Borussia Dortmund gegen VfB Stuttgart Diese besten Kumpels fordern den VfB

Früher wie heute beste Kumpels – früher in Weinstadt, heute in Dortmund. Foto: IMAGO/Uwe Kraft/IMAGO/UWE KRAFT

Zwei BVB-Verteidiger sind seit Kindheitstagen im Remstal beste Freunde – und treffen nun erstmals gemeinsam als Profis auf den VfB. Die Mutter des einen wird währenddessen in ihrer Fankneipe in Cannstatt Bier zapfen.

Sport: Marco Seliger (sem)

Das Karlseck in Cannstatt ist eine Institution bei VfB-Fans. Die Eckkneipe an der Daimlerstraße ist vor Heimspielen proppenvoll, der Anhang stärkt sich auf dem Weg ins Stadion gerne mit ein paar Kaltgetränken und legt so einen letzten Stopp ein beim Fußmarsch in Richtung Arena. Auch wenn die Stuttgarter auswärts ranmüssen, kann sich das griechische Wirtshausehepaar Papadopoulos über mangelnden Zulauf nicht beklagen, denn dann gehen die Fans nicht weiter ins Stadion – sie bleiben sitzen und schauen sich das Spiel des VfB auf den Kneipenfernsehern an.

 

An diesem Samstag nun sollten sich die VfB-Anhänger bei Ouzo, Rotwein oder Pils nicht wundern, wenn die Wirtin Areti hinterm Tresen jubelt, wenn der Gegner ein Tor schießt. Denn ihr Sohnemann Antonios „Toni“ Papadopoulos (23), gebürtig in Bad Cannstatt, spielt bei diesem Gegner namens Borussia Dortmund, was diese Partie für die griechisch-württembergische Familie besonders macht. Noch spezieller wird das Bundesligaduell mit Blick auf einen prominenten Mitspieler von Antonios – der BVB-Innenverteidiger Nico Schlotterbeck (22), geboren in Waiblingen, ist seit frühen Kindheitstagen im Remstal sein bester Kumpel.

Jetzt treffen die beiden Württemberg-Buddys erstmals gemeinsam in der Bundesliga auf Württembergs Fußballstolz – eine speziellere Note gibt es wohl kaum, was auch die Wirtsleute Papadopoulos, die eng mit der Familie Schlotterbeck befreundet sind, so sehen. „Das ist ein besonderes Spiel für die beiden“, sagt Dimi Papadopoulos, der am Donnerstagmittag mit seiner Frau vor dem Telefon sitzt und fürs Gespräch den Lautsprecher eingeschaltet hat.

An diesem Freitag schon fährt der Papa des Profis nach Dortmund und wird also nicht dabei sein, wenn seine Frau am Samstag im Karlseck während des Spiels des Sohnemanns Bier zapft. Areti weiß wie ihr Mann noch nicht, ob sie nun für den VfB oder den BVB sein soll: „Vielleicht können wir es so sagen – wir sind ja beide VfB-Fans, und in Dortmund werden wir jetzt so lange für den VfB sein, bis unser Sohn hoffentlich ins Spiel kommt, von da an sind wir für den BVB“, sagt Dimi.

Das klingt nach einem austarierten Plan – bisher allerdings ist der Sohnemann in dieser Bundesliga-Runde noch nicht zum Einsatz für die Borussia gekommen. Die Konkurrenz in der Innenverteidigung ist mit Mats Hummels, Niklas Süle und Schlotterbeck groß, zuletzt stand Antonios Papadopoulos bei Union Berlin (0:2) aber immerhin im Kader. Ja, und vor ein paar Wochen, da gab es diesen einen wunderbaren gemeinsamen Moment der besten Freunde.

Erstmals standen Schlotterbeck und Papadopoulos im Champions-League-Spiel beim FC Sevilla (4:1) nach Papadopoulos’ Einwechslung gemeinsam als Profis auf dem Platz – hinterher brachte Schlotterbeck seinen Stolz zum Ausdruck. Der Nationalspieler postete auf Instagram zwei Fotos: Beide zeigen ihn und Papadopoulos, einmal Arm in Arm im BVB-Trikot, einmal Arm in Arm als Knirpse. Dazu schrieb Schlotterbeck: „Vom Sandkasten bis in die Champions League!“

Niels Schlotterbeck kennt diesen Weg der Freunde wie kaum ein Zweiter – weil er den Weg begleitet hat. Zwar noch nicht im Sandkasten, dafür aber auf dem Fußballplatz, als Nicos Onkel die beiden als Trainer von der Mini-F an in Weinstadt betreute und sie auch später als Ratgeber förderte. Niels Schlotterbeck, der von 1985 bis 1989 für die Stuttgarter Kickers aktiv war, schwärmt nun vor dem speziellen Spiel seiner Schützlinge mit dem BVB gegen den VfB vom Ehrgeiz der Jungs: „Toni und Nico fahren auch heute noch regelmäßig zusammen in den Urlaub, und da kommt es schon mal vor, dass sie morgens um fünf zusammen ins Fitnessstudio des Hotels gehen und trainieren – im Urlaub, wohlgemerkt.“

Die Sache mit dem Ehrgeiz kann Dimi Papadopoulos nur bestätigen, wenn auch leicht abgewandelt: „Toni und Nico haben sich schon in jungen Jahren immer angetrieben, auch wenn sie das damals wahrscheinlich nicht bewusst geschnallt haben“, sagt er.

Profi in Halle

In der Jugend spielten die zwei Freunde zusammen bei der SG Weinstadt und den Stuttgarter Kickers. Danach nahmen die Karrieren einen unterschiedlichen Verlauf: Papadopoulos ging zum FSV Waiblingen, zum VfR Aalen und als Profi zum Halleschen FC in die dritte Liga. 2021 landete er bei der zweiten Mannschaft des BVB, seither darf er sich immer wieder bei den Profis beweisen.

Schlotterbeck zog es nach seiner Kickers-Zeit nach Aalen, zum KSC und zum SC Freiburg. Den Durchbruch schaffte er bei Union Berlin, ehe er 2021 in den Breisgau zurückkehrte und zum Nationalspieler wurde.

Warum nie beim VfB?

Abschlussfrage: Warum sind die beiden eigentlich nie beim VfB gelandet? „Da müssen Sie den VfB fragen“, sagt Niels Schlotterbeck nur und grinst.

Dafür geht es für die beiden Sandkastenkumpels aus der Region Stuttgart nun erstmals gemeinsam als Profis gegen den VfB. Und Tonis Mutter Areti wird in der VfB-Kneipe während des Spiels in Dortmund die Fans bedienen. Mehr Fußballromantik wird zumindest an diesem Wochenende wohl kaum zu bestaunen sein.

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