„Christina, Christina“, ruft Benedikt Pedde aufgeregt seiner Frau zu. Und die reagiert prompt. Zielstrebig holt sie die überdimensionalen Tennisbälle aus der Tasche, damit ihre Kinder Per und Frederik damit losspurten und sich Autogramme holen können. Etliche Unterschriften zieren die neongelben Bälle bereits. „Der Kyrgios ist auch drauf“, sagt Benedikt Pedde. Der Platz der vierköpfigen Familie ist perfekt gewählt. Wenn die Tennisprofis bei den Boss Open vom Center-Court zum Clubhaus wollen, müssen sie hier am Zelt der Kinderbetreuung vorbei – genau dort, wo die beiden Buben mit Gleichaltrigen basteln. „Unterschriften kriegen nur die Kinder“, sagt Christina Pedde. Und die beiden Jungs sind tatsächlich echte Fans, spielen auch selbst Tennis auf der Waldau.
Autogramme heiß begehrt
Autogramme der Profis sind heiß begehrt bei den Boss Open. Vor allem bei den Kindern, die am Sonntag zahlreich auf der weitläufigen Anlage des TC Weissenhof vertreten sind. Während die Eltern die sportlichen Auftritte der Stars wie Nick Kyrgios (Australien) oder Titelverteidiger Matteo Berrettini (Italien) verfolgen, flitzen Mädchen und Jungen umher, immer auf der Jagd nach Unterschriften. Die Erwachsenen bleiben da mitunter ratlos zurück. „Fragen Sie mich nicht, ich würde nicht mal den Federer erkennen“, antwortet eine Mutter auf die Frage, welcher junge Mann da gerade ihren zwei Kindern Autogramme gibt.
Umfangreiches Rahmenprogramm
Es geht lebhaft zu beim großen Sportereignis auf dem Killesberg. An den neun Turniertagen gibt es ein Rahmenprogramm abseits der Tennisplätze, wo an diesem Sonntag pausenlos Qualifikations-, Trainings- und Showmatches ausgetragen werden. Die sogenannten Kids Days laufen noch bis 13. Juni. Kinder bis 16 Jahren erhalten an diesen Tagen vergünstigte Tickets und können an diversen Mitmachaktionen teilnehmen. Für die Erwachsenen wiederum werden Partys angekündigt, das Bürgerwiesenfest etwa am 15. Juni, bei dem eine Liveband ab 19 Uhr bei freiem Eintritt spielen wird. Familienfreundlich und für jedermann, so lautet das Motto der Sport-Großveranstaltung.
Nachhaltigkeit wird immer wichtiger
Das kommt an. Schon kurz vor 11 Uhr bildet sich eine lange Schlange am Eingang. Paare wie Theresa List und Frederick Mohr aus Reutlingen nutzen das tolle Wetter für einen „kleinen Sonntagsausflug“, wie er sagt. Sie ist Tennisspielerin und -fan, er nennt sich lachend „Anhängsel“. „Das Elitäre ist Vergangenheit“, sagt der Pressesprecher Karlheinz Wieser. In diesem Jahr werde ein Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit gesetzt. „Das ist ein Gebot der Stunde“, sagt er. Der Plastikflaschen-Verbrauch müsse stark reduziert werden, die Autoflotte, mit der die Gäste kutschiert werden, habe man auf E- und Hybridfahrzeuge umgestellt. Am Sustainability Day, dem 14. Juni, werden Vereine ausgezeichnet, die Akzente in puncto Nachhaltigkeit gesetzt haben. Und die Inklusion wird auch forciert. Ebenfalls am 14. Juni sollen daher bei einer Aktion in Kooperation mit dem MTV Stuttgart körper- und sehbeeinträchtigte Tennisspieler zu den Schlägern greifen.
Ein Hauch von Glamour
Ganz ohne Glamour geht es trotzdem nicht. Sehen und gesehen werden, das schwingt im eleganten Ambiente durchaus mit. Überdurchschnittlich viele Damen tragen Schuhe und Taschen der Edel-Designer, die Herren Poloshirts und Mützen mit großen Aufdrucken. Wer darf, nimmt in der VIP-Lounge Platz, und auch beim Shopping im Pop-up-Store des Hauptsponsors kann man sich die Zeit vertreiben. Vieles bleibt Otto Normalverbraucher allerdings verwehrt. Die Players Party am 12. Juni und das Event Rasen-ProAm am 17. Juni sind nur für geladene Gäste. Angekündigt werden Sportler und Prominenz aus Wirtschaft und Society. „Tommy Haas wird vorbeischauen“, erklärt Karlheinz Wieser zur Players Party, für die Veranstaltung am Samstag stünden Model und Promi-Sohn Elias Becker, Ex-Handballspieler Mimi Kraus, der norwegische Skirennläufer Aleksander Aamodt Kilde oder Daniela Hantuchova, ehemalige slowakische Weltklasse-Tennisspielerin, auf der Gästeliste.