Boom bei Bustourismus Warum Reisebusse in vielen Städten unbeliebt sind
Nach der Corona-Delle ist der Bustourismus im Aufwind. Doch zu viele Städte behandeln dieses Segment eher stiefmütterlich, sagt die Branche. Was machen Stuttgart und Heidelberg?
Nach der Corona-Delle ist der Bustourismus im Aufwind. Doch zu viele Städte behandeln dieses Segment eher stiefmütterlich, sagt die Branche. Was machen Stuttgart und Heidelberg?
Was ist das Klischee beim Reisebus? Es sind die Seniorengruppen, die am Rand der Innenstädte aussteigen und im Pulk die Attraktionen fluten. Der Bus sozusagen als Kreuzfahrtschiff des kleinen Mannes, der manche Destinationen mit Tagestouristen überschwemmt. An europäischen Top-Zielen wie Salzburg oder Rom sind Reisebusse deshalb aus den Zentren verbannt worden.
„Vier von fünf Busreisenden suchen in der Tat das Gruppenerlebnis,“ sagt Carolin Grötzinger, die für den gleichnamigen Familienbetrieb aus Bartholomä im Ostalbkreis das Busgeschäft leitet. Dennoch nennt die Vizepräsidentin des Verbandes Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) das beschriebene Bild unfair: „Die meisten Touristen kommen doch mit dem Auto – da ist es für die Innenstädte doch besser und umweltfreundlicher, wenn sie mit dem Bus unterwegs sind.“ Und im übrigen bringe jede S-Bahn mehr Menschen in die Stadt.
„In Zeiten der grünen City wird der umweltfreundliche Reisebus am liebsten aus Innenstädten verbannt“, sagte jüngst WBO-Geschäftsführerin Yvonne Hüneburg auf dem „Tag des Bustourismus“ auf der Reisemesse CMT. Insbesondere am Rande der Altstädte sei es immer schwieriger, Ausstiegspunkte zu finden: „Die Fahrgäste sollen sich irgendwo vom Stadtrand aus mit dem öffentlichen Nahverkehr auf den Weg machen.“ Das ist etwa für Senioren ein Problem, die trotz des Werbens um jüngeres Publikum eine wichtige Zielgruppe bleiben.
Busreisen haben gerade in einer alternden Gesellschaft Potenzial. Rund zwei Drittel der vom WBO befragten Mitglieder nennen die Aussichten für 2025 gut oder sehr gut. Nur 5 Prozent halten sie für schlecht. Schon 2024 war die Bilanz positiv. Dennoch stehe der Bustourismus vielerorts am Rand, sagt der WBO. Wohl auch, weil hier oft Tagestouristen unterwegs sind, die als weniger einträglich gelten.
Bezeichnend sei der Umgang mit Busfahrern. Auf den oft in die Peripherie verlegten Busparkplätzen gebe es meist weder Toiletten noch Aufenthaltsräume oder etwas zu essen, sagt Carolin Grötzinger: „Allein die Fahrt vom Ausstiegspunkt zum Parkplatz braucht manchmal eine halbe Stunde.“ Private Veranstalter, etwa in der Stuttgarter Schleyer-Halle, erlaubten den Fahrern immer öfter keinen Zutritt.
Auch am zentralen Reisebusparkplatz am Wasen in Stuttgart gibt es keine Räume für Fahrer. Während der Volksfeste, an denen bis zu 150 Busse täglich ankommen, werden Toiletten aufgestellt. Auf der großen Parkfläche sei auch ohne Reservierung ein Parkplatz sicher, sagt Stefanie Hirrle von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart: „Die Fahrer bekommen zudem Wertgutscheine für die Volksfeste und den Weihnachtsmarkt.“ Sie erhielten zur Weihnachtssaison auch Freifahrten mit dem Nahverkehr in die Innenstadt. Einen Anlaufpunkt in der City wird es erst mit Eröffnung des Hauses des Tourismus geben, die für das Frühjahr 2025 geplant ist. Bei Parkplätzen im Zentrum sei Stuttgart sehr restriktiv, sagt Busunternehmerin Grötzinger: „Drei oder fünf Busparkplätze würden ja schon helfen.“ Mehr Parkraum für Reisebusse nehme vielleicht den Autos Platz weg, führt sie aus: „Aber sollte man nicht den Bus als ökologisches Verkehrsmittel fördern?“
In Touristenmetropolen wie Heidelberg ist die Lage schwieriger. Die Altstadt ist zur Hauptsaison überfüllt, insbesondere mit Tagestouristen. Dazu tragen auch 50 bis 80 Reisebusse täglich bei. „Wildparker“ seien hier nicht einberechnet, sagt Julian Klose, Sprecher der Stadt. Vor der Kommunalwahl 2024 hatte die SPD gefordert, die Zahl der Busse in der Innenstadt zu beschränken. Die Linke wollte sie ganz aus der Altstadt verbannen. Auch die Grünen wollen die Parkplätze an den Stadtrand verlagern. Die heutigen zentrumsnahen Parkplätze etwa am Schloss sind knapp. Immerhin lassen sie sich reservieren. Doch auch hier gibt es weder Aufenthaltsräume noch Toiletten – man verweist auf die Innenstadt. Es gebe auch keine Gutscheine oder Vergünstigungen für Busfahrer und Reiseleiter, sagt Klose – dies sei aber ein interessanter Ansatzpunkt. „Wir sind außerdem in den Vorbereitungen für einen weiteren Busparkplatz, von dem aus der zentrale Ausstiegspunkt gut erreichbar ist,“ sagt er.
Doch auch wenn Städte wie Stuttgart und Heidelberg beteuern, dass sie Bustouristen herzlich willkommen heißen, hat der WBO einen Preis für besonders busfreundliche Destinationen in Baden-Württemberg lanciert. Zwei Preisträger sind aber die bei Touristen beliebten Freizeitparks Europa-Park und Tripsdrill, die andere Voraussetzungen haben. In der Region Stuttgart wurde als Stadt Göppingen gewürdigt: Fahrer bekommen hier zum Beispiel ein kostenloses Essen und Busgruppen werden mit speziellen Rabatten umworben.