Bosch, Allianz und Co. Das bieten Firmen für das Homeoffice im Ausland

Rolf Wieselhuber aus Stuttgart-Zuffenhausen an seinem Arbeitsplatz auf Gran Canaria Foto: priv

Der Stuttgarter Rolf Wieselhuber arbeitet gerade für Vodafone auf Gran Canaria – auf seiner „Trauminsel“. Auch Bosch und die Allianz bieten mobiles Arbeiten im Ausland an. Und was macht Mercedes?

Auf Gran Canaria zu sein ist für den Stuttgarter Rolf Wieselhuber „wie nach Hause kommen“. Seit 2000 reist er regelmäßig auf die Insel vor der Küste Westafrikas. Es ist sein Wohlfühlort mit Sonne, Strand und Bergen. Besonders aber freut er sich über die gute WLAN- und Mobilfunkabdeckung, die ihm das Hochgefühl ermöglicht: Wieselhuber hat derzeit sein Homeoffice auf die Kanaren verlegt.

 

Palmen und eine lauschige Terrasse sind im Hintergrund des Laptop-Bildschirms zu sehen, das Handy und Wieselhubers sonnengebräuntes Gesicht. Mehr braucht es zum entspannten Arbeiten nicht. Seitdem die Pandemie die Zahl der Videokonferenzen und -termine nach oben schnellen ließ, arbeiten auch Wieselshubers Kunden – die meisten aus der Automobilindustrie – selbst oft von zu Hause aus. „Auf der Insel gehe ich entspannter an die Arbeit, bin ruhiger und konzentrierter“, betont er. „Hier könnte ich noch länger im Homeoffice sitzen.“

20 Tage im Jahr ermöglicht sein Arbeitgeber Vodafone das mobile Arbeiten im Ausland. Vodafone schafft mit anderen Unternehmen einen neuen Trend: Immer mehr Unternehmen ermöglichen ihren Beschäftigten, für einige Wochen das Homeoffice in ein anderes EU-Land zu verlegen, manche sogar über Europa hinaus. Die bereits stark digitalisierten Branchen wie IT, Versicherungen und Reisewirtschaft gehen voran. Meist bieten sie schon seit Jahren Homeoffice an und haben während der Pandemie den Wandel zum mobilen Arbeiten beschleunigt.

Wer bei SAP, Tui, Bosch oder der Allianz arbeitet, hat Glück

Beim Walldorfer Softwarekonzern SAP können die Beschäftigten bereits seit Sommer 2020 bis zu 30 Arbeitstage pro Jahr weltweit aus dem Ausland arbeiten. Bisher haben 3600 Mitarbeitende einen Antrag gestellt.

Der Reisekonzern Tui bietet den Mitarbeitern seit August 2021 an, bis zu 30 Tage ihr Büro ins Ausland zu verlegen, rund 1000 haben das Programm weltweit bereits genutzt. Ebenso viele Beschäftigte haben seit Einführung im Oktober 2021 bei Vodafone Homeoffice in einem EU-Land geleistet. Die Allianz hat ihr Auslandsprogramm im März dieses Jahres für maximal 25 Tage eingeführt, 500 Mitarbeitende haben bereits einen Antrag gestellt.

Bosch bietet das Programm seit April „aktiv an“, bis zu 54 Tage sind möglich, bisher wollen das 850 Beschäftigte nutzen. Im Ausland können auch Mitarbeitende bei Adidas (zehn Tage), beim Autozulieferer Continental (20 Tage) und beim Pharmakonzern Merck arbeiten, wo sogar 60 Tage möglich sind.

Den Urlaub verlängern oder die Familie im Ausland besuchen

Wie lange die Beschäftigten ihr Homeoffice ins Ausland verlegen, unterscheidet sich stark. Manche nehmen zwei Tage, um ein Urlaubswochenende oder den Besuch bei Freunden zu verlängern. Andere schöpfen alle Möglichkeiten aus, etwa um ihre Familienangehörigen im Ausland länger besuchen zu können. Gründe für die Anträge müssen sie nicht angeben – erfahrungsgemäß seien aber verlängerte Urlaubsaufenthalte und Familienbesuche ausschlaggebend, heißt es – wobei bei Letztgenanntem auch die Kinderbetreuung eine Rolle spielt.

Auch Vodafone-Sprecherin Ute Brambrink kennt solche Fälle. Eine Mitarbeiterin gehe zu den Großeltern nach Schweden. Ein Mitarbeiter arbeite von seinem Wohnmobil in der Camargue aus. Der „Charakter des Auslandsaufenthalts“, betont sie, sei aber „privat“. Das Unternehmen zahle keine Kosten für Unterkunft oder Flüge, denn es dürfe auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass im Ausland eine Betriebsstätte gegründet wird.

So dürfen Verträge auch nur in den Vodafone-Räumlichkeiten in Deutschland unterschrieben werden. „Und generell müssen Arbeit und Planung stimmen – da vertrauen wir unseren Mitarbeitern, dass sie das schaffen“, betont Brambrink. „Sie sollen schon ihre Leistung bringen – egal, ob am Strand in Spanien oder im Büro in Deutschland.“

Auch wegen steuerlicher und versicherungstechnischer Aspekte beschränken die Unternehmen die Zeit im Auslands-Homeoffice. „Das mobile Arbeiten im Ausland ist ein komplexes Thema“, betont die Allianz. Bosch schließt deshalb „aufgrund von Sicherheits- oder Rechtsrisiken“ einige Länder vom Homeoffice aus.

Auch Mercedes will Homeoffice im Ausland ermöglichen

„Fehlende rechtliche Rahmenbedingungen“ und „aufwendige Einzelfallprüfungen und rechtlichen Risiken“ führt auch die Mercedes-Benz Group als Grund an, weshalb man bisher keinen Homeoffice-Einsatz außerhalb von Deutschland anbietet. Und doch will der Autobauer dem Beispiel anderer Unternehmen folgen. „Wir prüfen aktuell entsprechende Lösungen, die den rechtlichen Rahmen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer klären.“

Denn die Unternehmen sehen in ihren Angeboten einen weiteren Baustein, um Fachkräfte zu halten – oder auch zu gewinnen. „Insbesondere für Mitarbeitende, deren Familien im Ausland leben, ist das ein großer Vorteil”, betont Christian Schmeichel, Chief Future of Work Officer bei SAP. Bosch hat deshalb „bewusst auch außereuropäische Länder“ in das Programm einbezogen – auch als Folge der Pandemie, als Beschäftigte aus China ihre Familien lange nicht sehen konnten. Eine möglichst hohe Flexibilität bei Arbeitszeit und -ort spiele auch bei Bewerbungen eine immer größere Rolle, heißt es bei Tui. „Wir werden in Vorstellungsgesprächen teilweise direkt nach Tui Workwide gefragt.“

Auch Wieselhuber beobachtet ein „Umdenken in den Personalabteilungen“, er spricht von der praktisch gelebten Diversität. Gerade bei jungen Leuten ginge es auch um die Freizeit, nicht nur um das Gehalt, beobachtet er. Er selbst sagt: „Ich lebe, um zu leben, und zum Leben gehört nun mal die Arbeit.“

Im Januar und März war er schon je zwei Wochen im Insel-Homeoffice. Ende August geht es zurück, dann sind die 20 möglichen Tage aufgebraucht. Im Oktober will er mit seinem Mann privat nochmals nach Gran Canaria. Auch dieser würde hier gerne arbeiten – als Service-Manager bei einer Softwarefirma bleibt für ihn das Auslands-Homeoffice ein Traum. Wieselhuber aber plant schon seinen nächsten Arbeitsaufenthalt auf der Insel voraus. „Im nächsten Jahr komme ich auf jeden Fall zurück.“

Was Homeoffice vom mobilen Arbeiten unterscheidet

Sprachgebrauch
 Homeoffice und mobiles Arbeiten werden landläufig als Synonyme gebraucht – vor allem weil mobiles Arbeiten in der Praxis meist in der eigenen Wohnung stattfindet. Es gibt aber Unterschiede. Homeoffice bedeutet, regelmäßig in den eigenen vier Wänden zu arbeiten, betont die Gewerkschaft Verdi. Mobile Arbeit könne im Gegensatz zum Homeoffice an unterschiedlichen Orten erbracht werden, also zum Beispiel auch in einem Café.

Arbeitsschutz
Sowohl für das Home Office als auch für das mobile Arbeiten gelten das Arbeitsschutzgesetz und das Arbeitszeitgesetz, betont die IHK. Striktere Vorgaben gelten für die Telearbeit. Hier wird vom Arbeitgeber ein fester Arbeitsplatz eingerichtet, der Laptop, Bildschirm oder sogar Büroausstattung umfasst. Dies wird in der Arbeitsstättenverordnung geregelt. Allerdings ist auch die Abgrenzung zwischen Homeoffice und Telearbeit nicht immer klar definiert.

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