Nach dem Brand in der Mühlgasse in Böblingen-Dagersheim versucht sich die betroffene Familie wieder zu sammeln. Körperlich geht es ihnen gut, doch der Schock sitzt tief.
Die Familie, die dort lebt, musste ihr Heim verlassen und ist bei Freunden untergekommen. „Das ist wirklich eine Katastrophe“, sagt Petra Kilz. Sie ist zusammen mit ihrem Partner am Dienstagvormittag zum Brandort zurückgekehrt, weil sie die Absperrung verstärken wollen. Kinder hätten vor der Brandruine gespielt, es sei aber viel zu gefährlich, sich dort aufzuhalten.
Die Feuerwehr war am Donnerstag mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Foto: SDMG
Vor dem Brand: Familie bereitet Geburtstagsfeier in Dagersheim vor
Sie waren zu viert im Haus, als das Feuer ausbrach: Kilz, ihr Partner, der 21-jährige Sohn und das Patenkind von Kilz. Der ältere Sohn war bei der Arbeit. Sie hätten gerade die Geburtstagsfeier für den 21-jährigen Sohn vorbereitet, berichtet Kilz’ Partner. Der 58-Jährige möchte seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen.
Doch aus der geplanten Geburtstagsfeier wurde nichts. Als Petra Kilz gegen 14.40 Uhr in die Garage ging, um etwas zu holen, habe sie im Innern Rauch gesehen. Daraufhin muss alles sehr schnell gegangen sein. Der Sohn habe die Feuerwehr alarmiert, während Kilz und ihr Partner versucht hätten, das Feuer zu löschen. Kurz hätten sie gedacht, das Feuer sei aus, doch es flammte wieder auf, berichten die beiden.
In Sekundenschnelle habe sich das Feuer die Wand hoch ausgebreitet, sagt der 58-Jährige. „Ich hab gesagt: Alle raus!“ Den Käfer, der in der Garage stand, habe er noch ins Freie geschoben und so gerettet. Motorräder, die ebenfalls in der Garage abgestellt waren, sind hingegen komplett verkohlt.
Brand in Dagersheim: Erinnerungsstücke sind unwiederbringlich verloren
Bis auf Kilz’ Partner, der sich leicht verletzt hat, blieben alle anderen zumindest körperlich unversehrt. Doch der Schock sitzt tief. Das Paar gibt sich tapfer, aber ihnen ist anzumerken, wie fassungslos sie der Brand zurücklässt. Ihr Zuhause ist nicht mehr bewohnbar, Erbstücke der Eltern und Großeltern zerstört, Bilder und Basteleien der Kinder dem Brand zum Opfer gefallen. „Ein Motorrad kann man wieder kaufen, aber die mit den Kindern gebastelten Sachen, die Schulhefte, die Erbstücke nicht“, sagt Kilz traurig. Außerdem entflog in den Wirren ein Wellensittich des Paars. Er ist gelb und unter den Flügeln blau, beschreibt ihn Kilz. Vielleicht habe ihn jemand gesehen und könne Hinweise geben.
So hart die Situation für das Paar sein muss, mit Klagen halten sie sich zurück. Stattdessen zeigen sie sich dankbar über die Hilfe, die sie erfahren haben und das schnelle Eingreifen der Einsatzkräfte. „Die Unterstützung ist immens“, sagt Kilz’ Partner. Die Schwippeangler, die an Gründonnerstag in der Nähe ihre Fische räucherten, hätten Getränke vorbeigebracht, Nachbarn hätten Hilfe angeboten und Ortsvorsteher Hendrik Queck sei „immer da gewesen“.
Unterkunft nach Brand vorerst wohl gesichert
Er schaut auch am Dienstagvormittag vorbei und spricht mit dem Paar. „Das ist uns allen sehr nah gegangen“, sagt er. Als Ortsvorsteher sei es unter anderem sein Job gewesen, zu schauen, ob die Familie eine Unterkunft, Klamotten und – falls nötig – Zugriff auf Medikamente hat.
Kilz’ Schwester hat auf der Onlineplattform „gofundme“ eine Spendenaktion gestartet, bei der bereits rund 22 000 Euro zusammengekommen sind. Aus ihrer Schulgemeinschaft – der Böblinger Waldorfschule – hätten sie ebenfalls große Unterstützung erfahren und das Angebot, für eine Weile ein Haus in Breitenstein zu beziehen. „Das hat einen großen Garten, dort könnte ich ein großes Dankeschönfest für die Einsatzkräfte und Helfer machen“, überlegt Kilz’ Partner bereits, wie er sich für die Hilfe erkenntlich zeigen könnte.
Dagersheim: Brandursache noch unklar
Wie es mit dem Haus in der Mühlgasse weitergeht, ist derzeit noch unklar. Die Garage muss wohl abgerissen werden. Beim Haus rechnet der 58-Jährige mit einer Wartezeit von mehreren Monaten, bis sich der Gutachter der Versicherung – „zum Glück sind wir gut versichert“ – einen Überblick verschafft hat und klar ist, wie groß der Schaden im Inneren ist. Als sie vor 13 Jahren dort einzogen, habe er das alte Fachwerkhaus saniert, das Dach neu gemacht und alles auf Vordermann gebracht, sagt der 58-Jährige. „Ich würde das Haus gerne retten. Ich habe da viel Herzblut reingesteckt.“
Die Ursache für das Feuer ist laut Polizei auch am Dienstag noch unklar. Die Ermittlungen dauern laut einer Sprecherin an. Weit mehr als 100 Einsatzkräfte waren vor Ort, um das Feuer zu löschen. Insgesamt dauerte der Einsatz rund 30 Stunden. Die Polizei schätzt den Schaden auf mehr als eine Million Euro.