Boulevard-Theater in Weil Im Schönbuch Sie reden sich um Kopf und Kragen

Hilft da nur noch Alkohol? Foto: /Juan Villarroya

In Weil im Schönbuch wird feiner Boulevard-Spaß auf die Bühne gebracht. „Das (perfekte) Desaster Dinner“ ist urkomisch, turbulent – und begehrt: alle Vorstellungen sind ausverkauft.

Aus Stefans Sicht könnte es so einfach sein: Seine Ehefrau Jaqueline fährt zu ihrer Mutter, er lädt seine Geliebte Susanna für ein Wochenende mit Thai-Catering in sein Chalet auf dem Land, und als Alibi erscheint Stefans bester Freund Robert. Wenn da nicht das Eigenleben der anderen wäre. „Das (perfekte) Desaster Dinner“ basiert auf der Boulevard-Komödie „Madame, es ist angerichtet“ von Marc Camoletti, die der Kabarettist Michael Niavarani modernisiert hat.

 
Im wahrsten Wortsinn: Es geht drunter und drüber. /Juan Villarroya

Das Ensemble der Schönbuchbühne lässt das Publikum in ein anheimelndes Chalet in Creme und Weinrot mit Hirschgeweih und Topfpflanzen blicken. Doch bei den Protagonisten liegen die Nerven blank, denn Stefan will unter allen Umständen für das Wochenende seine Ehefrau Jacqueline loswerden. Diese will dagegen um jeden Preis bleiben, weil sie eine Affäre mit Stefans Alibi-Freund Robert hat. Hektisch gestikulierend redet Andreas Lachenmayer als Stefan auf Jacqueline ein, die klares Kontra gibt (energisch und mindestens so durchtrieben wie Stefan: Annette Weinberger).

Alle Nase lang wird alles über den Haufen geworfen

Also müssen die Pläne angepasst werden. Stefan erklärt kurzerhand seine Affäre Susanna zur Freundin von Robert. Nur ist der leider etwas begriffsstutzig (Jens Mäutner: zitternd und ständig in der Defensive). Das Unheil nimmt seinen Lauf, als eine weitere Dame mit ähnlichem Namen (Susi!) erscheint. Petra Landenberger gibt sie als rustikale, schwäbische Köchin in einer kunterbunten Latzhose und knallgelbem Oberteil. Und schon sind die fünf in einem Riesenschlamassel verwickelt und reden sich beim Versuch, diesem zu entkommen, um Kopf und Kragen. Was sich nicht bessert, als auch noch Stefans modelnde Geliebte Susanna Neuschnee in ordinären Overknees und Leopardenkleid auftaucht. Jennifer Schäfer bewährt sich als Neuzugang im Ensemble.

Temporeiche Komödie

Wer ist hier jetzt Köchin, Freundin, Model oder Geliebte? Die fünf überbieten sich in immer neuen Versionen, eine absurder als die andere, während ihnen der Überblick über die Lügen zur großen Freude des Publikums sukzessive entgleitet und Alkohol und Haschisch ihr übriges tun. Begleitet sind die Diskussionen von temporeichen Auf- und Abgängen, Schmuse-Attacken und Handgreiflichkeiten.

Das Ensemble treibt es bunt. /Juan Villarroya

„Das muss doch sehr anstrengend sein“, denkt sich der Zuschauer, und als hochgradig herausfordernd haben auch die Schauspieler die Einstudierung empfunden. „Es ist schon sehr anspruchsvoll vom Timing“, berichtet Jürgen Ehmann, der als eifersüchtiger Macker Schorschi im Fortgang des Stücks seinen Auftritt hat. Auch die Platzierung auf der Bühne will bedacht sein, und der Text ist interpretationsbedürftig. Umso erstaunlicher, dass die Akteurinnen und Akteure die Komödie ohne Patzer, nimmermüde und vor allem urkomisch meistern. Ob es wohl daran liegt, dass sie das für Oktober geplante Stück krankheitsbedingt absagen mussten und die Inszenierung noch reifen konnte?

Auf jeden Fall ist es ein Verdienst der Regisseurin Patricia Frasch, die das erste Mal allein die Regie übernommen hat. Vor allem ist es aber eine außerordentliche Ensemble-Leistung, die mit großem Jubel der Zuschauer belohnt wird.

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