Bohnenviertelfest Wummern auf dem Spielplatz

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Das Bohnenviertelfest erregt selten Unmut bei den Anwohnern, eine spezielle Innenhofparty während des Festes sehr wohl. Über einen Spielplatz schallt drei Tage lang Techno.

Während des Bohnenviertelfestes ist es mit der Ruhe der Anwohner vorbei. Techno-Musik will mancher allerdings nicht dulden. Foto: privat
Während des Bohnenviertelfestes ist es mit der Ruhe der Anwohner vorbei. Techno-Musik will mancher allerdings nicht dulden. Foto: privat

S-Mitte - Außerhalb von Festzeiten mahnt ein Schild zur Rücksicht: „Denken Sie an das Ruhebedürfnis der Nachbarn. Spätestens ab 20 Uhr sind keine störenden Geräusche mehr erlaubt.“ So gebietet es die Stadt. Das Schild steht inmitten des Bohnenviertels, an einem Spielplatz im Innenhof zwischen Brenner- und Rosenstraße. Es ist eines jener Idylle, die in den historischen Quartieren der Stadtmitte kein Auswärtiger erwartet, mit Baumschatten, Kiesboden, Sitzgarnituren für den Plausch, steinernem Tischfußball und historischen Mauerbogen, die an Vergangenheit erinnern. Stadtführer bringen Gruppen Geschichtsinteressierter hierher.

Zu Zeiten des Bohnenviertelfests ist es hier so voll, dass eine solche Gruppe sich kaum durchzwängen könnte, und mit der Ruhe der Nachbarn ist es selbstverständlich vorbei – für das gesamte Quartier. Insbesondere aber für die Bewohner der rund 50 Wohnungen rund um jenen Spielplatz. Die Taverne im Vorderhaus baut hier Tische und eine Stereoanlage auf.

„Gegen Musik hat niemand was. Dazu ist das Fest ja da.“

„Dagegen hat niemand was“, sagt Franziska Walz*. „Dafür ist das Fest ja da.“ Gegen die Musik zum Fest hätte sie auch nichts, wenn es vielleicht, dem Veranstalter gemäß, griechische wäre, in Griechenland hat sie eine Zeit lang gelebt. Oder eigentlich, wenn es egal welche Musik wäre, nur nicht: Techno. Wummernde Basslinien, mehr oder minder spärlich untermalt mit wiederkehrenden Melodiefetzen, beliebt bei Freunden der Kombination von Red Bull und Designerdrogen. „Nach drei Tagen Techno werden Sie verrückt“, sagt Walz. So gehe es nicht nur ihr, auch ihren Nachbarn. Am dritten Festtag hat sie, mit zitternden Fingern, wie sie erzählt, einen Brief geschrieben, ein vierseitiges Klagelied mit reichlich bissigen Randbemerkungen, adressiert an Oberbürgermeister Fritz Kuhn.

Derlei Ungemach zu lindern, gehört nicht unbedingt zu den Aufgaben des Stadtoberhaupts. Walz bekam dennoch Antwort. Ralf Maier-Geißer hat sie verfassen lassen, der beim Ordnungsamt für Veranstaltungen zuständig ist. Die Kernaussage missfällt Walz: „Auf die Auswahl der Musikrichtung haben wir keinen Einfluss“, sagt Maier-Geißer, selbst wenn es anders wäre: „Dann wünscht sich der eine vielleicht Volksmusik und der nächste die Rolling Stones“.

Livebands ist selbst die Ausrichtung der Boxen vorgeschrieben

Grundsätzlich hat und nimmt das Amt aber durchaus Einfluss auf den Schallschutz der Anwohner. Selbst die Ausrichtung der Musikboxen für die Livebands ist vorgeschrieben. Während der diesjährigen drei Festtage gab es ganze drei Klagen am eigens eingerichteten Beschwerdetelefon. „Das zeigt, dass wir und der Veranstalter auf einem guten Weg sind“, sagt Maier-Geißer. Die Klageführerin wertet die Antwort ungeachtet dessen als Kanzleitrost.

Der Veranstalter ist der Handels- und Gewerbeverein im Bohnenviertel. Der hat tief greifenden Einfluss auf das Festgeschehen. Was daran liegt, dass der Verein für die Festtage gewissermaßen die gesamte öffentliche Fläche von der Stadt mietet. „Wir zahlen dafür viel Geld ans Amt für öffentliche Ordnung“, sagt Monika Kurfeß vom Vereinsvorstand. Und wer zahlt, bestellt. Theoretisch könnte der HGV während der Festtage sogar Wirten gebieten, ihre Außenbestuhlung wegzuräumen, um für andere Veranstalter Platz zu schaffen. Und über das Musikprogramm mitzubestimmen, meint Kurfeß, sei mit der Nutzungsgebühr durchaus bezahlt: „Hard Rock käme zum Beispiel nicht in Frage.“

Zumindest theoretisch kommt auch keine Techno-Party in Frage, jedenfalls nicht in der Lautstärke, die zur Musikrichtung gehört. Außerhalb der Fläche, die für die Bands vorgesehen ist, „sind Verstärkeranlagen nicht erlaubt“, sagt Axel Heldmann, der HGV-Vorsitzende. „Aber manche geben das bei der Anmeldung nicht an.“ Der Verein werde sich bemühen, die Angelegenheit gütlich zu regeln. Was nicht nur der Vernunft wegen angeraten scheint – auch jene Taverne ist Mitglied im HGV.

* Name geändert

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