Bosch investiert massiv in die Mobilität der Zukunft. Dabei hilft dem Konzern die hohe Nachfrage im Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen.

Wirtschaft: Michael Heller (mih)

Stuttgart - Der Bosch-Konzern ist trotz ungünstiger Rahmenbedingungen – von der Dieselkrise über den Brexit bis zu globalen Handelskonflikten – im abgelaufenen Jahr 2018 auf Rekordkurs geblieben. Ins neue Jahr geht die Gruppe mit ihrem Schwerpunkt im Automobilgeschäft nach den Worten von Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung, aber „mit gedämpften Erwartungen“, zumal die Konjunktur nirgendwo auf der Welt Anzeichen für eine Beschleunigung zeigt. „Bei der weltweiten Fahrzeugproduktion rechnen wir mit einem erneuten Rückgang“, sagte Denner bei der Präsentation vorläufiger Zahlen für 2018. Aufgrund der Unsicherheiten trauen sich die Stuttgarter zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Umsatzprognose zu. Für Denner und Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer ist aber klar, dass das Ertragsniveau des Vorjahres gehalten werden soll.

Die Diesel-Marktanteile werden weiter sinken

Bosch sieht sich nicht zuletzt aufgrund seiner Finanzkraft auch in einem schwierigen Umfeld in der Lage, den epochalen Wechsel in der Welt der Mobilität – weg vom Verbrennungsmotor, hin zur Elektromobilität und zum Autonomen Fahren – zu bewältigen. Die Dieselkrise hat im vorigen Jahr lediglich zum Abbau von 600 Stellen in den Werken Homburg und Bamberg geführt; je zur Hälfte durch Altersteilzeit und das Auslaufen befristeter Verträge. Sehr geholfen hat dem Konzern nach Denners Worten eine hohe Nachfrage im Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen. Nach Angaben von Personalchef Christoph Kübel hat Bosch in Deutschland etwa 15 000 Beschäftigte, deren Job direkt am Diesel hängt. Den Diesel-Umsatz beziffert Bosch nicht, aber Denner machte klar, dass sich der Konzern auf weiter sinkende Zulassungsanteile für Personenwagen in Deutschland einstellt; im vorigen Jahr ist der Diesel-Marktanteil von 36 auf 30 Prozent geschrumpft.

Denner sprach von einem fundamentalen Anpassungsprozess, für den Bosch aber Zeit brauche; bei einem abrupten Wandel würde es schwierig werden. Altersbedingt werden nach den Planungen bis 2030 die Hälfte der Mitarbeiter in der Dieselsparte ausscheiden. Unabhängig davon kämpfen die Stuttgarter weiter für den Diesel. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Motor präsentiert, der ohne grundlegende Neuerungen durch Optimierungen nicht mehr als 13 Milligramm Stickoxid pro Kilometer emittiert. „Mit dieser drastischen Senkung können Fahrzeuge schon heute künftige Grenzwerte einhalten“, sagte Denner. „Mit unserer Technik behalten Diesel-Fahrzeuge zudem ihren Verbrauchs- und damit ihren Klimavorteil.“ Offen ist, ob und wo dieser Motor in absehbarer Zeit zum Einsatz kommt.

Bosch sucht 3000 KI-Experten

Dem überschaubaren Personalabbau in Homburg und Bamberg stellt Kübel die geplanten Neueinstellungen für die Mobilität der Zukunft gegenüber, die den Anspruch von Bosch signalisieren, auch hier global an der Spitze zu stehen. „Wir wollen Marktführer im Massenmarkt für Elektromobilität werden“, sagte Denner. Der Umsatz im Bereich der Elektromobilität soll bis 2025 auf fünf Milliarden Euro mehr als verzehnfacht werden. Für das Autonome Fahren rechnet Denner bis 2022 mit Vorleistungen von vier Milliarden Euro.

In den nächsten fünf Jahren sollen 3000 Experten für Künstliche Intelligenz (KI) zusätzlich zur bestehenden Belegschaft von 1000 Mitarbeitern in diesem Bereich eingestellt werden; Denner bezeichnet die KI als Schlüsseltechnologie. Des Weiteren sehen Kübels Planungen 25 000 neue Software- und Informatikexperten vor.

Vertrauen in das Duo Bosch-Daimler

Bosch arbeitet beim Thema Autonomes Fahren gegenwärtig mit Daimler zusammen. In der gesamten Branche wird gegenwärtig aber über noch breitere Allianzen diskutiert. Denner demonstriert hier Selbstbewusstsein und zeigt sich überzeugt, dass das Duo Bosch-Daimler im Alleingang die Antworten auf alle Fragen finden kann. Andererseits ist die Allianz erklärtermaßen offen für weitere Partner. Angesichts der absehbar hohen Investitionen hält Denner eine breitere Zusammenarbeit für sinnvoll.

Bereits in diesem Jahr wollen Bosch und Daimler in San José (USA) einen automatisierten Mitfahrservice testen. Das Marktpotenzial fürs Autonome Fahren gilt als riesig. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger sollen bereits bis 2025 in Europa, den USA und China 2,5 Millionen Shuttlebusse unterwegs sein, die von Fahrgästen bei Bedarf angefordert werden können – die Mehrzahl fahrerlos.

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