Bombenfund in Böblingen V8-Hotel muss über 100 Gäste anderweitig unterbringen

Simeon Schad und seine Mitarbeiter im V8-Hotel hatten am Donnerstagabend mehr zu tun, als ihnen lieb war. Foto: Krülle

Die Entschärfung der Weltkriegsbombe am späten Donnerstagabend an der A 81 hat gut geklappt – ein Hotelier musste allerdings mehr als 100 Gäste bei Kollegen unterbringen.

Simeon Schad war bemüht, die Aufregung rund um den Bombenfund in Böblingen mit Fassung zu tragen – auch wenn der Chef des V8-Hotels auf dem Flugfeld wohl mit Abstand am härtesten von der angeordneten Evakuierung betroffen war. „Wir müssen über 100 Gäste in anderen Hotels unterbringen und brauchen ungefähr 70 Zimmer“, berichtete der Hotelier noch am Abend, „für unseren finanziellen Schaden kommt aber niemand auf, das übernimmt keine Versicherung.“ Mit 12 000 bis 15 000 Euro Extra-Kosten rechnet der Hotelchef.

 

Ab 18 Uhr arbeiteten Simeon Schad und sein Team auf Hochtouren, weitere Mitarbeiter wurden hinzugerufen, um die eigenen Gäste in kurzer Zeit ins Erikson oder Marriott in Sindelfingen sowie ins Hotel Böhler nach Böblingen verlegt zu bekommen – auf Kosten des V8-Hotels. Bis 22.30 Uhr sollte die Evakuierung im betroffenen Gebiet abgeschlossen sein, damit die gefundene Weltkriegsbombe ab 23 Uhr entschärft werden konnte.

„Da hängt dann sehr viel dran“, berichtete Schad am nächsten Tag, „am Abend brauchten wir kurzfristig mehr Personal, um das zu organisieren – am nächsten Morgen weniger, weil kein Gast bei uns gefrühstückt hat.“ Die Warenbestellung, unter anderem frische Brötchen, sei auf die Schnelle auch nicht rückgängig zu machen. Der Hotelchef stellte zudem den Gästen einen Shuttle-Service in die neue Bleibe zur Verfügung. „Immerhin findet gerade keine Messe oder ähnliches statt“, so Schad, der die spontane Zusammenarbeit mit den Kollegen der anderen Hotels als „unkompliziert“ lobte, „deshalb gab es genug freie Zimmer in der Nähe.“

Wenig Menschen wohnen im betroffenen Areal – nur nicht im Hotel

Nachdem am Donnerstagnachmittag ein 250-Kilogramm-Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg an der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen gefunden worden war, ging es noch am Abend an die Evakuierung. In einem Radius von 400 Metern rund um den Fundort an der Autobahn durfte sich bis 22.30 Uhr niemand mehr aufhalten. Glück im Unglück: Im betroffenen Areal wohnen kaum Menschen. Die Polizei in der Wildermuth-Kaserne war betroffen, eine Firmenfeier in der Motorworld musste bereits um 22 Uhr beendet werden, ansonsten stehen dort fast nur Firmengebäude oder Werkstätten – allerdings befanden sich die beiden V8-Hotels im Evakuierungsgebiet, wenn auch am äußersten Rand.

In diesem Bereich wurde die Weltkriegsbombe gefunden. Foto: Eddie Langner

„Für uns war’s eigentlich ärgerlich, dass die Entschärfung bereits nach 15 Minuten erledigt war“, sagte Simeon Schad am Tag danach. Diese Zeit hätte man vielleicht in Räumlichkeiten um die Ecke überbrücken können. „Aber das weiß man vorher eben nicht“, so der Hotelier, der bei allem Unmut auch betonte: „Die Sicherheit geht natürlich vor.“ Eine behördliche Anordnung dieser Art sei zu akzeptieren, der wirtschaftliche Schaden bleibe aber an ihm hängen. Das Hotel habe zwar eine Betriebsunterbrechungs- und Betriebsschließungsversicherung abgeschlossen, die greife aber nicht bei einem Bombenfund samt Evakuierung, sondern nur bei Krankheitserregern wie Legionellen im Trinkwasser oder bei einem Brand. „Die Stadt kann natürlich auch nichts dafür“, meinte Schad, „aber vielleicht kann man ja über einen Sonderfonds für solche Fälle nachdenken.“

In Böblingen und Sindelfingen kommt es bei Bauarbeiten immer wieder zu Bombenfunden, waren die beiden Städte in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs doch heftigen Angriffen ausgesetzt. Manchmal kann es dabei aber auch zu Missverständnissen kommen. Denn als Ende April nahe des aktuellen Fundorts eine vermeintliche Bombe im Untergrund vermutet und die Autobahn für die Entschärfung gesperrt wurde, stellte sich die „Anomalie“ bei genauerem Hinsehen als selten auftretende Metalleinschlüsse im Boden heraus. „Damals hatten wir immerhin mehr Zeit zur Vorbereitung“, stellt der auch damals betroffene Simeon Schad fest, „diesmal war es arg kurzfristig.“

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