Boris Becker verliert Prozess Der Tennisschläger ist nicht genug

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Der frühere Tennisstar muss einem Unternehmer aus Illertissen 800 000 Euro zahlen. Becker hat offenbar einen Darlehensvertrag nicht richtig ernst genommen.

Boris Becker (hier mit seiner Frau) muss 800 000 Euro zahlen. Foto: dpa
Boris Becker (hier mit seiner Frau) muss 800 000 Euro zahlen. Foto: dpa

Neu-Ulm - Im Jahr 2001 versprach das Gesicht des früheren Tennisstars Boris Becker eine Menge Gewinn, sofern man es für die Werbung einsetzen konnte. Und Becker suchte neue Beschäftigungsfelder für sein Dasein nach der Sportkarriere. Mit 500 000 Euro stieg er als Gesellschafter bei der New Food AG ein, die von dem Unternehmer Klaus Harisch aus Illertissen (Kreis Neu-Ulm) gegründet worden war. Ökolebensmittel aus dem Internet und per Teleshopping, das war die Idee der Firma. Harisch ging für den Werbecoup mit Becker ein hohes Risiko ein. Weil der Wimbledon-Sieger die halbe Million Euro nicht selber investieren wollte, lieh der Unternehmer sie ihm, um das Geld dann in die Firma zu stecken.

Nur zwei Jahre später platzte die Internetblase und New Food war Vergangenheit. Nun kam Harisch wieder auf Boris Becker zu. Er wollte das Darlehen über 500 000 Euro zurückhaben. Das Leihgeschäft war zur Jahrtausendwende mit einem ordentlichen Darlehensvertrag besiegelt worden.

Doch Becker erklärte sich für nicht zuständig. So begann ein lange währender Rechtsstreit. Er habe, um das Geschäft damals zu besiegeln, Harisch zeremoniell einen signierten Tennisschläger überreicht; ansonsten sei für ihn klar gewesen, dass Harischs Darlehen nur ein Werbegag zur Anlockung weiterer Investoren gewesen sei, erklärte Becker in diversen Gerichtsverhandlungen, so auch im Januar 2011 vor dem Landgericht München I.

Die Münchner Richter glaubten dem ehemaligen Sportstar. Sie sahen in dem Darlehen ein Scheingeschäft und sprachen Becker von jeglicher Zahlungspflicht frei.

Der Unternehmer und Becker waren früher Freunde

Am 6. Februar kam es nun zum vorläufig letzten Abtausch der Kontrahenten, die einmal so etwas wie Freunde waren und in der Freizeit zusammen Tennis spielten. Das Oberlandesgericht (OLG) München beschäftigte sich in mündlicher Verhandlung mit der Sache und kassierte das Urteil des Landgerichts. Boris Becker, so die mündliche Begründung, habe während der Verhandlung nicht schlüssig nachweisen können, weshalb er eigens durch einen in der Schweiz ansässigen juristischen Berater den Darlehensvertrag anfertigen ließ, dessen Inhalt dann aber nicht ernst genommen haben will. Da der Vertrag korrekt zustande gekommen sei, muss Becker nun zahlen: insgesamt, einschließlich während all der Jahre aufgelaufener Zinsen, knapp 800 000 Euro (Aktenzeichen 17 U 272/11).

Boris Becker hat nach dem Urteil selber nichts gesagt, er hatte an diesem Tag lediglich seine Anwälte in den Gerichtssaal geschickt. Eine Revision hat das Münchner OLG nicht zugelassen, Becker bleibt jetzt noch eine Beschwerde beim Bundesgerichtshof. Ob er sie einlegt, hängt offenbar vom Wortlaut des schriftlichen Urteils ab, das noch nicht vorliegt.

Heute wirbt statt Becker Daniela Katzenberger

Kläger Harisch könnte das Geld, das ihm zugesprochen wurde, wohl gut gebrauchen. In München gründete er vor Jahren die GoYellow Media AG, die er später in 118000 AG umbenannte. Der Telefonverbindungsdienst erwirtschaftete 2010 einen Verlust von 3,6 Millionen Euro. Im selben Jahr verkaufte der 48-Jährige nach Medienberichten seine Villa in Illereichen im Kreis Neu-Ulm.

Aufwärtsgehen soll es mit einer neuen Werbegalionsfigur, die mit Boris Becker allerdings nur die Haarfarbe gemeinsam hat: Daniela Katzenberger.