tiefer gehende Probleme hinsichtlich des Geschäftsmodells des Unternehmens hindeuten.
– Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) gibt an, wie hoch ein Unternehmen an der Börse im Verhältnis zu seinem Jahresumsatz bewertet wird – also wie viel Anleger bereit sind, für jeden Euro Umsatz zu zahlen. Auch hier gilt: Je niedriger die Zahl, desto günstiger die Aktie. „Es eignet sich besonders zur Bewertung wachstumsstarker Unternehmen ohne Gewinne“, erläutert Börsenfachmann Maares.
– Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum tatsächlichen Zahlungsmittelzufluss aus dem laufenden Geschäft. Ein niedriges KCV bedeutet, dass Anleger (verhältnismäßig) wenig für jeden Euro operativen Cashflow zahlen, was auf eine günstige Bewertung hinweisen kann.
Wie man überbewertete Aktien erkennt
– Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) misst das Verhältnis des Aktienkurses zum aktuellen Buchwert pro Aktie. Als Buchwert gilt das in der Bilanz ausgewiesene Eigenkapital. Auch hier gilt: je höher das KBV, desto höher die Bewertung der Aktie. Ein KBV unter 1 kann auf eine Unterbewertung hindeuten, ist aber vor allem bei kapitalintensiven Branchen aussagekräftig.
– Der Bruttogewinn EBITDA kann Anlegern Orientierung geben. Das EBITDA zeigt, wie viel ein Unternehmen aus dem laufenden Geschäft verdient, bevor Kosten wie Zinsen, Steuern oder Abschreibungen berücksichtigt werden – die Kennziffer ist besonders bei kapitalintensiven oder wachstumsstarken Unternehmen aussagekräftig. „Es eignet sich gut zum Vergleich von Unternehmen innerhalb einer Branche“, sagt Experte Maares.
Experte: Äpfel nicht mit Birnen vergleichen
So hilfreich solche Kennzahlen sein mögen, sie stoßen an ihre Grenzen – zum Beispiel, wenn man zwischen Branchen vergleicht. Will man etwa die Entscheidung treffen, entweder in einen Tech-Wert oder in einen Pharmakonzern zu investieren, so kann man nicht einfach die beiden KGVs der Aktien miteinander vergleichen.
„Das gleicht dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen“, erklärt Börse-Stuttgart-Experte Dietrich. Vielmehr empfehle es sich, innerhalb der Benchmark Vergleiche zu ziehen; also beispielsweise den Überflieger unter den Tech-Werten mit weiteren Werten aus derselben Branche zu vergleichen.
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