Bosch Trotz Globalisierung bleibt die Führungsriege in Deutschland

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

 

Mehr Forschung und Entwicklung jenseits der Grenzen aber bedeutet keineswegs Abbau und Arbeitsplatzverlust im Inland: "Die Kompetenz für den gesamten Konzern bleibt in wesentlichen Teilen in Deutschland", sagt Colm.

Natürlich steht China bei allen Diskussionen über die Globalisierung besonders im Rampenlicht - doch Bosch setzt nicht nur auf das Land des Drachens. "Ganz entscheidend für uns sind die Bric-Staaten" erklärt Colm, also Brasilien, Russland, Indien und China.

Die Staaten, von denen viele hoffen, sie würden zur Lokomotive der Weltwirtschaft, sind für Bosch keineswegs Neuland: Seit 1953 gibt es eine Fertigung in Indien, seit 1957 steht ein Werk im brasilianischen Campinas. "Unser Ziel ist, dass möglichst überall dann auch ein einheimisches Management die Tochterunternehmen leitet," erklärt der Bosch-Geschäftsführer.

Auch Käufe von im Ausland tätigen Unternehmen gehören zur Strategie

Auf fremde Märkte wollen die Schwaben aber nicht nur vorstoßen, indem dort eigene Fabriken gegründet oder Gemeinschaftsunternehmen aus der Taufe gehoben werden. Zur Strategie gehört auch, Unternehmen zu kaufen, die im Ausland bereits aktiv sind. Und das dürfen auch durchaus deutsche sein: "Das war zum Beispiel so, als wir Mannesmann-Rexroth gekauft haben", sagt Colm.

Der Automatisierungsspezialist aus Lohr am Main, nur rund 180 Kilometer von Stuttgart entfernt, beflügelt seit Jahren die Geschäfte der Schwaben auf anderen Kontinenten.

Colm indes weiß auch noch einen weiteren Grund für Zukäufe - und diese können dann durchaus auch schon mal in einem Hochlohnland stattfinden. Gekauft wird, so es denn passt, nicht nur in Asien, sondern auch mitten in Europa: "In der Schweiz haben wir einen Hersteller von Verpackungsmaschinen erworben", berichtet der Bosch-Geschäftsführer. "Dabei hat uns besonders die hohe Kompetenz des Unternehmens gereizt". Zu bieten hatten die Eidgenossen Erfahrungen, die nicht überall auf der Welt anzutreffen sind: Zu verpacken war ein Produkt, bei dem die Schweiz einen guten Namen hat - Schokoriegel.

Das Ausland bietet Potenzial für neue Tätigkeitsfelder

Doch trotz eines solches Engagements - niedrige Löhne lässt sich natürlich auch Bosch nicht immer entgehen. So etwa, um bei bestimmten Elektrowerkzeugen mit der chinesischen Konkurrenz mithalten zu können. So aber auch, als nach der Wende in Osteuropa die Marktwirtschaft eingeführt wurde. "Da hieß es schon öfters mal, Tschechien ist billiger", erzählt Betriebsrat Geisel, "das haben wir aber inzwischen hinter uns".

Inzwischen nämlich gebe es, auch wegen der Interventionen des Betriebsrats, "eine klare Rollenverteilung, die deutschen Werke sind die Leitwerke." Ausbau des internationalen Geschäfts - das bedeutet für Bosch oftmals auch eine Erschließung neuer Tätigkeitsfelder.

So wurde dieses Jahr im französischen Mondeville mit der Produktion von Antrieben für Elektrofahrräder begonnen. In Malaysia, wo das Unternehmen schon seit 1923 präsent ist, setzt der Konzern auf die Kraft der Sonne. Rund 520 Millionen Euro werden dort in eine Solarfabrik gesteckt, die vor allem den asiatischen Markt beliefern soll.

Viele Gespräche mit Mitarbeitern nötig

Dies aber bedeutet keineswegs den Verzicht auf ähnliche Aktivitäten in Europa. Im Gegenteil: Die Zahl de Mitarbeiter in Arnstadt in Thüringen, wo Bosch ebenfalls im Fotovoltaikgeschäft aktiv ist, soll weiter steigen.

Geisel will gar nicht bestreiten, dass auch das Engagement rund um den Globus "dem Mann an der Werkbank etwas Angst macht", dass viele Gespräche mit den Mitarbeitern nötig sind, um sie vom Segen der Internationalisierung zu überzeugen.

Doch den durch die Globalisierung ausgelösten Wandel des Konzerns hätten Betriebsrat und Geschäftsführung inzwischen "weitgehend geregelt", meint Geisel. Was ihm weit mehr Kopfzerbrechen bereitet, ist die Tatsache, dass mit immer weniger Menschen immer mehr produziert werden kann: "Wir haben eher mit der Steigerung der Produktivität zu kämpfen als mit der Globalisierung", glaubt der Feuerbacher Betriebsratschef.

Trotz Globalisierung: Bosch bleibt ein schwäbisches Unternehmen

Für den IG-Metall-Bevollmächtigten Baur handelt es sich bei der Globalisierung auch um eine über das Unternehmen hinausgehende Grundsatzfrage: "Es geht prinzipiell nicht, dass wir die Welt mit unserer Waren überschwemmen, ohne dass andere Länder entwickelt werden" - und sei es eben mit Investitionen aus Stuttgart.

Doch trotz aller Aktivitäten unter fremden Sternen will Bosch seine Ursprünge nicht verleugnen. "Wir sind in zehn Jahren noch ein weltweit tätiges Unternehmen mit schwäbischen Wurzeln", sagt Colm vorher.

Unsere Empfehlung für Sie