Bonus für Arbeitnehmer Beim Urlaubsgeld geht jeder Zweite leer aus
Die schönsten Wochen des Jahres reißen oft ein tiefes Loch in die Kasse. Umso willkommener ist ein Zuschuss des Arbeitgebers. Doch den bekommen längst nicht alle.
Die schönsten Wochen des Jahres reißen oft ein tiefes Loch in die Kasse. Umso willkommener ist ein Zuschuss des Arbeitgebers. Doch den bekommen längst nicht alle.
Weniger als die Hälfte der Beschäftigten (46 Prozent) in der deutschen Privatwirtschaft kann in diesen Wochen mit einem Urlaubsgeld rechnen. Und die Chancen darauf sind alles andere als gleich verteilt: Frauen gehen öfter leer aus als Männer. Beschäftigte im Westen haben größere Chancen darauf als Arbeitnehmer im Osten.
Und auch die Größe des Betriebs und die Frage der Tarifbindung spielen eine entscheidende Rolle, wie das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag auf Grundlage einer Online-Befragung von mehr als 68 000 Beschäftigten mitteilte.
Die größten Chancen, ein Urlaubsgeld zu erhalten, haben demnach Beschäftigte in tarifgebundenen Unternehmen. Rund 74 Prozent von ihnen erhalten der Umfrage zufolge einen Gehaltszuschuss für die schönsten Wochen des Jahres. Zum Vergleich: Bei Beschäftigten, für die kein Tarifvertrag gilt, sind es lediglich 36 Prozent.
Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gilt heute nur noch für knapp die Hälfte der Beschäftigten (49 Prozent) ein Tarifvertrag, in der Privatwirtschaft ist die Tarifbindung mit 42 Prozent noch einmal geringer. Durchschnittlich erhalten der Umfrage zufolge 50 Prozent der Männer, aber nur 40 Prozent der Frauen Urlaubsgeld.
Auch die Region, in der man arbeitet, spielt eine große Rolle. Während im Westen fast die Hälfte (48 Prozent) der Beschäftigen einen Zuschuss zur Urlaubskasse bekommt, ist das in den ostdeutschen Bundesländern nur bei gut einem Drittel der Arbeitnehmer (34 Prozent) der Fall. Hier wirke sich die geringe Tarifbindung der Unternehmen in Ostdeutschland spürbar zulasten der Beschäftigen aus.
Die Daten der Online-Umfrage wurden über die Internetseite „Lohnspiegel.de“ des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts WSI von Anfang Mai 2023 bis Ende Mai 2024 erhoben. An der Umfrage nahmen mehr als 68 000 Beschäftigte teil. Die Befragung ist nicht repräsentativ, liefert laut WSI wegen der hohen Fallzahl aber eine verlässliche Orientierung.