Börsenwerte deutscher Unternehmen Abgehängt am Aktienmarkt

Siemens ist mit SAP und der Deutschen Telekom das einzige deutsche Unternehmen unter den Top 100. Foto: dpa/epa Gombert

Zu den weltweiten Börsenchampions zählen kaum deutsche Konzerne. Das liegt auch am schwachen Finanzplatz, meint unser Reporter.

Deutschland ist trotz hartnäckiger Konjunkturflaute die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt – an der Börse jedoch ein Entwicklungsland. Mit SAP, Siemens und der Telekom schaffen es laut Analyse des Beratungshauses EY nur drei deutsche Konzerne unter die 100 weltweit wertvollsten Aktiengesellschaften. In Zukunft dürften es noch weniger werden, wenn sich an der schwachen Kapitalmarktinfrastruktur, mangelnder Finanzbildung und Aktienkultur nichts ändert.

 

Dax-Performance lenkt von deutscher Börsenschwäche ab

Das Börsenjahr 2024 sorgte mit einem imposanten Dax-Kursplus von 19 Prozent für Aufsehen. Der Rummel täuscht aber darüber hinweg, dass der deutsche Leitindex international ein Leichtgewicht ist und die Börse hierzulande kaum eine Rolle spielt. Die EY-Studie ordnet die Verhältnisse ein: Der iPhone-Riese Apple allein ist fast doppelt so viel wert wie alle 40 Dax-Konzerne zusammen. Der Trend ist nicht neu, die Wall Street dominiert traditionell die Finanzwelt. Dennoch ist Deutschland auf dem absteigenden Ast.

Unter den 300 Unternehmen mit der weltweit höchsten Börsenbewertung befinden sich laut EY nur noch fünf deutsche – ein massiver Rückgang zum Vorjahr, da waren es immerhin noch elf. Der Abstieg hat akute Gründe: Die Krise im Autosektor drückt die Aktien von Mercedes, Porsche, VW und BMW. Zudem geht der KI-Hype – abgesehen von SAP – weitgehend an deutschen Firmen vorbei. Doch die Probleme liegen tiefer.

„German Angst“ – Sparbücher und Versicherungen statt Aktien

Deutschland zahlt einen hohen Preis für jahrzehntelange Fehlanreize und Versäumnisse bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Die Risikoaversion ist tief in der Gesellschaft verankert – Sparbüchern und Versicherungen vertrauen die Deutschen mehr als Aktieninvestitionen. Damit spart sich die Bevölkerung nicht nur arm, die „German Angst“ vor der Börse geht auch zulasten von Firmengründungen, Innovationen und volkswirtschaftlichem Wohlstand. Solange das so bleibt, sind die Aussichten auf neue deutsche Aktienstars trüb – kein Wunder, dass Firmen bei Börsengängen einen Bogen um den Finanzplatz Deutschland machen.

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