Herr Walker, bisher hat Foton allein den Neustart der Marke
Borgward finanziert, jetzt hat der chinesische Lkw-Hersteller in einer Börsen-Pflichtmitteilung angekündigt, dass er strategische Investoren sucht. Ist die finanzielle Belastung zu hoch geworden?
Davon kann keine Rede sein. Wir als Borgward Group AG waren schon immer bestrebt, weitere strategische Investoren zu gewinnen. Das konkretisiert sich jetzt durch die Ankündigung unseres Hauptinvestors. Ich habe das von Anfang an befürwortet. Drei oder vier große Anteilseigner sind immer besser als einer allein.
Hat Sie der Zeitpunkt überrascht oder sind Sie mit einbezogen worden?
In bin darüber informiert worden, dass Gespräche mit Investoren stattfinden. In die Gespräche direkt bin ich nicht eingebunden, aber wenn es konkreter wird, gehe ich davon aus, in die Beratungen mit einbezogen zu werden. Entscheiden wird am Ende natürlich Foton als Borgward-Eigner.
Das chinesische Finanzblatt „Securities Daily“ schreibt, dass die im Immobilien- und Finanzgeschäft tätige Boaneng-Gruppe Borgward möglicherweise ganz übernehmen wolle. Haben Sie denn eine Garantie, dass Foton Anteilseigner bleibt?
Das sind Spekulationen – und zu denen äussern wir uns grundsätzlich nicht. In den Gesprächen, an denen ich beteiligt war, wurde als Zielsetzung genannt, dass zusätzliche Investoren hereingenommen, die eingeschlagene Strategie aber konsequent weiter verfolgt wird. Foton hat sich in unserer jüngsten Aufsichtsratssitzung Anfang Dezember nochmals ausdrücklich zu unserer eingeschlagenen Strategie bekannt und uns seine volle Unterstützung zugesichert. Wir arbeiten also weiter wie geplant.
Der Einstieg in die Autoindustrie ist sehr teuer. Wie viel ist denn bisher in den Neustart von Borgward investiert worden?
Für die Fabrik in Peking, die Entwicklung der Modelle sowie weitere Massnahmen wurden bisher 1,25 Milliarden Euro investiert.
Und wie viel sollen die neuen Geldgeber bringen? Wie viel Geld soll in der nächsten Stufe investiert werden?
Zur genauen Höhe der Investitionen machen wir grundsätzlich keine Angaben. Aber lassen Sie es mich so umschreiben: Wir werden auch weiterhin jedes Jahr zwei zusätzliche Modelle auf den Markt zu bringen.
Welche Modelle sind in der Pipeline?
Wir wollen Mitte nächsten Jahres das Geländewagen-Coupe BX6 vorstellen, das vom Designkonzept mit dem X4 von BMW oder dem Mercedes GLC Coupe vergleichbar ist. Zudem wollen wir im nächsten Jahr noch ein weiteres Produkt vorstellen.
Kommt dann eine sportliche Limousine wie die Studie, die Sie im Herbst auf der IAA in Frankfurt präsentiert haben?
Zunächst komplettieren wir jetzt die Geländewagenfamilie. Wir werden noch einen kompakten Geländewagen bringen. Erst danach geht es in Richtung sportliche Limousine, Grand Tourismo und Van.
Wie beurteilen Sie den bisherigen Aufbau der Marke?
Wir sind in den ersten zwei Jahren extrem schnell gewachsen. Schneller als ich erwartet habe. Wir haben jetzt drei Modelle, den BX5, BX7 und BX7 TS auf dem Markt, haben bereits mehr als 200 Händler in China, haben die Vorbereitungen für den Marktstart im Nahen Osten und Südamerika getroffen. Seit dem Start im Juli des vergangenen Jahres sind schon knapp 70.000 Autos verkauft worden. Jetzt bereiten wir den Markteintritt in Europa vor.
Derzeit schwächt sich das Absatzwachstum in China aber ab. Verliert die Marke schon an Zugkraft?
Absolut nicht. Einerseits sind wir in China noch in der Hochlaufphase. Andererseits haben wir noch nicht die Durchdringung des Marktes in China, die wir brauchen. Der Aufbau benötigt Zeit. Um die Bekanntheit der Marke zu stärken, haben wir jetzt beispielsweise zwei Konzerte der Berliner Philharmoniker in China unterstützt. Wir haben beim Absatz nach dem Start gleich eine hohe Schlagzahl vorgelegt, deshalb werden wir auch sehr aufmerksam beobachtet. Bei einigen Themen müssen wir in der Tat nacharbeiten.
Was heißt das konkret?
Nicht alle Händler haben ihre Mitarbeiter bisher so geschult, wie ich es mir gewünscht hätte. Das wird jetzt jedoch nachgeholt. Die Erwartungen der Kunden an den Service sind sehr hoch. Hier können wir uns von lokalen Marken unterscheiden.
Vor kurzem ist die Marke auch auf der Autoschau in Dubai präsentiert worden. Welche Pläne haben Sie in dieser Region?
Im nächsten Jahr wollen wir dort Autos verkaufen. Wir haben Verträge mit Generalimporteuren in Kuwait, Bahrain, Iran, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten abgeschlossen. Die ersten Bestellungen sind bereits eingegangen. Am Rande der IAA in Frankfurt haben wir auch bereits Verträge für Südamerika mit Vertretern aus Peru, Chile und Argentinien abgeschlossen. Auch dort werden wir im nächsten Jahr starten.
In Deutschland gibt es bei etlichen Projekten Verzögerungen. In
Bremen wollten Sie Anfang nächsten Jahres eigentlich mit dem Bau eines Montagewerks beginnen. Noch ist jedoch nicht einmal der Kaufvertrag für das Grundstück unterschrieben. Wo hakt es?
Alle grösseren Auslandsinvestitionen werden von der chinesischen Regierung seit einiger Zeit genauer geprüft, nachdem es bei etlichen Vorhaben, wie etwa beim Verkauf des Flughafens Hahn an einen chinesischen Investor, Probleme gegeben hat. Die chinesische Regierung will einen Imageschaden vermeiden und schaut sich deshalb geplante Investitionen im Detail an.
Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Unser Ziel ist, in den nächsten Monaten Klarheit zu erhalten. Wir rechnen nach wie vor damit, 2019 mit der Produktion beginnen zu können.
Zuvor wollen Sie hier jedoch bereits aus China importierte Fahrzeuge verkaufen.
Nachdem wir bereits angekündigt hatten, dass wir in Europa mit Autos aus dem Werk in Bremen auf den Markt kommen werden, haben wir sehr kontrovers diskutiert, ob wir zuvor bereits importierte Fahrzeuge anbieten sollen. Weil immer mehr Fragen kamen, wann Autos von Borgward denn auch hierzulande auf der Straße zu sehen sein werden, haben wir uns entschlossen, vorab eine limitierte Edition des Borgward BX7 TS mit 2-Liter-Benzinmotor in Europa zu verkaufen, die komplett in China produziert wurden.
Die Autos sollten spätestens Ende Dezember über den Neuwagen-Onlineshop des Autovermieters Sixt angeboten werden sollen, was wohl nicht mehr zu schaffen ist. Auch die geplante Kooperation mit der Werkstattkette ATU ist noch nicht unter Dach und Fach. Zudem sollte in diesem Monat in Stuttgart auch ein „Brand Experience Center“ eröffnet werden, wo die Marke sich präsentieren wollte. Was sind die Gründe für diese Verzögerungen?
Vertragsverhandlungen sind nun einmal nicht immer einfach. Der Teufel steckt hier im Detail. In den Verhandlungen mit ATU geht es beispielsweise noch darum, wie viele der Servicestationen der Werkstattkette mit wachsender Flotte jedes Jahr zusätzlich für Borgward-Kunden verfügbar sein sollen, beim Brand Center sind die Verhandlungen über den Mietvertrag langwieriger als zunächst erwartet. Hinzu kommt, dass wir nur den Rohbau des Brand Centers übergeben bekommen, was uns vorher nicht so bewusst war. Daher mussten wir hier nochmals bei unserem Innendesign nachjustieren.