Bosch Das Auto hat an Faszination eingebüßt

Bei Bosch wird Innovation groß geschrieben. Foto: dapd
Bei Bosch wird Innovation groß geschrieben. Foto: dapd

Gerade junge Menschen entscheiden sich immer öfter gegen ein eigenes Auto, sagt Volkmar Denner, Innovationsleiter bei Bosch. Es sei zu teuer.

Stuttgart - Bosch war die Nummer eins bei der Beleuchtung, bei Radio und Navigationsgerät, bei der Benzin-Direkteinspritzung, bei Start/Stopp, ABS und ESP. Die Liste der Neuerungen, die der Stuttgarter Zulieferer ins Auto gebracht hat, ließe sich beinahe beliebig verlängern. "Für Bosch sind Innovationen Teil unserer DNA", sagt Volkmar Denner, in der Geschäftsführung des Autozulieferers zuständig für Forschung und Entwicklung.

Es gehöre zur Unternehmenskultur, Innovationen voranzutreiben und so Märkte zu prägen. Das habe handfeste Vorteile: "Wer vorne ist, hat die Möglichkeit, sich höhere Marktanteile zu erarbeiten und damit auch die Chance, höhere Preise zu erzielen", sagt Denner im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung. Ob er damit wirtschaftlich immer besser dastehe, sei aber nicht gesagt, räumt er ein. Schließlich erspart sich der Langsamere viele Vorleistungen, er muss keine Kinderkrankheiten ausmerzen und auch keine Fehlentwicklungen finanzieren.

Für Bosch ist das aber keine Alternative. 3,8 Milliarden Euro hat der Zulieferer im vergangenen Jahr in Forschung und Entwicklung investiert, das sind beachtliche 8,1 Prozent vom Umsatz. Ein großer Teil davon fließt in die Kfz-Technik, die rund 60 Prozent zum Bosch-Konzernumsatz (2010: 47,3 Milliarden Euro) beiträgt. 34.000 Forscher und Entwickler beschäftigt das Unternehmen weltweit, 26.000 davon sind im Bereich Kraftfahrzeug tätig. Der Konzern unterhält ein globales Netz von 50 Entwicklungszentren. Und mit 3800 Patentanmeldungen pro Jahr gehört Bosch zu den innovativsten deutschen Unternehmen. Im Laufe ihrer 125-jährigen Unternehmensgeschichte haben die Stuttgarter insgesamt rund 90.000 Patente angemeldet.

 Innovation bedeutet auch Kosteninnovation

Bosch ist damit ein besonders attraktiver Partner der deutschen Automobilhersteller, die die weltweite Innovationsführerschaft anstreben, so Denner. Aber Bosch ist nicht deshalb die Nummer eins unter den Zulieferern, weil das Unternehmen in Deutschland so gut ist, sagt der Forschungschef. "In China haben wir bei einzelnen Komponenten teilweise höhere Marktanteile als hierzulande."

Bei Innovationen geht es eben nicht nur um immer neue Lösungen und Funktionen, sondern auch um Kosteninnovationen - soll heißen, das Unternehmen ist immer auch auf der Suche nach den preisgünstigsten Lösungen. Bei mechanischen Produkten seien von Generation zu Generation Kostensenkungen im einstelligen Bereich zu erwarten, schätzt Denner. Im elektronischen Bereich würden die Einsparungen teilweise deutlich höher liegen - zwischen 20 und 30 Prozent.

Derzeit stehen Forscher und Entwickler vor besonderen Herausforderungen. Es geht nicht mehr nur um "funktionale Differenzierung" (Denner) und Kosten bei einzelnen Teilen - es geht vielmehr um den kompletten Antriebsstrang. Alle Welt redet von Hybrid- und Elektroautos. Immer mehr Hersteller bringen derzeit Hybridmodelle auf den Markt, Autos also, die sowohl mit einem Elektro- als auch mit einem Verbrennungsmotor ausgerüstet sind. "Der kommerzielle Erfolg steht aber noch aus", gibt Denner zu bedenken. Und dies liege nicht zuletzt an den Kosten. Autos mit den neuen Antrieben sind deutlich teurer. Ist der Verbraucher bereit, das zu zahlen, fragt sich der Forschungschef. Eine verlässliche Antwort auf diese Frage gibt es nicht.

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