Was wir über Ansbach-Attentäter wissen Hinweise auf islamistischen Hintergrund

Von dpa/atr 

Wer war der Mann, der die Bombe in Ansbach gezündet und mehrere Menschen verletzt haben soll? Wir fassen zusammen, was wir bislang über den mutmaßlichen Täter, einen geduldeten Flüchtling aus Syrien, wissen und was nicht.

Der Rucksack eines 27-Jährigen, der zuvor einen Sprengsatz zur Explosion gebracht haben soll, liegt am am Tatort in Ansbach (Bayern). Foto: dpa 9 Bilder
Der Rucksack eines 27-Jährigen, der zuvor einen Sprengsatz zur Explosion gebracht haben soll, liegt am am Tatort in Ansbach (Bayern). Foto: dpa

Stuttgart - Am Sonntagabend hat der Polizei zufolge ein 27-jähriger Flüchtling eine Bombe in der Nähe eines Open-Air-Konzerts in Ansbach explodieren lassen. Der Mann aus Syrien starb, mehrere Menschen wurden teils schwer verletzt.

Über den mutmaßlichen Täter sind einige Informationen bekannt. In einem Überblick zeigen wir, was wir bislang wissen – und was nicht.

Was wir zum jetzigen Zeitpunkt wissen:

  • Bei dem Anschlag handelt es sich um einen Terroranschlag mit islamistischer Überzeugung des Täters, sagte Herrmann. Der Täter beziehe sich auf Abu Bakr al-Baghdadi, den Anführer der Terrormiliz IS. Der Täter kündige einen Racheakt gegen Deutsche an als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten. Auf einem Handy gebe es eine Anschlagsdrohung des Täters selbst als Video, sagte Innenminister Herrmann. 
  • Der mutmaßliche Täter sei vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und habe einen Asylantrag gestellt, sagte Bayerns Innenminister Herrmann. Nach Angaben Herrmanns reiste der Täter am 3. Juli 2014 erstmals nach Deutschland ein. Der Antrag wurde vor einem Jahr abgelehnt. Der Täter habe ab Februar 2015 eine Duldung erhalten, die danach mehrfach verlängert wurde, sagte Herrmann. Vor nicht einmal zwei Wochen habe das BAMF erneut den Betroffenen aufgefordert, Deutschland innerhalb von 30 Tagen zu verlassen. Der Grund für die Ablehnung des Asylantrags ist laut Herrmann noch unbekannt. Dies soll im Laufe des Tages mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geklärt werden.
  • Der 27-Jährige kam laut Ermittlern aus Aleppo und hatte Kriegsverletzungen. Bei der Obduktion seien Splitter an Füßen und Beinen gefunden worden. Nun müsse geklärt werden, inwieweit der Täter militärische Zusammenhänge hatte.

  • Der Mann wohnte in einer Asylunterkunft in Ansbach. Dort fanden die Ermittler einen Benzinkanister mit Diesel sowie Salzsäure, Alkoholreiniger, Lötkolben, Drähte, Batterien und Kieselsteine, außerdem einen Laptop mit gewaltverherrlichenden Bildern, die in Verbindung zum IS stehen, wie der Polizei-Vizepräsidenten von Mittelfranken, Roman Fertinger, sagte.

  • Der Selbstmordattentäter von Ansbach sollte nach Angaben des Bundesinnenministeriums nach Bulgarien abgeschoben werden. Warum die Abschiebung des Syrers nicht vollzogen worden sei, könne er derzeit nicht sagen, sagte ein Ministeriumssprecher. Abschiebungen lägen in der Zuständigkeit der Länder.

  • Der Täter habe sechs Facebook-Accounts betrieben, sagte Polizeivizepräsident Roman Fertinger. Vier seien schon vom Netz genommen worden. Mindestens ein Account sei mit falschen Personalien betrieben worden. Auf Handys seien die WhatsApp-Verläufe gesichert worden. Diese würden ebenso ausgewertet wie die Funkzellen, in denen sich die Handys befunden hatten.

  • Er war wiederholt strafrechtlich in Erscheinung getreten. Unter anderem hatte die Polizei wegen eines Drogendelikts mit dem Mann zu tun, wie Herrmann sagte.
  • Der mutmaßliche Täter war dem städtischen Sozialamt als „freundlich, unauffällig und nett“ bekannt. Das sagte Reinhold Eschenbacher vom städtischen Sozialamt. „Der junge Mann war öfters als Asylbewerber hier und bei uns bekannt. Da ging es um soziale Leistungen“, sagte er.
  • Der Syrer habe sich schon zwei Mal das Leben nehmen wollen. Seine Arme zeigen entsprechende Merkmale. Er sei deshalb auch schon in einer Psychiatrie untergebracht gewesen.
  • Was wir nicht wissen:

    • Bislang seien keine Verbindungen zu terroristischen Gruppierungen festgestellt worden, sagte der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Mittelfranken, Roman Fertinger. Auch sei bislang kein Bekennerschreiben gefunden worden. Es ist also noch nicht klar, ob der mutmaßliche Täter Kontakt mit IS-Mitgliedern hatte. Dem IS-Sprachrohr Amak zufolge war der 27-Jährige ein „Soldat des Islamischen Staates“. Das teilte Amak am Montag im Internet mit. Er habe die Tat als Antwort auf die Rufe des IS begangen, die Koalition zur Bekämpfung der Terrormiliz anzugreifen, hieß es in der Botschaft. Das IS-Sprachrohr berief sich dabei auf eine nicht näher genannte „Sicherheitsquelle“ der Terrormiliz. Ein gesicherter Beweis für den Kontakt des syrischen Flüchtlings zum IS ist diese Aussage allerdings nicht, die Terrormiliz kann sich auch aus propagandistischen Motiven zur Tat bekannt haben.
    • Grundsätzlich ist noch unklar, ob der Attentäter Helfer hatte oder es zu dieser Tat Hintermänner gab.