Boylesque in Stuttgart Das Bananenröckle ist nicht verrutscht

Von Uwe Bogen 

Stuttgart gilt als Hochburg des Burlesque-Tanzes. Jetzt sind auch mal die Männer beim kunstvollen Entkleiden dran. Bis Sonntag wird im Friedrichsbau Varieté bei der Boylesque-Show etwa der legendäre Bananentanz von Josephine Baker mit viel Spaß neu interpretiert.

Persiflage von Brian Scott Bagley auf den Bananentanz von Josephine Baker. Foto: Andreas Durm
Persiflage von Brian Scott Bagley auf den Bananentanz von Josephine Baker. Foto: Andreas Durm

Stuttgart - Männer, die nicht ahnen, wo sich ihre künftigen Bräute gerade als Junggesellinen verabschieden, können sich beruhigt zurücklehnen – das Friedrichsbau Varieté wird’s stilvoll richten. Bis Sonntag locken hoch auf dem Pragsattel strippende Tänzer scheidende Junggesellinen mit samt ihren Freundinnen ebenso wie Fans des kunstvollen Entkleidens jeglicher sexuellen Orientierung. Boylesque – so nennt sich der Spaß, mit dem die Herren der Schöpfung gleichberechtigt nachziehen und dem Trend des Burlesque-Tanzes folgen wollen.

Puuh, da fließt der Schweiß! Mascha Hülsewig, die als Sprecherin des Friedrichsbaus schon viel gesehen hat, musste am Mittwochabend bei der Premiere des viertägigen Gastspiels rasch nach draußen, um sich abzukühlen. „Im Vergleich zur Boylesque-Show ist die Außentemperatur angenehm erfrischend“, sagte sie.

Die Geheimnisse werden nicht preisgegeben

Nach Burlesque kommt Boylesque. Der Name Burlesque stammt vom italienischen Wort burla ab, das übersetzt „Schabernack“ bedeutet. Auch die Männer, die sich dem Erfolg der Frauen anschließen wollen, treiben manchen Schabernack – machen sich aber nie ganz nackt, wie dies bei den Kolleginnen üblich ist. Der erotische Animiertanz, der auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgeht, gilt als Kunstform, nicht als Striptease. In Stuttgart hat sich eine rege Burlesque-Szene etabliert mit allem, was dazugehört. Es gibt Partys, Workshops und wunderbare Performer wie etwa Raunchy Rita und Fanny Di Favola, die national und international mit ihren Showacts auftreten.

Diese beiden Ladys entkleiden sich kunstvoll l und mit Humor, ganz in burlesquer Art, jedoch lassen sie nie alle Hüllen fallen. Der Weg ist das Ziel, und die Geheimnisse werden nicht alle preisgegeben, um der Fantasie freien Lauf zu lassen.

Mit dabei ist Robert Beitsch aus „Let’s Dance“

Dass auch Männer auf diese Weise die Hüllen fallen lassen, hat Seltenheitswert. Die Di­vi­ne Teasers Boy­les­que Show aus Köln gastierte bereits im vergangenen Jahr an zwei Tagen im Friedrichsbau. Jetzt treten die Herren mit weiblichen Musikerinnen bis Sonntag insgesamt viermal an diesem glitzernden Ort auf (am Freitag haben sie Ruhetag, weil da die CSD-Gala im Varieté die Feiertage der Schwulen und Lesben einläutet). Die neue Boysleque-Show ist noch bunter und glamouröser als vor einem Jahr. Gute Songs der 1920er und 1950er, elegantes und keineswegs schlüpfriges Auftreten der Herren, Erotik und viel Nostalgie – das macht das Programm aus, bei dem ein bekanntes TV-Gesicht mitwirkt: Robert Beitsch, der bei „Let’s Dance“ von RTL mit Sängerin Sarah Lombardi den zweiten Platz belegte, zieht mit und sich als Matrose aus.

Ein Höhepunkt der Revue ist die Persiflage auf Josephine Bakers Banana-Dance des Tänzers Brian Scott Bagley. Mehrfach, erzählte der frühere Bundespräsident Theodor Heuss, habe er in den 1950ern die US-Tänzerin im Friedrichsbau (natürlich im ersten, 1898 eröffneten Stuttgarter Varieté) gesehen und stets erleichtert sein können. Denn – dieses schöne Zitat ist von ihm überliefert – „das Bananenröckle ist nicht verrutscht“. Auch sechs Jahrzehnte später verrutscht noch immer nix. Die Bananen um Brians Hüften gehorchen dem Tänzer.

Karten gibt es unter 0711/ 2 25 70 70 oder an der Kasse des Friedrichsbau Varietés. Weitere Auftritte sind am kommenden Samstag, 20 Uhr, und am Sonntag, 18 Uhr.