Boris Palmer in der Hauptstadt Nach Berlin zum Minigolf

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Boris Palmer hat über Berlin geschimpft. Das ist die Chance auf ein bisschen Aufmerksamkeit, dachte sich die CDU und lud den Grünen zur Hauptstadttour ein. Nicht alles lief dabei wie geplant.

Der „nicht funktionierende Teil Deutschlands“? Boris Palmer schaut sich Berlin an. Foto: dpa
Der „nicht funktionierende Teil Deutschlands“? Boris Palmer schaut sich Berlin an. Foto: dpa

Berlin - Die Wirklichkeit kann einem das schönste Klischee verderben. Am Mittwochmorgen kommt die Berliner S-Bahn auf die Minute pünktlich, Haltestelle Messe Süd, die Februarsonne scheint für hiesige Verhältnisse freundlich und der Bahnsteig sieht okay aus. Federnden Schrittes steigt Boris Palmer die Treppe empor, grinst und zieht die Augenbrauen hoch, gerade so als sei er überrascht.

Dabei ist das, was sich hier abspielt, genau bedacht, geplant und gewollt: Der Tübinger Oberbürgermeister folgt an diesem Morgen einer Einladung von Burkard Dregger, Fraktionsvorsitzender der oppositionellen CDU im Berliner Abgeordnetenhaus. Während die beiden Politiker einander freundlich begrüßen, sprechen sie demonstrativ laut und gehen in Position vor einer ­Menschenwand aus Reportern und Kameraleuten. Man ist hier, um gesehen und gehört zu werden, die Journalisten sind eingeladen.

Boris Palmer lacht erst mal sein kieksiges Lachen und sagt: er sei erstaunt, welche Wellen ein kleiner Satz von ihm auslöse. Das wiederum erstaunt die Zuhörer. Schließlich ist der Mann Experte für das Erzeugen von Wellen durch provokante Aussagen. Das verbale Bürsten gegen den Strich ist für Politiker eine Garantie geworden, Gehör zu finden – weil Medien darauf agiler reagieren als auf differenzierte Debatten. So bleibt man auch als Bürgermeister einer kleinen schwäbischen Universitätsstadt im Aufmerksamkeitsgeschäft.

In diesem Fall hatte Palmer in einem Interview erklärt, immer wenn er nach Berlin komme, denke er immer: „Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands.“ Es folgte harsche Kritik an der Hauptstadt. Was wiederum bei den in Berlin mitregierenden grünen Parteifreunden zu unentspannten Reaktionen führte. Die Vizebürgermeisterin Ramona Pop giftete, Palmer möge doch daheim weiter den „Hilfssheriff“ spielen. Grund genug, für den in Richtung Grün stets um Wirkungstreffer bemühten CDU-Mann Dregger, eine Einladung an Palmer auszusprechen, sich mal Berlin anzusehen – aber was heißt Berlin?