Seit der Eröffnung des Sielminger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums im Jahr 2003 war Peter Bizer dort Rektor. Jetzt wurde er mit ganz großem Bahnhof in den Ruhestand verabschiedet.

Nur Gott weiß, wie viele Hände Peter Bizer an diesem Tag schüttelt. Gefühlt sind es die von halb Filderstadt: Eltern und Jugendliche stehen Schlange, Repräsentanten des Regierungspräsidiums, der Stadtverwaltung, des Gemeinderats, der Kirche, der Schulen, des Fördervereins und des Mensateams, Ehemalige, Kolleginnen und Kollegen. Alle wollen dabei sein, als der Schulleiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Sielmingen verabschiedet wird.

 

Peter Bizers Schulkarriere ist keine gewöhnliche. Der Mann, der ursprünglich Notar werden wollte, sich dann aber doch wie der Großteil seiner Verwandten in den Schuldienst begeben hat, war Lehrer am evangelischen Heidehof-Gymnasium in Stuttgart, als er in einem Fachblatt eine Anzeige entdeckte: Schulleitung gesucht für den Aufbau einer neuen Schule. Er bewarb sich, obwohl er formal keine Führungserfahrung hatte – und bekam den Zuschlag. 2003, nach zwei Jahren Bauzeit, eröffnete das neue Gymnasium in Sielmingen. Neben Peter Bizer nahmen damals 16 Lehrkräfte die Herausforderung an, eine komplett neue Schule zu gestalten. Los ging es zweizügig. Heute, 22 Jahre später, platzt das Haus mit mehr als 70 Lehrkräften und weit mehr als 700 Schülerinnen und Schülern, die durchgehend vierzügig lernen, aus allen Nähten. Eine Schule aus der Taufe zu heben und dann Jahre später die Früchte ernten zu dürfen, „das ist etwas ganz Besonderes“, sagte Claudia Rugart, Präsidentin am Regierungspräsidium, in ihrer Abschiedsrede.

Zum Start überreichten Schülerinnen und Schüler Peter Bizer 2003 eine Schultüte. Foto: privat/Archiv

Peter Bizer ist nicht nur Oberstudiendirektor, er ist auch Theologe und hat neben Deutsch stets auch evangelische Religion unterrichtet. Dass sein Gymnasium den Namen des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer trägt, ist auch ihm zu verdanken. Denn als die Schule 2003 öffnete, wurde die Namensgebung der Schulgemeinschaft überlassen. Seitdem prägt das, wofür Dietrich Bonhoeffer steht, das Leitbild des Gymnasiums. „Der Name hat eine große Bedeutung für mich. Dietrich Bonhoeffer steht für Zivilcourage, Austausch und Ethik“, sagte Peter Bizer Anfang des Jahres im Gespräch mit unserer Zeitung.

Eine stabile Wertebasis, viel Ruhe und Besonnenheit, eine zugewandte Art und eine besonders verbindliche und verbindende Kommunikation bescheinigen dem scheidenden Rektor denn auch die vielen Gratulanten. „Sie haben jungen Menschen Mut gemacht nicht nur im Lernen, sondern auch, Verantwortung zu übernehmen für ihr Leben“, sagt der Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub. Als „Leuchtturm für das Schulschiff“ bezeichnet ihn der Schuldekan Christoph Salzger. Pionier, das Wort fällt an diesem Tag häufig.

Peter Bizer scheidet mit 63 Jahren aus dem Schuldienst aus. Auf eigenen Wunsch. Schulleiter zu sein, sei unglaublich vielseitig, spannend und immer wieder voller Überraschungen. „Aber es ist eben auch intensiv und anstrengend, Konflikte und Auseinandersetzungen zu bearbeiten, Krisen zu managen, mit Enttäuschungen und unerfüllten Erwartungen umzugehen. Und immer trägt man für all dies große Verantwortung, was durchaus auch viel Kraft kostet“, sagt er. Er sei bis heute beglückt darüber, diese große Aufgabe anvertraut bekommen zu haben – „und was aus all dem nun geworden ist“. Jetzt fühle er aber auch eine deutliche Erschöpfung.

Wer die künftig die Leitung des Gymnasiums übernimmt, ist noch unklar. Das Verfahren laufe, und es gebe durchaus Bewerbungen, dennoch sei die Nachfolge bislang nicht geregelt. Peter Bizer geht aber davon aus, dass es sich höchstens um wenige Wochen handeln könne und dass bis zum Schuljahresbeginn die Nachfolge geregelt sei.