Lost Place „Unbekannte Unterwelt“ im Bohnenviertel
Wo bitte geht’s da hin? In einer kleinen Baugrube unter der Esslinger Straße im Bohnenviertel ist eine Treppe mit Mosaik an den Wänden zu sehen. Was steckt dahinter?
Wo bitte geht’s da hin? In einer kleinen Baugrube unter der Esslinger Straße im Bohnenviertel ist eine Treppe mit Mosaik an den Wänden zu sehen. Was steckt dahinter?
Wo bitte geht’s denn da hin? Diese Frage stellen sich viele Passanten derzeit in der Esslinger Straße – zumindest jene, die sich die Zeit nehmen, um einen Blick in die kleine Baugrube gegenüber dem Treppenaufgang von Breuninger-Passage zu werfen. Wie ein verwunschener Lost Place, erscheint unterhalb der Straßendecke eine ominöse Treppe, die in die Tiefe führt. An der Wand ist ein buntes Mosaik aus kleinen Steinchen zu erahnen. Es handelt sich um die Reste der früheren Passage zwischen der Innenstadt und dem Bohnenviertel. Im Rahmen des Baus eines neuen Mobility Hub und des Hauses für Film und Medien auf dem Gelände des früheren Breuninger-Parkhauses werden die Gänge nun zugeschüttet.
Die mit rot-weißen Barken abgesicherte Baustelle am Leonhardsplatz wirkt unscheinbar. Nur knapp einen auf einen halben Meter groß ist das Loch in der Erde. Umso größer ist die Überraschung beim Blick hinein. Einen Meter unterhalb der Straßendecke klafft ein großes Loch. Dabei „handelt es sich um den Aufgang zur Esslinger Straße der ursprünglichen Unterführung“, bringt Stadtsprecherin Frederike Myhsok Licht ins Dunkel. Im Jahr 1959 erbaut, wurde das Bauwerk im Rahmen der Umgestaltung der Hauptstätter Straße (B 14) 1964 verlängert. Die Ausgänge an der Esslinger Straße, am Leonhardsplatz (zwischen Kirche und B 14) sowie an der Pfarrstraße kamen hinzu.
2000 und 2001 wurde der Ausgang zum Leonhardsplatz am Breuninger-Parkhaus durch die heutige Rotunde mit Treppenanlage und Aufzug großflächig ersetzt. Die Folge: Die Wege für die Fußgänger wurden kürzer. Die weiteren Bereiche der Unterführung, die Treppenaufgänge an der Esslinger Straße, Leonhardsplatz und Pfarrstraße wurden geschlossen. Ein Zugang war nur noch für Wartungszwecke möglich.
Auch das wird es in Zukunft nicht mehr geben, denn die Rotunde wird komplett zurückgebaut. Um „nicht unter den Straßen unnötige Hohlräume bestehen zu lassen, werden diese nun aufgefüllt“, erklärt Myhsok. Einzige Ausnahme bilden zwei Räume, die für den Betrieb des Nachtwächterbrunnens und für Schaltschränke der Ampel auf Höhe des Treppenaufgangs benötigt werden. Die Baugrube in der Esslinger Straße am ehemaligen Treppenaufgang dient als Zugang für die Auffüllarbeiten und „wird am Ende der Maßnahme wieder geschlossen“, so die Stadtsprecherin.
Die Hohlräume unter der Straße werfen hingegen für einige Anwohner ein neues Licht auf die Wasserschäden in den Kellerräumen einiger Häuser, die durch Überschwemmungen im Mai 2024 entstanden sind. Für den Abriss des Breuninger-Parkhauses musste ein Abwasserkanal gekappt werden. Die Stadt sieht sich nicht in der Verantwortung. Die Folgen: Die Anwohner blieben auf den Kosten sitzen, denn die Versicherung springt bei Schäden durch Grundwasser nicht ein. Auch jetzt erklärt die Stadtverwaltung, „dass kein Zusammenhang zwischen den Wasserschäden aus dem Vorjahr und der seit Jahrzehnten stillgelegten Unterführung besteht“.