Organisiert wird das Beisammensein von Peter Drobela, der selbst auch in Darmsheim wohnt. „Für mich ist das sozusagen ein Heimspiel“, scherzt er. Die Ältesten in der Runde sind Jahrgang 1939. Der Jüngste, Joachim Reinhardt, wurde in den 1960ern geboren. Der Altersunterschied hat aber nie eine Rolle gespielt. „Als ich angefangen habe, hörten ein paar hier gerade auf“, sagt Joachim Reinhardt. „Die Kameradschaft hat aber trotzdem immer stattgefunden.“
Einem Rivalen beim Rennradfahren „eine eingeschenkt“
Er erinnert sich bei der Gelegenheit auch noch gut daran, wie er überhaupt zum Boxsport gekommen ist. „Das ist eine lustige Geschichte“, grinst er. „Ich war damals Rennrad fahren, und auf der Strecke zwischen Dettenhausen und Weil im Schönbuch hat mir einer im Vorbeifahren die Schaltung runtergehauen.“ Als alle am Ziel angekommen waren, habe er dem Übeltäter „eine eingeschenkt“, wie er es ausdrückt. „Daraufhin sagte mein Trainer, dass ich im Boxen vielleicht besser aufgehoben wäre.“
Auch die anderen können sich noch gut daran erinnern, wie es sie zum Boxen verschlagen hat. „Damals gab es hier in Böblingen im Grunde nicht viel anderes“, erklärt Peter Drobela. „Du hattest als junger Kerle die Wahl zwischen Boxen und Fußball.“ Er selbst habe den Sport durch seinen Bruder kennengelernt, der ebenfalls Boxer war.
Joachim „Jockel“ Hirth wurde ebenfalls von einem Verwandten in den Ring geholt. Bei ihm war es sein Onkel Karlheinz Hirth, der früher sogar als Coach tätig war. „Boxen ist ein toller Sport“, findet Joachim Hirth nach wie vor. „Die meisten denken, es geht dabei um Angriff, aber das stimmt nicht. Es geht um die Verteidigung.“ Wer boxt, müsse konditionell extrem fit sein. „Man absolviert ein sehr intensives Training und kann die erarbeitete Leistung dann im Zweikampf präsentieren.“
Dem 71-Jährigen sind allerdings weniger die Duelle in Erinnerung geblieben, die er gewonnen hat. Es sind die Niederlagen, die ihn noch heute fuchsen. „Es gab schon damals Kämpfe, bei denen man unfair behandelt wurde“, sagt er und erntet zustimmendes Nicken. „Die Leute sagen immer, früher war alles besser“, meint Peter Drobela. „Aber das stimmt nicht immer.“
Die Boxer seien heute genauso fähig wie die ehemaligen Aktiven. Was sich verändert hat, ist die gesellschaftliche Begeisterung für den Kampfsport. Früher lockte ein Boxwettkampf der SV Böblingen schon mal 1200 Zuschauer in die Halle. Besonders gern denkt Peter Drobela an ein Aufeinandertreffen zwischen der SVB und einer Gruppe Amerikaner zurück, die in Göppingen stationiert waren. „Die waren ungeschlagen, bis sie zu uns kamen“, schmunzelt er. „Wir waren die ersten, die die besiegen konnten.“ Doch egal, wie sehr man sich im Seilgeviert vermöbelt hat: „Am Ende saß man mit den Gästen immer zusammen und hat gemeinsam gegessen.“
Aber schließlich teilt man als Boxer auch mehr als nur die Leidenschaft für den Sport. Eine gewisse Mentalität gehört auch dazu. „Du musst einen starken Willen haben“ – da sind sich alle einig. Und zwar nicht nur im Ring. Auch der Wille, an sich zu arbeiten und zu trainieren, muss da sein. „Und man darf natürlich nicht wehleidig sein“, schmunzelt Joachim Reinhardt. „Du kannst nämlich noch so gut sein – der andere schlägt auch zu.“
Keine Frage: Die ehemaligen SVB-Boxer haben ihren Sport mit Passion ausgeübt. Noch viel stärker als die Liebe zum Boxen ist aber der Zusammenhalt im Verein. „Das war schon damals so“, meint Peter Drobela. Die Truppe sei in ganz Deutschland herumgekommen, hätte in Frankreich, Luxemburg, Österreich und der Schweiz gekämpft. Während man zu solchen Wettkämpfen heute allein im Auto fährt, saß damals der ganze Verein im Bus. Singend. „Da gab es doch dieses Lied: Ein Auge blau, vielleicht auch zwei“, grinst Peter Drobela. Die anderen lachen.
„Ich glaube, es ist sehr selten, dass sich eine Gruppe auch noch Jahrzehnte nach der aktiven Zeit regelmäßig trifft“, überlegt Peter Drobela. Auch wenn das Zusammensein Jahr für Jahr einen bittersüßen Beigeschmack hat. Mit jedem Treffen sinkt nämlich die Zahl der Teilnehmer. 2014 füllte das Ehemaligentreffen noch drei Tische im Sportheim. Mittlerweile ist es nur noch einer. „Wir werden immer weniger“, so Peter Drobela. „Aber die Gemeinschaft bleibt.“