Ganz in Schwarz gekleidet präsentierte sich Armin Culum alias Boki beim Gerichtshof von Bosnien-Herzegowina. Gemeinsam mit seinem Sohn A. und drei weiteren mutmaßlichen Mitgliedern der kriminellen Bande sowie den Verteidigern war er bei einer Anhörung dabei, berichtet der "Schwarzwälder Bote". Es ging um die Verlängerung der Untersuchungshaft für die Tatverdächtigen.
Dass das Verfahren von keiner geringeren als der Präsidentin des Gerichtshofs von Bosnien-Herzegowina, Minka Kreho, geleitet wird, zeigt die Bedeutung des Falls mit internationalem Ausmaß.
Beschlagnahmte Handys wurden analysiert
Boki und seiner Gefolgschaft wird in erster Linie internationaler Menschenhandel, Zwangsprostitution und Geldwäsche vorgeworfen.
Seit einer großen Polizeiaktion Anfang Oktober vergangenen Jahres sitzen die Mitglieder der Bande nun in Untersuchungshaft.
Bei der Anhörung vor dem Gerichtshof, die per Video aufgezeichnet und von der Nachrichtenseite Avaz veröffentlicht wurde, erklärte die zuständige Staatsanwältin den derzeitigen Verfahrensstand. Demnach haben die Ermittlungsbehörden in den vergangenen Monaten unter anderem die beschlagnahmten Mobiltelefone analysiert.
Aufgrund der Gespräche von betroffenen Frauen haben sich ihren Angaben zufolge die Anschuldigungen gegen die Verdächtigen erhärtet.
Nur Bokis Meinung würde zählen
Ebenso ersichtlich sei geworden, wer der Kopf der Bande ist. „Armin Culum, unter dem Spitznamen Boki bekannt, ist laut den Gesprächen, die diese Frauen führen, die Person, die für die Organisation dieser Prostitution zuständig ist. Aus den Gesprächen geht hervor, dass er der Einzige ist, dessen Meinung zählt, und dass nur er das Recht hat, Konflikte zwischen den Frauen, beispielsweise über Kunden, zu lösen“, so die Staatsanwältin.
Mehr noch: Die Auswertung der Gespräche hat dazu geführt, dass die Ermittlungen ausgeweitet werden. Im Raum steht nun ebenfalls der unerlaubte Handel mit Betäubungsmitteln, heißt es vor Gericht. So soll Boki laut Telefonaufzeichnungen ein Kilogramm Kokain im Wert von 38 000 Euro gekauft haben. Über ein Bandenmitglied sei der Deal abgewickelt worden.
Größere Drogengeschäfte vorgeworfen
Das ist laut der Staatsanwältin aber nur die Spitze des Eisbergs: „In diesem Stadium der Untersuchung verfügen wir über erste Informationen, die darauf hindeuten, dass Armin Culum in den Handel mit weitaus größeren Mengen von Betäubungsmitteln verwickelt war.“ Die Rede ist von Drogen im Wert von Hunderttausenden Euro.
Beantragt werde deshalb, die Untersuchungshaft um weitere drei Monate zu verlängern. Darüber muss das Gericht noch entscheiden. Der Verteidiger von Boki wehrte sich gegen die neuen Vorwürfe – die App, welche zum Telefonieren der Drogen-Geschäfte verwendet worden sein soll, habe der VS-Rotlichtkönig nie besessen.
Verbindungen zu Superkartell?
Tatsächlich aber wurden in der Vergangenheit bereits Recherchen eines bosnischen Investigativjournalisten veröffentlicht, wonach Armin Culum bei Drogengeschäften mit einem südamerikanischen „Superkartell“ zusammengearbeitet hat, welches mittlerweile zerschlagen wurde. Boki und auch sein Bruder Nermin hätten in der Vergangenheit, so heißt es nach den Recherchen, mit gefälschten Pässen die dortigen Kokain-Beschaffungszentren besucht.
Mehr noch: Laut Ermittlungen der deutschen Behörden war Bokis Sohn A. Dreh- und Angelpunkt für Drogengeschäfte der United Tribuns in der Region rund um VS.
Während A. zunächst fliehen konnte, mussten sich mehrere Angeklagte deswegen vor dem Landgericht Konstanz verantworten und wurden im Dezember 2023 zu teils langen Haftstrafen verurteilt.