Bosch als Zugpferd Wie schlagen sich Leonberg und Umgebung beim Ladesäulen-Ranking?

An öffentlichen E-Ladestellen mangelt es in Renningen nicht. Zu verdanken ist das vor allem den zahlreichen Säulen bei Bosch. Foto: Jürgen Bach

Renningen liegt im Vergleich mit anderen Städten weit vorne, was die Ladeinfrastruktur angeht. Auch Leonberg steht gut da, Weil der Stadt ist weit abgeschlagen.

Was die Ladeinfrastruktur für E-Autos angeht, ist Renningen eine echte Vorzeigekommune. Im Vergleich baden-württembergischer Kleinstädte liegt die Stadt am Rankbach nach Recherchen unserer Zeitung auf Platz drei. Doch auch Leonberg macht unter den Mittelstädten und Mönsheim bei den Dörfern eine recht gute Figur, wohingegen Weil der Stadt beispielsweise ziemlich weit hinten landet. Doch woran liegt es?

 

Renningen ist bekannt für seinen großen Carsharing-Pool, betrieben vom Verein Ökostadt Renningen, der auch viele E-Autos besitzt. Das hat mit dem großen Angebot an öffentlichen Ladesäulen bislang aber nichts zu tun. Tatsächlich gelten die Ladesäulen des Carsharings nicht als öffentlich, wenn sie ausschließlich den Nutzern der Leihautos zur Verfügung stehen. „Konkret ist die hohe Anzahl der öffentlichen Ladepunkte in erster Linie dem Forschungs- und Entwicklungscampus der Robert Bosch GmbH geschuldet“, erklärt die Sprecherin der Stadt Renningen, Theresa Finkenauer. „Die weiteren Ladepunkte sind von Tankstellen und Einzelhändlern eingerichtet worden.“

Stadt Renningen will weitere Ladesäulen errichten

Insgesamt gibt es im Bereich des Bosch-Forschungscampus 29 Ladesäulen mit 58 Ladepunkten, sagt Dora Constantinita, Sprecherin des Unternehmens. Alle sind öffentlich zugänglich. „Insgesamt ist die Elektromobilität das nächste Kapitel in der Erfolgsgeschichte von Bosch“, so Dora Constantinita. „Sie etabliert sich zum Kerngeschäft für das Unternehmen.“ Bosch sei zudem Innovationsführer beim elektrischen Fahren und breit aufgestellt. Weitere Ladepunkte in Renningen befinden sich beim Einkaufszentrum Süd sowie bei Lidl und dm im Bereich der Benzstraße/Rutesheimer Straße.

„Als Stadt freut uns natürlich die hohe Anzahl, auch wenn eine bessere Verteilung über das Stadtgebiet wünschenswert wäre“, sagt Theresa Finkenauer. Hier will die Stadt gemeinsam mit dem Verein Ökostadt ansetzen. Noch dieses Jahres wollen sie in Kooperation zehn gemeinsame und damit öffentliche Ladepunkte errichten, verteilt über das komplette Stadtgebiet. Bedacht werden zum Beispiel die Leonberger Straße und Keltenstraße im Osten der Stadt sowie die Bachstraße und der Narzissenweg in Malmsheim.

Auch Rutesheim belegt einen guten Platz

In die Statistik unserer Zeitung sind Daten der Bundesnetzagentur, Destatis und des Kraftfahrt-Bundesamts eingeflossen, zum Teil gab es eigene Berechnungen. Aufgrund der unterschiedlichen Datenlage kann es zu Ungenauigkeiten bei den Angaben kommen. Nach unserem Kenntnisstand besitzt Renningen derzeit 95 öffentliche Ladepunkte, das sind knapp mehr als fünf pro 1000 Einwohner. Ebenfalls einen guten Platz unter den Kleinstädten belegt Rutesheim (Platz 56) mit 17 Ladepunkten, was einer Quote von immerhin 1,57 je 1000 Einwohner entspricht. Recht weit hinten im Ranking der Kleinstädte liegt Weil der Stadt. Die Stadt hat ähnlich viele Einwohner wie Renningen, liegt mit nur acht Ladeplätzen aber auf Platz 297 von 428 Kommunen – wobei nur von etwa 400 Daten vorlagen. Weil der Stadt hat bekanntlich kein „Zugpferd“ wie Bosch, das die Statistik nach oben treibt. Auf die Entscheidung von Gewerbetreibenden, Ladestellen anzubieten oder nicht, hat die Stadt ebenfalls keinen Einfluss. Doch es gibt noch andere Gründe, sagt der Erste Beigeordnete, Jürgen Katz.

Die räumliche Struktur in Weil macht es schwierig

„Aufgrund der knappen Haushaltsmittel der Stadt konnten und können neue Standorte nur mit einer entsprechenden Förderung umgesetzt werden.“ Leider seien entsprechende Förderprogramme gerade nur sehr eingeschränkt verfügbar. „Unsere räumliche Struktur mit fünf Teilorten erschwert es zusätzlich, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur aufzubauen.“

Bei den Mittelstädten in Baden-Württemberg stechen besonders Sindelfingen und Böblingen hervor, die die Plätze zwei und drei belegen. Auch Leonberg liegt mit 1,43 Ladestellen je 1000 Einwohner auf einem guten Platz 23 von insgesamt 94. Ditzingen belegt in unserer Statistik einen der hinteren Plätze. Die vorliegenden Daten sind laut der Stadtverwaltung allerdings nicht vollständig.

Nach unseren Erhebungen gibt es in Ditzingen 18 Ladepunkte, das wären 0,73 je 1000 Einwohner. „Das sind aber ausschließlich die unserer Stadtwerke“, erklärt Jens Schmukal, Sprecher der Stadt Ditzingen. Hinzu kämen aber mindestens acht weitere, die privat betrieben werden und trotzdem öffentlich zugänglich sind, beispielsweise beim Hagebaumarkt. „Wir haben also Minimum 26 Ladepunkte.“ Darüber hinaus wollen die Stadtwerke das Ladenetz weiter ausbauen. Bis 2024 sollen 26 weitere Ladeplätze entstehen, „das ist bei uns gerade sehr im Fluss“.

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