Einsätze wie die Evakuierung und Entschärfung in Hoffeld machen deutlich: Zusammenhalt zeigt sich im Kleinen – und ist etwas Großes, meint unsere Polizeireporterin Christine Bilger.
Eiseskälte, Palmsonntag, Zeitumstellung, und dann am frühen morgen raus aus den Federn und auf unbestimmte Zeit wegbleiben. Es ist ohne Zweifel nervig, wenn man von einer Evakuierung für eine Bombenentschärfung betroffen ist. Sei es geplant, wie nun am Wochenende, sei es akut wie im vergangenen August in Untertürkheim. Man mag es für überflüssig halten. Passiert doch eh nie was, argumentieren viele, die Einsatzkräfte hätten das ja im Griff. Doch genau das ist ein Trugschluss. Daher sind die Solidarität und das Mitwirken aller an solch einem Tag unerlässlich.
Denn man muss nicht weit zurückschauen: Erst im vergangenen Jahr musste in Stuttgart nahe dem Fernsehturm eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt werden. Und bei aller Sachkenntnis, Vorsicht und kalkuliertem Risiko: Passieren kann immer etwas, das zeigte jene Aktion im Juni 2025. Bis zur Tennishalle auf der Waldau flog ein Schrapnell, durschschlug die Hallendecke und machte ein Loch in den Hallenboden.
Die Halle lag dabei gerade noch im Sicherheitsradius. Passiert ist niemandem etwas. So ein Dach kann man flicken, den Tennishallenboden auch. Nicht auszudenken, es hätte Menschen getroffen.
Der Aufwand ist groß. Das schwere Erbe des Weltkriegs verlangt immer wieder den Einsatzkräften von Bevölkerungsschutz, Polizei und Feuerwehr viel ab – vor allem aber jenen Menschen, die sich in den entscheidenden Minuten ins Erdloch rund um den Sprengkörper begeben und sich am Zünder zu schaffen machen – ein aufopferungsvoller und nicht risikofreier Einsatz für die Gesellschaft.
Es ist nicht selbstverständlich, das alle mitwirken. Das mussten die Einsatzkräfte im Juli 2025 erleben. Beim Fund eines Blindgängers in Bad Cannstatt kam es zu einer Verzögerung, weil ein Bewohner die Evakuierung nicht einsah. Und das in unmittelbarer Nähe des Fundorts. Das zehrte auch an den Nerven der Feuerwerker, die die Bombe unschädlich machen mussten – auch noch ein „brenzliger Fall“, wie sie hinterher berichteten.
Solidarität, Mitwirken, Verständnis und ein bisschen Heldenmut bei den Entschärfern: Es ist am Ende unspektakulär, wenn aus einem Matschloch ein unschädlicher Blindgänger geholt wird. Doch es bedarf all dieser Tugenden, dass solche ein Tag in Ruhe und für alle ohne Gefahr abläuft. Respekt an alle, die mitziehen und zeigen, was Gemeinschaft leisten kann. Zumal es ein dunkles Erbe der Geschichte ist, gegen das man bei diesen Einsätzen angeht, für das keine und keiner der Involvierten an diesem Tag etwas kann.