Zum ersten Mal hat es in Deutschland über 100 000 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gegeben. Wie gut schützt die Booster-Impfung vor der Omikron-Variante?

Erstmals ist die Zahl der innerhalb eines Tages in Deutschland registrierten Corona-Neuinfektionen sechsstellig. Das Robert Koch-Institut gibt sie am Morgen mit 112 323 an. In anderen Ländern ist die Zahl noch höher. Von der Omikron-Variante besonders betroffen sind Dänemark und Frankreich. Die Behörden in Frankreich vermeldeten gestern mit fast 500 000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden einen neuen Höchststand.

Wie gut schützt die Booster-Impfung gegen Omikron?

Bei der Frage nach der Impfwirkung müsse man zwischen dem Schutz vor einer Infektion und dem Schutz vor einer schweren Erkrankung unterscheiden, sagt Immunologe Carsten Watzl der Deutschen Presse-Agentur. „Der reine Schutz vor Ansteckung mit Omikron wird mit den jetzigen Impfstoffen immer suboptimal sein“, so der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Aber: „Die Impfstoffe tun trotzdem, was sie sollen: Sie schützen vor schweren Verläufen und das sehen wir aktuell bei Omikron.“

Schützt der Booster vor schweren Verläufen?

Eine gerade erst von der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA vorgestellte Analyse weist darauf hin, dass Booster-Impfungen der besonders gefährdeten Gruppe der Senioren auch bei Omikron einen hohen Schutz vor schweren Verläufen bieten. Drei Monate nach der Drittimpfung liegt der Schutz vor Einlieferung ins Krankenhaus für Menschen ab 65 Jahren demnach bei rund 90 Prozent. Der Schutz vor einer Corona-Infektion mit milden Symptomen liegt hingegen nur noch bei rund 30 Prozent, wie die vorläufigen Daten zeigen.

Was tun bei Johnson & Johnson?

Nach der Grundimmunisierung – also nach zwei Impfungen oder beim Vakzin von Johnson & Johnson nach einer Impfung – lasse der Schutz vor Ansteckung bei Omikron recht schnell nach, sagt Sebastian Ulbert, Impfstoffexperte vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie. Die Booster-Impfung verbessert diesen Schutz zumindest für die erste Zeit nach der Impfung wieder deutlich, weil wieder mehr Antikörper gebildet werden.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité verwies im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info auf dänische Studiendaten, die zeigten, dass die dritte Impfung das Risiko für eine Omikron-Ansteckung stark senke und bei der aktuellen Verbreitungskontrolle den Unterschied mache.

Weitet der Booster die Schutzwirkung aus?

Vor schwerer Erkrankung schütze hingegen wohl schon die Grundimmunisierung weiterhin recht gut, sagt Ulbert. Watzl verweist auf einen Report der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA zur Effektivität der Impfung gegen einen schweren Verlauf mit Omikron, der dazu führe, das man ins Krankenhaus müsse.

Demnach liegt der Schutz bis sechs Monate nach der zweiten Impfung bei etwa 72 Prozent, nach dem Booster sogar bei rund 88 Prozent. Wie lange der Schutz jeweils anhalte, lasse sich im Zuge der noch jungen Omikronwelle noch nicht seriös sagen, sagt Ulbert. Die Booster-Impfung weite die Schutzwirkung zumindest erheblich aus und rufe eine verstärkte Immunantwort hervor.

Gilt man als geboostert nach Corona-Infektion?

Doppelt geimpft und trotzdem mit Corona infiziert – das kann passieren. Gilt man nach der Genesung als geboostert? Eigentlich handelt es sich dabei um eine Frage, die klar zu beantworten ist – sollte man meinen. Unsere Zeitung hat sie an verschiedene Stellen gerichtet: das baden-württembergische Sozialministerium, das Robert-Koch-Institut (RKI), das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sowie das Bundesgesundheitsministerium. Doch das Ganze erweist sich als ein komplexeres Thema als gedacht. Mit einem deutlichen Ja oder Nein antwortet jedenfalls keiner.

Klar ist: Wer sich ansteckt und eine Infektion durchmacht, baut Antikörper auf. Das gleiche Ziel hat die Drittimpfung, auch Booster genannt. Dadurch soll der Impfschutz verbessert werden. Klar ist zudem, dass man sich als Genesener nicht sofort nach der Erkrankung eine Auffrischung geben lassen sollte. Das RKI empfiehlt derzeit zwischen der Infektion und einer Impfung, egal, ob Erst-, Zweit- oder Drittimpfung, einen Abstand von mindestens drei Monaten.

Warum schützt die Impfung nicht so gut vor Omikron?

Dass die Impfstoffe vor einer Omikron-Ansteckung weniger zu schützen scheinen als vor anderen Virusvarianten wie Delta, legen immer mehr registrierte Infektionen bei Menschen mit Grundimmunisierung oder gar Auffrischungsimpfung nahe. „Die Impfstoffe wurden auf eine bestimmte Sequenz des Spike-Proteins entwickelt, das sich auf der Virusoberfläche befindet. Mittlerweile gibt es jedoch Varianten, die haben das Spike-Protein an entscheidenden Stellen verändert“, erklärt Impfstoffexperte Ulbert. Dadurch werde diese Virusvariante vom Immunsystem nicht mehr so gut erkannt. Hinzu komme, dass bei ansteckenderen Varianten meist weniger Viren für eine Infektion ausreichten.

Zuletzt hatte der Virologe und Berater der Bundesregierung, Christian Drosten, erklärt, er sehe in der milder verlaufenden Omikron-Variante eine „Chance“. Früher oder später müssten sich alle Menschen mit Sars-Cov-2 infizieren. „Wir können nicht auf Dauer alle paar Monate über eine Booster-Impfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung erhalten.“ Das müsse das Virus machen, erklärte Drosten.

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