Borussia Dortmund gegen VfB Stuttgart Darum muss Lucien Favre beim BVB gehen

Lucien Favre ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund Foto: dpa/Focke Strangmann
Lucien Favre ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund Foto: dpa/Focke Strangmann

Borussia Dortmund entlässt Trainer Lucien Favre nach dem 1:5 gegen den VfB Stuttgart. Der bisherige Assistent Edin Terzic übernimmt vorerst – danach gelten zwei bekannte Gesichter als Trainerkandidaten beim BVB.

Sport: Marco Seliger (sem)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart/Dortmund - Der Neue ist anders als Lucien Favre. Edin Terzic heißt der Mann, der Borussia Dortmund nach der Entlassung des Schweizer Trainers am Sonntag wieder auf Kurs bringen soll, und das offenbar bis zum Saisonende. Terzic (38) war bisher der Assistent von Favre, und er ist dem Vernehmen nach, wenn man so will, der menschliche Gegenentwurf zu seinem bisherigen Chef. Denn Terzic, so ist das in Dortmund zu hören, ist ein einnehmender, hemdsärmeliger, emotionaler und manchmal sogar fast kumpeliger Typ – und damit eben anders als der zwar meist freundliche, aber doch meist distanzierte Analyst Favre. Dessen Zeit in Dortmund nun nach zweieinhalb Jahren abgelaufen ist.

Nach dem 1:5-Debakel am Samstag gegen den VfB Stuttgart senkten die Chefs des BVB tags darauf den Daumen und verkündeten am Sonntag die Entlassung des Schweizers. Zu den Aufgaben des Edin Terzic, dem der bisherige U-17-Trainer Sebastian Geppert und Talente-Coach Otto Addo assistieren, wird es nun gehören, die leblos wirkende Mannschaft des BVB wieder aufzurichten – fußballerisch und emotional. Schon an diesem Dienstag geht seine Mission mit dem Bundesliga-Auswärtsspiel bei Werder Bremen los.

Der Mann, der dann nicht mehr auf der Dortmunder Bank sitzen wird, verbarg seine Enttäuschung am Sonntag nicht. „Ich finde es schade, dass sich unsere Wege hier trennen“, sagte Lucien Favre nach seiner Beurlaubung: „ Wir hatten zwei erfolgreiche Jahre und haben eine Mannschaft, die auch in diesem Jahr am Ende eine erfolgreiche Saison gespielt hätte. Davon bin ich nach wie vor überzeugt.“ Favres Vertrag wäre noch bis bis zum Sommer 2021 gelaufen. Dass es mit ihm darüber hinaus weitergegangen wäre, daran glaubte in Dortmund zuletzt aber bis auf Favre selbst niemand mehr.

Schwächen gegen die Kleinen

Zwar gab es Phasen, in denen der BVB in den zweieinhalb Jahren unter dem Schweizer vorwärts kam und sich zu einem scheinbar ernsten Titelkandidaten neben dem FC Bayern mauserte, das schon. Doch die nächste Talsohle war nach jedem Höhenflug nie weit entfernt. Zu instabil war das Gebilde meist unter Favre und dabei anfällig für Rückschläge gegen Kellerkinder der Liga, für die es oft reichte, der Borussia mit Kompaktheit und Kampfkraft entgegen zu treten.

Angesichts der jüngsten Talfahrt mit dem 1:5 gegen den VfB als Tiefpunkt sah sich die Dortmunder Vereinsspitze nun offenbar zum Handeln gezwungen. Oder anders: der desolate Auftritt gegen den VfB kostete Favre den letzten Rest Vertrauen. „Es fällt uns schwer, diesen Schritt zu gehen. Gleichwohl sind wir der Meinung, dass das Erreichen unserer Saisonziele aufgrund der zuletzt negativen Entwicklung in der gegenwärtigen Konstellation stark gefährdet ist und wir deshalb handeln müssen“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Lesen Sie auch: Darum ist Silas Wamangituka der VfB-Spieler des Spiels in Dortmund

Das 1:5 gegen den VfB hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wenige Stunden nach der Partie als „schwarzen Tag“ bezeichnet. Aus gutem Grund – denn nicht der Favorit aus Dortmund, sondern der Aufsteiger bot ein Spektakel und führte den BVB teils vor. Trotz der jüngsten Eindrücke würdigte Watzke am Sonntag Favres Verdienste: „Wir alle sind Lucien dankbar für seine hervorragende Arbeit in den vergangenen zweieinhalb Jahren, in denen er mit seinem Team zwei Vizemeisterschaften errungen hat. Als Fachmann und als Mensch ist Lucien Favre über jeden Zweifel erhaben.“

Vor allem der Umgang Favres mit jungen Spielern wird beim BVB in guter Erinnerung bleiben. So verhalf er Jungstars wie Jadon Sancho und Giovanni Reyna zum Durchbruch. Zudem führte er den Club dreimal ins Achtelfinale der Champions League. Auch die Anfangszeit hatte verheißungsvoll begonnen. In der Hinrunde 2018/19 führte er den BVB zur Herbstmeisterschaft und bestätigte seinen Ruf als Bessermacher. Aber mit der Rückrunde, in der die Borussia einen Neun-Punkte-Vorsprung auf den FC Bayern verspielte und sich mit Rang zwei begnügen musste, kamen in Dortmund erstmals Zweifel am ehemaligen Trainer von Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach auf.

Wer wird der neue Trainer?

Seither gab es wiederholt Schlagzeilen über ein angeblich fehlendes Titelgen des Coaches und seine angeblich fehlende Motivationsfähigkeit. Dass Favre obendrein wiederholt mit den ambitionierten Zielen seitens der BVB-Vereinsführung fremdelte, passte da nur ins Bild.

Mit der Interimslösung Terzic gewinnt der BVB nun Zeit auf der Trainerposition. Nach der Erfolgsära von Jürgen Klopp (2008 bis 2015) wurden in Thomas Tuchel, Peter Bosz, Peter Stöger und Favre vier Trainer verschlissen. Ein neuer Coach soll jetzt auf Sicht helfen, das große Potenzial der Mannschaft abzurufen. Als Wunschkandidaten des BVB gelten Julian Nagelsmann und Marco Rose. Doch sowohl der Leipziger als auch der Mönchengladbacher Coach stehen bei ihren Clubs über den Sommer hinaus unter Vertrag.




Unsere Empfehlung für Sie