Volltreffer: Ardian Krasniqi (li.) zeigt keine Gnade mit seinem Gegner Diego Ramirez. Foto: Eibner/Edward Cheung
Es war das erwartete Spektakel. „Showdown for Legacy II“ hieß das große Box-Event im Sindelfinger Glaspalast. Im Hauptkampf stand mit Ardian Krasniqi der Neffe einer echten Legende und riss die 2500 Zuschauer zu wahren Begeisterungsstürmen hin.
Oscar Moreno
28.04.2025 - 15:34 Uhr
So gut wie jeder Besucher des Sindelfinger Glaspalasts ist von seinem Platz aufgesprungen. Das bunte Scheinwerferlicht schwenkt über die begeisterten Fans, die in kürzester Zeit die Arena in Vorfreude auf diesen letzten Fight des Abends gefüllt haben, und verharrt dann auf einer Bühne am Rand. „Und in der blauen Ecke...“, ruft der Moderator, „...Ardian Krasniqi!“
Der Bass der Musik, die Stimme des Ringsprechers, der weitere Fakten zum anstehenden Kampf in atemberaubendem Tempo runter rattert, und die Rufe der Zuschauer vermischen sich zu einer eindrucksvollen Klangkulisse. Durch einen schwarzen Vorhang hindurch betritt besagter Boxer das Rampenlicht und hebt siegessicher die Arme. „Ardian! Ardian! Ardian!“, skandieren die Anhänger des Neffen der ebenfalls anwesenden Legende Luan Krasniqi. Von zwei Security-Männern mit schwarzen Anzügen und strengen Gesichtern wird der angehende Star zum Ring eskortiert, wo sein Rivale bereits auf ihn wartet.
Ardian Krasniqi gegen Diego Ramirez ist der Hauptkampf des „Showdown for Legacy II“, einem großen Box-Event, bei dem auch WBO-Weltmeistertitel auf dem Spiel stehen. Nach letzten Anweisungen des Ringrichters gehen die Sportler jeweils in ihre Ecke. Gedämpfte Gespräche werden immer leiser, die Spannung ist greifbar und wird nur vom Klang der Glocke zerschnitten. Das finale Duell geht in die erste Runde.
Um die 2500 Zuschauer ließen sich das Spektakel im Glaspalast nicht entgehen. Foto: Eibner/Edward Cheung
„Wir sind wegen Ardian hier“, meint Loris Jasiqi zwei Stunden vor dessen spektakulärem Auftritt. Er und sein Kumpel haben den Weg aus Esslingen in den Glaspalast angetreten. „Ardian kommt aus dem Kosovo – aus demselben Dorf wie wir. Natürlich unterstützen wir ihn und sind sehr stolz. Wir sind wie eine große Familie“, erklärt der 17-jährige Besfort Hasanaj begeistert. „Das ist einfach eine super Veranstaltung“, sind sich die beiden jungen Männer sicher.
Mit dieser Meinung stehen sie nicht allein da. Elf Kämpfe können die Gäste in Sindelfingen live erleben. In vielen davon scheinen die Rollen klar verteilt. Leonardo Di Stefano Ruiz besiegt beispielsweise seinen Rivalen Jose Gregorio nach 61 Sekunden. Einigen andern ergeht es nicht besser als letzterem. Arian Ejupis Gegner Jiri Kroupa geht ebenfalls schon bald nach der Auftaktglocke zu Boden. Auffällig ist, dass alle Athleten, die aus dem deutschsprachigen Raum angereist sind, ihre Aufeinandertreffen für sich entscheiden. So geht kein mitgereistes Fanlager leer aus. Auch nicht das von Fatlum Dreshaj aus Filderstadt.
Nummerngirl: Der Showaspekt gehört beim Boxen natürlich auch dazu. Foto: Eibner/Edward Cheung
Der ist das Aushängeschild des Boxring Stuttgart, bei dem sich auch Christian Löblein fit hält. „Fatlum hat sogar einmal mit mir trainiert“, erzählt er mit einem Lächeln auf den Lippen. „Man spürt einen tierischen Unterschied zu den anderen Boxern bei uns. Nicht nur was die Kraft angeht, sondern auch Technik, Fußarbeit und Ausdauer sind auf einem ganz anderen Level“, analysiert der Leonberger. „Fatlum ist ein absoluter Top-Athlet. Natürlich supporten wir ihn alle bei seinem zweiten Profikampf“. Dreshajs Rivale ist Milos Janjanin und ein hartes Stück Arbeit für den 25-Jährigen. Sein Konkurrent versucht immer wieder, das Kampfgeschehen durch Körperkontakt zu stören und ihn so aus der Ruhe zu bringen. Dies gelingt über weite Strecken, doch nachdem es rum ist, erklärt das Kampfgericht Fatlum Dreshaj zum Sieger.
Gewonnen hat auch Sarah Bormann. In einem packenden Schlagabtausch liefert sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der unheimlich flinken Isabel Rivera aus Spanien. Beide kämpfen hart und fair. Bis in Runde zehn fliegen die Fäuste und perlt der Schweiß. Auch hier muss die Jury die Entscheidung fällen. Bormann krönt ihren Auftritt nicht nur mit einem knappen Erfolg, sondern auch mit der Verteidigung des Weltmeistertitels.
Ein langer Boxabend neigt sich dem Ende zu. Der große Showdown steht an. Krasniqi gegen Ramirez. Von Minute zu Minute steigt die Spannung. Jeder Treffer, den Ardian Krasniqi landet, wird lautstark vom Publikum bejubelt. Dampf steigt von den beiden Faustfechtern empor, der über dem Ring auf das Licht der Spotlights trifft und der Szene eine epische Atmosphäre verleiht. Nach einigen ausgeglichenen Runden nutzt Krasniqi eine kleine Unaufmerksamkeit seines Gegners aus – und schlägt gnadenlos zu. Ramirez geht zu Boden. Sieg durch Knockout für Ardian Krasniqi.
Sieger durch K.o.: Ardian Krasniqi lässt sich von seinen Fans bejubeln. Foto: Eibner/Edward Cheung
Das Bild, wie der Profi aus Rottweil auf die Seile steigt und die Faust als Zeichen des Triumphs in die Höhe streckt, um seinen Fans zuzujubeln, wird sicher vielen in guter Erinnerung bleiben.