Bosch verkleinert Neubauten in Leonberg Rückzieher mit Beigeschmack

Bauzaun statt Bauarbeiten: Aus einem der beiden Bosch-Großprojekte in Leonberg wird nichts. Foto: Jürgen Bach

Das Aus für das zweite Leonberger Bosch-Projekt wirft Fragen auf, kommentiert Thomas K. Slotwinski.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Nein, eine Überraschung ist es am Ende nicht: Wenn eine riesige Baugrube mehr als ein Jahr brachliegt, dann stimmt etwas nicht. Jetzt wissen wir, was nicht stimmt. Offenbar hat sich das Weltunternehmen Bosch bei seinen Plänen für ein Entwicklungszentrum für autonomes Fahren in Leonberg ein Stück weit verkalkuliert. In anderen Standorten der Region stehen viele Schreibtische augenscheinlich leer, warum noch zusätzliche Kapazitäten?

 

Ausgangslage war schon vor fünf Jahren klar

Was angesichts des durch Corona angestoßenen Dauertrends zu Homeoffice durchaus verständlich klingt, wirft bei näherer Betrachtung doch einige Fragen auf: Auch ohne die Pandemie war schon vor Jahren bekannt, dass das Unternehmen in der Region über etliche Standorte mit der entsprechenden Menge an Arbeitsplätzen verfügt. Vor fünf Jahren hatte es geheißen, dass der Wachstumskurs so groß sei, dass der Bedarf von gleich zwei großen Neubauten auf jeden Fall vorhanden sei.

Jetzt spricht Bosch sogar davon, dass der entsprechende Geschäftsbereich noch stärker gewachsen wäre – so stark, dass der geplante Neubau gar nicht mehr ausreichen würde, zumindest was die technische Ausstattung mit Labors oder Prüfständen beträfe. Aber hat man nicht schon früher gewusst, dass es bei solch komplexen Themen mit Schreibtisch und Laptop nicht getan ist?

Dem plötzlichen Rückzieher, der nur auf Nachfrage unserer Zeitung und nur mit äußerst dürren Worten publik gemacht wurde, haftet ein merkwürdiger Beigeschmack an.

Städtebauliches Problem

Zumal Leonberg, sollte nicht doch noch eine positive Lösung gefunden werden, ein neues ungeahntes städtebauliches Problem hat, für das das Rathaus nichts kann. Statt eines architektonischen Schmuckstücks gibt es eine hässliche Brache mitten im Zentrum. Ungeachtet all dessen: Dass das Hauptprojekt, der terrassenförmige Campus, planmäßig voranschreitet, ist ein wirtschaftlicher wie optischer Gewinn für die Stadt.

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