Brand in Asylunterkunft in Weissach im Tal Geplante Asylunterkunft brennt aus

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Nach dem Feuer in einer geplanten Asylbewerberunterkunft in Weissach im Tal wird über die Brandursache spekuliert. Manche befürchten einen Anschlag. Und: Das Haus ist nicht zum ersten Mal angegriffen worden.

Die Feuerwehr löscht die Flammen. Doch das Haus  ist so stark zerstört, dass es abgerissen werden muss. Foto: dpa 6 Bilder
Die Feuerwehr löscht die Flammen. Doch das Haus ist so stark zerstört, dass es abgerissen werden muss. Foto: dpa

Weissach im Tal - Gegen fünf Uhr morgens geht am Montag der Alarm bei den Feuerwehren des Weissacher Tals ein: Ein Haus an der Welzheimer Straße in Unterweissach steht in Flammen. 40 Mann rücken mit zehn Fahrzeugen aus, können aber nicht verhindern, dass das alte Gebäude vollständig ausbrennt. Die Gemeinde schätzt den Sachschaden auf 70 000 Euro, verletzt wurde niemand. Das als Flüchtlingsheim vorgesehene Haus ist einsturzgefährdet und muss abgerissen werden.

Auch fünf Stunden nach dem Einsatzbeginn steigt von den Brandresten Rauch auf. Er zieht über den Supermarkt-Parkplatz nebenan, wo sich Schaulustige versammeln, Handyfotos machen und Interviews geben. Der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Richard Sigel, sieht sich den Brand an; der Bürgermeister Ian Schölzel bricht noch am Morgen seinen Urlaub auf Sylt ab. Das Interesse der Medien an dem Feuer ist enorm: Vor einigen Wochen hatte der Gemeinderat beschlossen, das leer stehende Haus zur Anschlussunterbringung von 20 Asylbewerbern herzurichten. In zwei Wochen hätten die Arbeiten beginnen sollen. Daraus wird nun nichts mehr.

Der Staatsschutz ist vor Ort

Die Feuerwehrleute sind seit Stunden im Einsatz. Mit der Presse sprechen sie nicht: Sie verweisen auf Klaus Hinderer, den Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Dieser hat im Polizeiposten von Unterweissach alle Hände voll zu tun. Ständig klingelt sein Handy. „Das muss ich entschieden dementieren“, sagt er in den Apparat. „Es ist kein Benzin gefunden worden, wir haben keinen konkreten Hinweis auf Brandstiftung.“ Er erklärt, Ölgeruch am Brandort habe Spekulationen über die Ursache geschürt. „Dabei stammte er wohl von der Ölheizung.“ Während Hinderer das sagt, bahnen sich Beamte in schwarzen Jacken einen Weg durch die Absperrung: Der Staatsschutz ist da. Hinderer betont, beim Brand von „so einem Gebäude“ sei es Routine, ihn einzubeziehen. Auch ein technischer Defekt könne die Brandursache sein.

Auf dem Parkplatz neben dem abgebrannten Haus haben viele eine andere Meinung. Einen „komischen Zufall“, nennt eine Joggerin den Brand, denn vor zehn Jahren hatte es auf dasselbe Gebäude einen Brandanschlag gegeben. Auch Bernd Hecktor glaubt nicht an einen Kurzschluss oder eine andere Brandursache. Er sitzt für die Liste Weissacher Bürger im Gemeinderat, ist einer der Stellvertreter des Bürgermeisters und meint: „Die Stimmung im Ort ist so aufgeheizt, dass eine Brandstiftung sehr wahrscheinlich ist.“ Vor zwei Wochen hatte es im Ort eine hoch emotionale Infoveranstaltung zu einer weiteren geplanten Unterkunft gegeben – dort hatte ein Bürger die Befürchtung geäußert, das Gebäude könne brennen, bevor es bezugsfertig sei. „Beim Brandanschlag vor zehn Jahren hat die Gemeinde gesagt, wir könnten die Asylbewerber nicht schützen, schickt sie woanders hin“, sagt Hecktor. Das sei ein Fehler gewesen, den man nicht wiederholen dürfe.

Rechsextreme Umtriebe im Ort

Der Ordnungsamtsleiter von Weissach im Tal, Rudolf Scharer, betont, für die nächsten Zuweisungen von Flüchtlingen seien noch Plätze vorhanden. „Mittelfristig müssen wir uns Gedanken machen, wie wir die 20 Plätze aus dem abgebrannten Haus ersetzen“, sagt er. Gedanken zur Brandursache seien bislang „reine Spekulation“.

An der Absperrung der Feuerwehr steht ein junger Mann mit seiner Mutter und einem Hund: Ganz sicher sei das Brandstiftung gewesen, sagt er. „Ist auch kein Wunder, bei dem, was die uns in Deutschland zumuten“, sagt er und behauptet, Flüchtlinge dürften umsonst mit dem Bus fahren und stehlen, ohne bestraft zu werden. „Da wundert es mich nicht, dass jemandem mal der Kragen platzt.“ Dass solche Äußerungen überhandnehmen, befürchtet eine Angehörige des „Arbeitskreises Integration“ der Gemeinde. Sie hat jüngst im Ort Aufkleber der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ entdeckt. „Wenn die zweite geplante Unterkunft in der Druckerei nicht geschützt wird, geht die auch noch in Flammen auf“, sagt sie.