Boxen bei der SV Böblingen Mit 15 schon zweifacher Jugendmeister: Maxim Kovalski peilt EM-Podest an

Maxim Kovalski trainiert mittlerweile in einem Sportinternat in Heidelberg. Foto: Andrea Ifodi

Maxim Kovalski von der SV Böblingen zählt zu den größten Boxtalenten Deutschlands und darf zur U17-EM. Warum der Sport ursprünglich nur zweite Wahl war und wer sein großes Vorbild ist.

Sport: Dominik Grill (grd)

Erst drei Jahre ist es her, dass sich Maxim Kovalski komplett dem Boxsport verschrieben hat. Heute hat der mittlerweile 15-Jährige, der unter anderem für die SV Böblingen antritt, bereits eine beeindruckende Vita vorzuweisen: Im April diesen Jahres wurde er zum zweiten Mal in Folge deutscher Jugendmeister.

 

Sein wohl größtes Karrierehighlight steht indes kurz bevor. Diese Woche geht er bei der U17-Europameisterschaft im brandenburgischen Kienbaum an den Start. Die Vorzeichen stehen gut: Zuletzt gewann er bei einem Vorbereitungsturnier in Schwerin alle seine drei Kämpfe. „Ich bin topfit“, verkündet Kovalski, der in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm antritt.

Maxim Kovalksi arbeitet an großem Traum von Profikarriere im Boxen

In Kienbaum wird er weiter an seinem großen Traum von der Profikarriere arbeiten. Dabei fehlte einst nicht viel, und Kovalski hätte eine völlig andere sportliche Laufbahn eingeschlagen. „Fußball hat mir damals eigentlich mehr Spaß gemacht“, erzählt der Linksausleger – und das, obwohl er bereits im Alter von vier Jahren mit dem Boxen in Berührung kam. Auf Beharren seines Vaters Andreas Kovalski hin, der aus Kasachstan stammt und ihm den Boxsport einst in die Wiege legte, ging er aber trotz seiner Fußballaffinität brav ins Boxtraining und entdeckte schließlich seine große Leidenschaft.

Dementsprechend nennt Kovalski Junior nicht Fußballer wie Samat Smaqow (mit 76 Spielen Kasachstans Rekordnationalspieler) oder Heinrich Schmidtgal (stand unter anderem für Fortuna Düsseldorf und die SpVgg Greuther Fürth auf dem Feld) als seine Vorbilder, sondern einen noch viel berühmteren Sohn Kasachstans: Gennadiy Golovkin, seines Zeichens mehrfacher Boxweltmeister und eine Legende des Sports.

„Er ist schnell, hat eine sehr gute Technik, und ich schaue ihm gerne zu“, sagt Maxim Kovalski über den 43-Jährigen. Ähnlich wie Golovkin, der für sein Granitkinn berühmt ist, ist auch der gebürtige Bad Mergentheimer hart im Nehmen. „Wenn ich Schläge bekomme, interessiert mich das nicht. Ich schalte alles aus.“ Eine weitere große Stärke: „Meine Beine funktionieren sehr gut.“ Dass neben dem Körperlichen die Mentalität nicht weniger wichtig ist, weiß freilich auch Maxim Kovalski. „Boxen ist nicht nur Prügelei, sondern Kopfsache“, sagt er über den besonderen Reiz des Sports. „Man muss sehr schnelle und richtige Entscheidungen treffen.“

Lernen tut er indes von den Besten. Im September verließ Maxim Kovalski sein Zuhause und wechselte in ein Sportinternat in Heidelberg, um seine Karriere voranzutreiben. Die gesamte Elite des deutschen Boxsports hat dort Quartier bezogen, trainiert wird er von Coaches des Landesverbandes Baden-Württemberg. Regelmäßig tritt der 15-Jährige – mangels Gegner in seiner Gewichts- und Altersklasse – gegen schwerere und ältere Kontrahenten an. „So lernt man natürlich mehr. Sie sagen, was ich falsch mache und wie ich mich verbessern kann“, betont er.

Acht bis neun Mal pro Woche trainiert er üblicherweise, kurz vor großen Events wie der Europameisterschaft steigt der Umfang sogar noch an – ein Pensum, das mit dem normalen Schulalltag kaum vereinbar wäre. „Am Sportinternat bekomme ich Freistellungen und kann mich auf den Sport konzentrieren“, erklärt Maxim Kovalski.

Er geht also All-in, was seinen großen Traum anbelangt. Eines Tages will er vom Sport leben können und womöglich in die Fußstapfen eines Gennadiy Golovkin treten. Das Ziel, das er aber aktuell unmittelbar vor Augen hat: ein Platz auf dem Treppchen bei der EM. Kein einfaches Unterfangen, das weiß er selbst, zumal er mit 15 Jahren zu den jüngsten der 385 internationalen Teilnehmer gehören wird. Selbstbewusst bleibt Maxim Kovalski trotzdem: „Wenn ich es unter die besten Drei schaffe, dann will ich auch Erster werden.“

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