Boxen für Frauen mit Bulimie in Ludwigsburg „Auspowern spielt eine Rolle“

Ein Boxer braucht Mut, findet Evelyn Venzke. Foto: AFP
Ein Boxer braucht Mut, findet Evelyn Venzke. Foto: AFP

Die frühere Spitzenathletin Evelyn Venzke bietet zusammen mit dem Verein Frauen für Frauen den Kurs „Boxen für Frauen mit Bulimie“ an. Mit den Feinheiten des Sports kennt sie sich aus.

Ludwigsburg: Marius Venturini (mv)
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Ludwigsburg - Die frühere Spitzenathletin Evelyn Venzke bietet zusammen mit dem Verein Frauen für Frauen den Kurs „Boxen für Frauen mit Bulimie“ in Ludwigsburg an. Mit den Feinheiten des Sports kennt sie sich aus: Venzke war Deutsche Meisterin sowie Europameisterin im Kickboxen sowie Profiboxerin.

Frau Venzke, wie genau funktioniert Ihr neues Angebot?
Evelyn Venzke Foto: Marius Venturini
Moderne Verhaltenstherapieansätze im Bereich Körper und Gefühl werden erlebbar gemacht. Die Übungen bewirken eine neue Wahrnehmung und andere Denkprozesse. Alte Verhaltensmuster werden erkannt. Durch Information und Wissensvermittlung, gekoppelt mit Körperübungen, wird zu alternativen Wahrnehmungen, Denkprozessen und Handlungen angeregt. Diese werden dann trainiert.
Wie geht das konkret mit dem Boxsport?
Wir müssen uns erst über unsere Gefühle im Klaren sein. Je klarer meine Botschaft ist, desto besser werde ich verstanden. Und hier kommt das Boxen ins Spiel. Ein Boxer hat einen festen Stand, eine Grundstellung der Beine, kann kontern.
Also geht es nicht ums bloße Auspowern?
Auspowern spielt sehr wohl eine Rolle. Für unsere Psychohygiene ist es wichtig, dass wir das ab und zu machen. Nicht mehr alles in sich hineinzufressen, anzustauen, wegzuschweigen, das bedeutet, Mut zu haben. Und Mut braucht ein Boxer auch.
Also spielt Bewegung beim Kampf gegen psychische Erkrankungen wie Bulimie eine große Rolle?
Ich kann im Gehirn nur einen Rohrputz machen, wenn ich die Muskulatur mit ins Boot hole. Und nur, wenn ich die Muskulatur zu Hilfe nehme, kann ich Stress abbauen. Boxen ist ideal – für jeden, aber natürlich individuell und subjektiv. Die, die es für sich entdecken, werden es lieben. Eine Alternative wäre das Walken, wenn ich zwischendurch Sprints einlege.
Muskeln und Psyche spielen demnach zusammen?
Jeder kennt die Phase, wenn man einen grippalen Infekt hat. Und wenn man dann auch noch etwas leisten soll, wird es wirklich schwierig. In der Psyche ist das ähnlich. Die Schrauben, an denen ich justiere, sind immer die Emotionen. Bestimmte Entscheidungen können unser Leben in verschiedene Bahnen lenken.
Ist es wichtig, mit anderen Menschen gemeinsam Sport zu machen, in Ihrem Fall: zu boxen?
Ja, denn dabei entsteht eine Dynamik, und auch Freundschaften können daraus resultieren. Man begibt sich in eine Positivspirale, in der man sich gegenseitig mitnimmt.
Es gibt ja bereits Therapieangebote gerade für Menschen, die an Bulimie leiden.
Therapieplätze gibt es wenige. Gerade im Bereich der Essstörung werden die Menschen häufig allein gelassen. Das hat sich herausgestellt, als ich mein Angebot dem Verein Frauen für Frauen vorgestellt habe. Es gibt außerdem zig Frauen, die in Therapie waren, nur dass die nicht gegriffen hat.

Das Gespräch führte Marius Venturini.

Anmeldung

Das Angebot „Boxen für Frauen mit Bulimie“ umfasst drei Nachmittage und beginnt am Samstag, 18. März, in der MBC-Boxhalle nahe des Marstall in Ludwigsburg. Anmeldung online auf www.frauenfuerfrauen-lb.de/essstoerungen.




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