Die Borkenkäfer-Gattung der Buchdrucker – eine im Südwesten häufig anzutreffende Unterart – hatte schon im Spätsommer des Jahres 2018 zu einer deutlich gestiegenen Menge an so genanntem Käferholz geführt, wie die Fachleute befallenes Holz nennen. Die Populationen seien inzwischen „das vierte Jahr in Folge im Aufwind“, sagt Reinhold John, der bei der Forstlichen Versuchsanstalt in Freiburg die landesweite Überwachung betreut, bei der mithilfe von Lockstofffallen die Vermehrung der Borkenkäfer in den einzelnen Regionen minutiös beobachtet und festgehalten wird. „Bis zu drei Buchdrucker-Generationen plus zwei Geschwisterbruten haben im vergangenen Jahr im Nordschwarzwald erhebliche Unruhe verursacht“, resümiert John.
Die Freiburger empfehlen, die Wälder in diesem Winter öfter zu kontrollieren
Erfahrungen aus dem Hitzesommer des Jahres 2003 und dem Folgejahr zeigten, dass eine einmal angestoßene Buchdrucker-Massenvermehrung drei Jahre andauern könne, erklärt der Forstwissenschaftler. Es seien verschiedene Faktoren, die allein oder in Kombination „einen erheblichen Einfluss auf die Vitalität unserer Wälder nehmen“. Dazu zählen für John neben Stürmen, Nassschnee und Frost auch anhaltende Dürren – wie es sie 2018 von Juli bis in den Spätherbst hinein gab. Deshalb empfehlen die Freiburger Experten auch, die Wälder in diesem Winter stärker und öfter zu kontrollieren. Gefährdete Nadelholzbestände sollten, so John, „über das ganze Jahr laufend auf Befall und bruttaugliches Material kontrolliert werden“. Unter „normalen Umständen“ hingegen würden die Kontrollen zwischen Oktober und März, also außerhalb der Flugzeit der Borkenkäfer, stark heruntergefahren.
Im vergangenen Jahr gab es nach der bisherigen Einschätzung der Versuchsanstalt rund 1,5 Millionen Festmeter so genanntes Käferholz in den baden-württembergischen Wäldern – etwa doppelt so viel wie 2017. Das führte dazu, dass die Holzpreise in den Keller rutschten – und auch die Transportlogistik und der Holzabsatz alles andere als rund liefen. Das Fundament für die extreme Vermehrung hatten im Januar 2018 die Orkantiefs „Burglind“ und „Friederike“ gelegt – die im Südwesten zu rund einer Million Festmeter Sturmholz führten. Dieses Holz wurde im Frühjahr zu einer idealen Brutstätte für die Käfer.
Auch Experten rechnen mit zahllosen Käfern
Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass etwa Vertreter des Ortenaukreises – in dessen Gebiet auch Teile des Nationalparks liegen – im Januar forderte, dieses Jahr schneebruchgeschädigtes Nadelholz noch vor dem Ausflug der Borkenkäfer aufzuarbeiten, damit es nicht als Brutstätte dienen kann. „Nur so werden Folgeschäden am Wald verhindert“, sagt Holger Schütz, der Leiter des Offenburger Amtes für Waldwirtschaft. Auch beim Landratsamt in Freudenstadt ist man gewappnet.
Der Forstexperte John wirkt mit seiner Prognose für dieses Jahr fast schon ein wenig sarkastisch: „Welche Macht sollte den Käfer stoppen?“, fragt er in seinem aktuellen Bericht. Bei einem „Blick unter die Rinde“, berichtet er, hätten sich bereits Mitte Oktober fast 20 Prozent mittlere und 55 Prozent größere Larven der dritten Generation „in den Brutbildern gezeigt“. Auch Mitte November sei das Leben unter der Rinde weitergegangen. Wie viele Käfer es im Frühjahr geben wird, vermag er nicht mit Sicherheit sagen. Seine Prognose: Die Populationen dürften an die der Jahre 2003 und folgende heranreichen. Damit ist auch klar: „Für den Pufferstreifen im Nationalpark Schwarzwald wird 2019 sicherlich ein kritisches Jahr.“
Die Massenvermehrung der Borkenkäfer-Populationen dürfte damit zu einem ersten größeren Belastungstest für den 2014 eröffneten Nationalpark werden. Bis Mitte November hatten die Freiburger Forstexperten in dem 500-Meter-Streifen rund um die beiden Teile des Nationalparks 8515 Festmeter Holz registriert, das abtransportiert werden muss. Die Mengen der Vorjahre – in den Jahren 2014 bis 2017 fielen zwischen 1150 und 3000 Festmeter an – waren demgegenüber unkritisch.
Die Borkenkäfer könnten zum Belastungstest werden
Anhand des Holzes aus dem Pufferstreifen lässt sich schon jetzt sagen, dass in dieser Saison vor allem Bereiche westlich von Baiersbronn und Freudenstadt Borkenkäfer-Schwerpunkte sind und sein werden. Den Betreibern des Nationalparks gibt John schon jetzt den Ratschlag: „Kümmern Sie sich um ausreichende Kapazitäten für die Käfer-Überwachung, die Holzeinschläge, die Abfuhr und den Absatz.“