Boxen Simon Zachenhuber kämpft um seine Zukunft

Voll austrainiert: Boxer Simon Zachenhuber. Foto: Baumann

Der Supermittelgewichtler aus Stuttgart trifft auf seinen härtesten Gegner: Paulinus Ndjolonimu ist in der Rangliste des Verbandes WBO top platziert – und ein Türöffner?

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

In vielen Karrieren von Sportlern gibt es den einen Moment, das eine Spiel oder das eine Duell, in dem sich alles verändert hat – weil aus der Hoffnung, es ganz nach oben schaffen zu können, Gewissheit wurde. Simon Zachenhuber (27) war zwar Deutschlands Boxer des Jahres 2022, auf den Durchbruch wartet er aber immer noch. Vielleicht jedoch nicht mehr lange.

 

An diesem Samstag trifft der Supermittelgewichtler (bis 76,2 kg) aus Erding, der seit mehr als sieben Jahren in Stuttgart lebt und trainiert, auf seinen bisher härtesten Gegner: Paulinus Ndjolonimu (37) ist die Nummer vier in der Rangliste des Weltverbandes WBO. Schlägt Simon Zachenhuber den 1,90-Meter-Mann aus Namibia, macht er selbst einen Sprung in die absolute Weltspitze, und der WM-Kampf, von dem er träumt, wäre in greifbarer Nähe. „Darauf haben wir jahrelang hingearbeitet“, sagt Trainer Conny Mittermeier, „jetzt müssen wir diese Chance nutzen.“ Einfach wird das jedoch nicht.

41 Runden Sparring

Auf das Duell im SNP-Dome in Heidelberg hat sich Simon Zachenhuber intensiv vorbereitet. Zuletzt war er 15 Tage lang in Asti in der italienischen Provinz Piemont im Trainingscamp von Etinosa Oliha. Gegen den Mittelgewichtler, der an diesem Samstag in Frisco im US-Bundesstaat Texas hätte boxen sollen, diesen Kampf aber wegen einer Augenverletzung ganz kurzfristig hatte absagen müssen, bestritt Simon Zachenhuber 41 Sparrings-Runden. „Ich bin absolut fit, fühle mich gut“, sagt der Bayer aus Stuttgart, „ich bin bereit für große Taten.“

Dass Simon Zachenhuber voll austrainiert ist, war beim Besuch in dieser Woche in seinem persönlichen Gym im Feuerbacher Tal zu sehen. Allerdings ist auch die Anspannung zu spüren gewesen. „Das muss so sein, sonst sind die Sinne und Instinkte nicht geschärft“, sagt der Boxer, „ich verfüge nun über genügend Erfahrung, Routine und Qualität, um zum großen Schlag ausholen zu können. Jetzt ist der richtige Moment, um eine große Aufgabe zu lösen.“ Diese trägt den Namen Paulinus Ndjolonimu.

Ein Sponsor finanziert den Gegner

Den Konkurrenten aus Namibia, der alle seine 19 Kämpfe gegen teils namhafte afrikanische Gegner gewonnen hat (17 davon durch Knock-out), bisher aber nur in seiner Heimat im Ring stand, hat sich Simon Zachenhuber ganz bewusst ausgesucht. Nachdem er vergeblich um prominente Gegner aus Deutschland gebuhlt hatte (Mittermeier: „Keiner traute sich“), geht er nun den Weg über einen in der Rangliste top positionierten Gegner aus dem Ausland. Ein Sponsor von Simon Zachenhuber finanziert die Gage und die Reisekosten für Paulinus Ndjolonimu und dessen Tross, insgesamt ist dafür ein niedriger sechsstelliger Betrag nötig – von dem Simon Zachenhuber nichts hat. Das Geld, das er vom Veranstalter erhält, deckt lediglich seine Unkosten. „Ich“, sagt er, „boxe nur für die Chance.“

Oder anders ausgedrückt: Simon Zachenhuber und sein Coach Conny Mittermeier hoffen, dass die lange Zeit, in denen sie enorm viel investiert haben, um die Karriere am Laufen zu halten und weiterzuentwickeln, bald vorbei ist – und sich die harte Arbeit endlich auszahlt. Dafür muss an diesem Samstag der 28. Sieg im 28. Kampf her, eine Niederlage darf sich Zachenhuber, der um seine Zukunft boxt, nicht erlauben. „Es gab leider nicht viele Videos von Paulinus Ndjolonimu, wir müssen unsere Taktik folglich während des Kampfes im Ring anpassen“, sagt Conny Mittermeier, der sich trotzdem keine Sorgen macht. „Die Form von Simon stimmt. Er muss nun alles reinlegen, was wir in den letzten sieben Jahren trainiert haben, dazu seine mentale Stärke und Intelligenz einbringen.“ Dass dies gelingt? Ist für den Coach keine Frage: „Ich habe vollstes Vertrauen in ihn.“

Auch Simon Zachenhuber ist vor dem Kampfabend in Heidelberg, für den es noch Tickets gibt (weitere Infos auf der Instagram-Seite des Boxers), zuversichtlich und optimistisch. „Ich bin sicher, dass ich stark genug bin“, sagt der 27-Jährige, „und auch wenn ich gerade keine Kapazitäten habe, um ans Danach zu denken, ist eines klar: Wenn ich gewinne, werden sich bisher verschlossene Türen für mich öffnen.“ Wie das bei einem Durchbruch eben so ist.

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