Bei seiner Verabschiedung diskutiert der Leonberger OB Martin Georg Cohn mit seinem Tübinger Kollegen Boris Palmer und dem 18-jährigen Schüler-Funktionär Quentin Gärtner.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Preisfrage: Wer ist der wortgewandtere Oberbürgermeister: Boris Palmer aus Tübingen oder Martin Georg Cohn aus Leonberg? Es ist wohl der Medienstar aus der süddeutschen Universitätsstadt, wenngleich sein Kollege ihm direkt auf den Fersen ist. Cohn, der in Ende November aus dem Amt scheidet, hat Palmer anlässlich seiner Verabschiedung in der Leonberger Stadthalle zu einer Diskussion „über das Geheimnis erfolgreicher Städte“ eingeladen.

 

Und nicht nur ihn. Mit den beiden Routiniers debattiert Quentin Gärtner, der ein Jahr die Bundesschülerkonferenz geleitet hat, eine Interessenvertretung der Schüler in ganz Deutschland. Der 18-Jährige aus Waiblingen steht in Sachen Schlagfertigkeit und Klarheit seinen älteren Gesprächspartnern in nichts nach. „Wir als junge Generation werden über den Tisch gezogen. Ich möchte den Staat gestalten“, sagt der Gymnasiast.

Boris Palmer und Martin Georg Cohn diskutieren in Leonberg mit Teenager Quentin Gärtner

Cohn verweist auf einen „starken Jugendausschuss“ in Leonberg. Auch begrüßt er das Wahlrecht ab 16, fordert aber vom Nachwuchs ein historisches Bewusstsein: „Wer die Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit begreifen.“

Schüler-Funktionär Quentin Gärtner aus Waiblingen Foto: IMAGO/Panama Pictures

Was in Leonberg gilt, ist in Tübingen schon lange Usus. „Wir waren eine der ersten Städte, die überhaupt einen Jugendgemeinderat hatten“, meint Boris Palmer und bringt noch augenzwinkernd einen historischen Seitenhieb an: „Unser Glück ist, dass damals Graf Eberhard eine Universität in Tübingen haben wollte und nicht in Leonberg.“

Der scheidende Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn. Foto: Simon Granville

Im Hier und Jetzt bedürfe ein Jugendgemeinderat einer gewissen Steuerung: „Die wollten neulich einen Film über die Lage im Gaza-Streifen aus Sicht der Palästinenser zeigen“, berichtet der OB der Uni-Stadt, der wegen seiner individuellen Haltung zu verschiedenen Themen nicht mehr ins Schema seiner früheren Partei, den Grünen, passt. „Ich hatte denen gesagt, dann sollten sie auch einen Film dazu aus israelischer Perspektive zeigen. Das wollten sie nicht. Also durften sie gar nichts zeigen.“ Palmers Schlussfolgerung: „Man darf die jungen Leute nicht verhätscheln, sonst ist die Demokratie bedroht.“

Verhätscheln ist ein gutes Stichwort für Bernadette Schoog, die nicht nur diese Diskussion, sondern Cohns ganzen Abschiedsabend souverän moderiert: Wie denn der Schülervertreter zur Wehrpflicht stehe? „Ich bin für eine starke Bundeswehr“, sagt Quentin Gärtner. Aber gerade bei diesem sensiblen Thema würden die jungen Leute nicht mitgenommen. Martin Georg Cohn hat andere Erfahrungen: „Als ich mit 18 gemustert wurde, hat mich niemand gefragt, ob ich mitgenommen werden will. Da war das normal.“

Der Schülervertreter will das indirekte Bild einer verweichlichten Generation so nicht stehen lassen: „Wir hatten ein großes Päckchen in der Corona-Zeit zu tragen. Wir hatten weniger Kontakte, waren auf weniger Partys und hatten weniger Sex. Aber wir sind leistungsbereit.“ Letzterer Aussage verleitet Boris Palmer zu der Frage: „Sind Sie wirklich bei den Grünen?“