Boxen Tyson und Trump – ein seltsames Duo

Der große Kampf wird angekündigt – und Mike Tyson schlägt Michael Spinks nach 91 Sekunden k.o. Zur Freude von Donald Trump, der mit Don King (re.) ins Geschäft kommt.   Foto:  
Der große Kampf wird angekündigt – und Mike Tyson schlägt Michael Spinks nach 91 Sekunden k.o. Zur Freude von Donald Trump, der mit Don King (re.) ins Geschäft kommt.   Foto:  

In den Achtziger Jahren sind der einstige Skandalweltmeister Mike Tyson und der angehende US-Präsident Donald Trump Geschäftspartner gewesen. Doch die Verbindung zerbricht, weil der Sportler im Knast landet und der Casino-König vor dem Konkurs steht.

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Stuttgart - In Washington ist niemand für den Sport zuständig. Gäbe es in der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika jedoch auch ein „Department of Sports“, der unberechenbare „President-elect“ Donald Trump hätte sonst sein „Kabinett des Schreckens“ (Handelsblatt) um eine Grusel-Personalie bereichern können: Mike Tyson als „Secretary of Sports“. Hintergrund dieser satirischen Anmerkung: Trump und Tyson waren in den Achtzigerjahren Geschäftspartner.

Im Wahlkampf unterstützte der einstige Skandalboxer den Kandidaten der Republikaner. Der 50-jährige Afroamerikaner und konvertierte Muslim sagte der „Huffington Post“: „Ich mag Trump. Ich denke, Donald sollte Präsident der Vereinigten Staaten sein.“ Als Tyson 1992 wegen Vergewaltigung zu sechs Jahren Haft (drei auf Bewährung) verurteilt wurde, verteidigte ihn Trump, das Urteil sei „eine Farce“.

Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz drei Tage nach dem Urteil des Gerichts im Bundesstaat Indiana argumentierte der Mentor des „bösesten Mannes auf dem Planten“ (Tyson über Tyson), er sei zwar für harte Strafen. Doch in diesem speziellen Fall wäre „eine beträchtliche Entschädigung“ für das Opfer und Einrichtungen für missbrauchte und vergewaltigte Menschen in Indiana, finanziert durch Tysons Börsen, sinnvoller als Haft. So tickt Trump. Tyson war schließlich ein Million-Dollar-Fighter.

Atlantic City kommt groß raus

Wie am 27. Juni 1988. Donald J. Trump höchstpersönlich geleitet die geladenen Berühmtheiten auf die Ehrenplätze am Boxring. Madonna mit Ehemann Sean Penn und andere „Celebrities“ aus Hollywood. Unmittelbar vor dem ersten Gong lässt der „Let’s-get-ready-to-rumble“-Ansager Michael Buffer in einer „special introduction“ im Ring den eitlen Gastgeber im dunklen Anzug mit hellgelber Krawatte und den bereits von Parkinson gezeichneten Muhammad Ali im Jubel der Menge baden.

Die Herrschaften haben kaum Platz genommen, da ist auch alles schon vorbei. Der 21-jährige Mike Tyson hat im Kampf der unbesiegten Champions im Schwergewicht den zehn Jahre älteren Michael Spinks nach 91 Sekunden k.o. geschlagen. Tyson ist die Trump(f)-Karte des damals 42 Jahre alten Immobilientycoons aus New York im Va-banque-Spiel, die 200 Kilometer südlich gelegene Spielerstadt Atlantic City zum Las Vegas des Ostens zu machen. Mit dem vollmundigen Versprechen: „Make Atlantic City Great.“ Den Slogan sollte Donald Trump 28 Jahre später als Motto seines Wahlkampfes übernehmen: „Make America Great Again.“

Boxen bietet die attraktivste Werbung für die Tempel des Glückspiels in Las Vegas und besitzt eine magische Anziehungskraft auf die Zocker. Boxen boomt in der Wüste. Bald auch am Atlantik. Trump hat am Boardwalk, der Flaniermeile am Meer, ein kolossales, 39 Stockwerke hohes Hotel-Gebäude errichtet und nennt es „Trump Plaza Hotel and Casino“. Direkt durch einen Wandelgang angeschlossen ist das

22000 Zuschauer fassende Convention Center.

Wenn schon Boxen als weiteres Geschäftsmodell, dann beansprucht Trumps Gigantomanie, trotz eines Don King, auch den Titel „Herr der Ringe“. Der Supermann aus New York „trumpetet“: „Jeden Kampf, den ich haben will, werde ich auch bekommen.“ Der selbstherrliche Casino-Magnat aus AC überbietet die Boxhochburg in Las Vegas, den Caesars Palace, und erhält den Zuschlag für den zweiten Jahrhundertkampf in den USA nach Ali gegen Frazier. Trump zahlt dem skrupellosen Impresario Don King die Rekordsumme von elf Millionen Dollar für die Veranstaltungsrechte.

„Super Bowl of Boxing“ nennen die Zeitungen den Kampf Tyson-Spinks. Das Fachmagazin „The Ring“ preist Trump als den „wahrscheinlich mächtigsten Spieler im Boxgeschäft“. 1300 Medienvertreter sind akkreditiert. Auf deren postkartengroßen Plastik-Ausweisen sticht der Name Trump doppelt so groß ins Auge wie der Tysons. Neunmal, davon viermal in einem WM-Kampf, hat der jüngste Champion des Schwergewichts aller Zeiten zwischen 1985 und 1990 bei Trump seine Gegner zusammengeschlagen.

Der Veranstalter hat einen Montag für diesen „Blockbuster“ gewählt, um die Zocker über das Wochenende hinaus für vier Tage ins Casino zu locken. Der Polizei von New Jersey zahlt Trump mehr als 200 000 Dollar, damit sie die zum Wochenanfang gebuchte „Police Expo 88“ verschiebt. 21 785 Zuschauer bringen eine Einnahme von 12,3 Millionen Dollar. Eintrittspreise: 100 bis 1500 Dollar. Bei Kosten von 13 Millionen Dollar (elf für King, zwei Millionen für Organisation) bleibt ein kleines Minus. Dennoch triumphiert Trump: 11,5 Millionen Dollar bleiben allein am Kampftag auf den Spieltischen liegen.

„Trump hits the jackpot“, schreibt die Zeitung „USA Today“. Die Gesamteinnahmen von etwa 70 Millionen Dollar übertreffen den Rekord des Super Bowl 1987. Die Summe ist die bis dahin höchste Einnahme in der Geschichte des Sports bei einem Ein-Tages-Event. Tyson wurde um 22, Spinks um 13,5 Millionen Dollar reicher. Die Rekordzahlen befriedigen Trumps Ego. Er prahlt: „Ich liebe es, mit Erfolgsgeschichten verbunden zu sein. Ich habe die größte Arena der Welt für Boxkämpfe und gehe davon aus, das Boxen zu dominieren.“

Don King wird ausgebootet

Die Dominanz endet drei Jahre später mit dem „Battle of the Ages“, den Evander Holyfield, 28 Jahre alt und inzwischen der Champion, gegen den bereits 42-jährigen George Foreman am 20. April 1991 nach Punkten gewinnt. Die Zeiten haben sich verschlechtert. Tyson verlor in Tokio gegen James Douglas sensationell durch K.o. Donald Trump steckt in existenzbedrohenden Schwierigkeiten. Zwar hat er den skrupellosen Ausbeuter Don King ausgebootet und damit den Preis auf sechs Millionen Dollar gedrückt. Doch der Boxveranstalter, der mittlerweile drei Hotel-Casinos in Atlantic City seinen Namen gibt, Trump Plaza, Trump Castle und Trump Taj Mahal, hat sich übernommen. „Die Trump Organization wird in naher Zukunft insolvent sein, wenn sie es nicht bereits ist“, heißt bei der für die Lizenzvergabe zuständigen Casino Control Commission. Banken müssen Trumps Kette retten.

Derweil versucht King, erstmals seit 13 Jahren nicht mit von der Partie, Trumps zweiten „Showdown“ zu torpedieren. Dazu passt die Schadensersatzklage eines Chefangestellten, den seine Ex-Frau Ivana als Managerin des Trump Castle gefeuert hatte – aus Altersgründen. In einer außergerichtlichen Einigung entschädigt Trump den 57-Jährigen großzügig, um in der Woche vor dem Kampf nicht vor Gericht erscheinen zu müssen. Die eingeforderten Dokumente über seine Finanzlage werden somit nicht öffentlich. „The Battles of Donald Trump“ schreibt „The Press“ auf der Titelseite. Drei Tage vor dem „Battle of the Ages“. Dennoch erscheint Donald Trump gut gelaunt zur obligatorischen Pressekonferenz. Flankiert von Holyfield und Foreman.

„The Battle of the Ages“ war die letzte Boxveranstaltungen des Trump Plaza und der Anfang vom Ende des Trump-Imperiums in Atlantic City. Allen Pleiten zum Trotz hatte Trump einen letzten Coup geplant. Tyson sollte im November 1991 gegen Holyfield wieder Weltmeister werden, brach sich aber im Training eine Rippe. Verschiebung ins Frühjahr 1992. Doch im Februar wurde der Haudrauf wegen Vergewaltigung verurteilt. Im März beantragte der Casino-König Insolvenz. Tyson im Knast, Trump vor dem Konkurs – das Ende der seltsamen Boxgeschichte des künftigen US-Präsidenten.

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