Bosch baut Chipfabrik aus Risikofaktor Konjunktur
Bosch erhöht seine Investitionen in das Engpassprodukt Halbleiter deutlich. Für den Standort ist das eine gute Entscheidung, meint Inge Nowak.
Bosch erhöht seine Investitionen in das Engpassprodukt Halbleiter deutlich. Für den Standort ist das eine gute Entscheidung, meint Inge Nowak.
Vor gut einem Jahr hat Bosch das Halbleiterwerk in Dresden eröffnet. Mit einer Milliarde Euro war es die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte. Jetzt legt der Technologiekonzern nach. Weitere drei Milliarden Euro steckt Bosch in die elektronischen Winzlinge. Angesichts des monatelangen Chipmangels ist die Investition unmittelbar nachvollziehbar. Der Bedarf an Chips ist riesig und wird in den nächsten Jahren weltweit noch deutlich zunehmen. Schließlich warten Hersteller von Autos, E-Bikes und Kühlschränken händeringend auf Chips. All dies verspricht der Halbleiterindustrie gute Geschäfte. Ist es wirklich so einfach?
Die EU und die Bundesregierung haben die herausragende Bedeutung der Chips für Wirtschaftsstandorte und Arbeitsplätze längst erkannt. Und weil Brüssel und Berlin für die winzigen Teile, deren Herstellung so kapitalintensiv ist, insgesamt 43 Milliarden Euro Fördergelder zur Verfügung stellen, reduziert das natürlich das Investitionsrisiko. Für den Standort ist die Bosch-Entscheidung allemal eine gute Entscheidung.
Allerdings: Mit den EU-Geldern wird das Risiko einer Chip-Investition kleiner, klein sollte man es nicht reden. Und das liegt nicht zuletzt an der asiatischen Konkurrenz, die ihre Kapazitäten derzeit ja auch massiv ausbaut und dafür teils üppige Subventionen kassiert. Diese Wettbewerber werden darauf bedacht sein, ihre traditionell starke Marktstellung auch zu verteidigen. Deshalb gilt als sicher, dass die aktuell hohen Chippreise wieder sinken werden, sobald in den geplanten Fabriken produziert wird und sich dadurch die Marktlage entspannt.
Was bedeutet das für Bosch? Natürlich muss der Technologiekonzern bei allgemeinen Chippreisen mithalten können. Allerdings: Weil die Stuttgarter die Winzlinge hauptsächlich für den eigenen Bedarf produzieren, stehen sie nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu den Asiaten. Gleichzeitig machen sie sich unabhängig von künftigen Marktengpässen. Ein anderes Risiko bleibt aber: die Konjunktur. Mit sinkenden Wachstumsraten wird sich auch der Chipbedarf reduzieren – dem sich auch Bosch nicht entziehen kann.