Brand in Markgröningen Bewohner soll tödliches Feuer gelegt haben

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Drei Menschen sterben, weil eine Sozialunterkunft in der Altstadt brennt. Im Zuge der Ermittlungen stellt sich heraus: ein Bewohner der Unterkunft hat wohl den Brand gelegt.

Mitten in der Nacht brach in einer Sozialunterkunft in Markgröningen ein tödliches Feuer aus. Foto: dpa 13 Bilder
Mitten in der Nacht brach in einer Sozialunterkunft in Markgröningen ein tödliches Feuer aus. Foto: dpa

Markgröningen - Von außen ist kaum etwas zu sehen von dem verheerenden Feuer, das eine Sozialunterkunft nahe des Marktplatzes in Markgröningen in der Nacht auf Montag verwüstet und bisher drei Menschen das Leben gekostet hat. Der Geruch von kalter Asche weht durch die ­engen Gassen rund um das Haus. Die Fenster sind gesplittert, selbst die dicken Glasfliesen im Treppenhaus sind nach außen zersprungen. Ein Fenster im zweiten Stock ist noch unversehrt – von innen zeichnen sich Handabdrücke auf dem Glas ab. Die Spurensicherung der Kriminalpolizei hat die Zugänge zum Haus abgesperrt. Drei Tote, eine lebensgefährlich verletzte Person, eine schwer verletzte Person sowie ein Sachschaden von rund 100 000 Euro ist die vorläufige Bilanz des verheerenden Feuers, das in der Nacht auf Montag wohl in der Küche der Sozialunterkunft ausgebrochen war.

Eine Frau rief „Hilfe, Feuer!“

Nach ersten Ermittlungen der Polizei hieß es am späten Montagnachmittag: Ein 66-jähriger Bewohner der Unterkunft soll den Brand gelegt haben. Er ist laut Polizei einschlägig vorbestraft und räumte in seiner Vernehmung ein, das Feuer gelegt zu haben. Die Hintergründe der Tat seien vermutlich in der emotionalen Gemütslage des Mannes zu suchen. Anhaltspunkte für ein fremdenfeindliches Motiv bestünden nicht. Wegen des Verdachts der Brandstiftung mit Todesfolge beantragte die Staatsanwaltschaft Stuttgart einen Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen. Der Haftrichter wies den 66-Jährigen in eine Justizvollzugsanstalt ein. Die vermeintliche Brandstiftung wäre vermutlich noch schlimmer ausgegangen, wenn nicht Nachbarn schnell reagiert hätten, bevor die Feuerwehr eintraf. Ilona Maulick (54) schlief in einem Zimmer des angrenzenden Hotels „Zum treuen Bartel“, als ihre Mutter sie weckte. Maulick ist die Schwester des Hotel-Inhabers. „Nebenan hat eine Frau ‚Hilfe, Feuer!’ gerufen“, erinnert sie sich.

Als sie zum Fenster hinausblickte, sah sie starke Rauchschwaden aus den Fenstern treten. Um 2:11 Uhr alarmierte sie die Feuerwehr. Ihr Bruder und ein Mitbewohner retteten derweil mit einer Leiter eine Frau und ihr zehnjähriges Kind aus dem brennenden Haus. „Ich habe dann mit einem Feuerlöscher die Stichflammen bekämpft, die aus dem Erdgeschoss kamen“, sagt Maulick. Mit Wasser aus dem Gartenschlauch habe ihr Bruder verhindert, dass die Flammen auf das Hotel übergriffen. Maulick ist sich sicher: „Wenn wir erst ein paar Minuten später reagiert hätten, gäbe es uns jetzt vielleicht auch nicht mehr.“

Viele alte Fachwerkhäuser prägen den Marktplatz

„Das ist ein Unglück, das man sich nicht wünscht“, sagt der Bürgermeister Rudolf Kürner. Er lobt den Einsatz der Anwohner sowie der Feuerwehr: „Die haben eine klasse Arbeit geleistet.“ Ein Übergreifen des Feuers auf andere Gebäude in der eng bebauten Altstadt sei seine „allergrößte Angst“ gewesen. Vor allem der Marktplatz in Markgröningen ist geprägt von vielen alten Fachwerkhäusern.

Die Obdachlosenunterkunft jedoch wurde erst im Jahr 1990 erbaut – damals noch als Anbau für das Hotel. Später ging es in den Besitz der Stadt über, die das Haus fortan als Obdachlosenunterkunft nutzte. Anwohner berichten davon, dass es schon mehrfach kleine Brände in dem Haus gegeben habe. Kürner betont jedoch, dass das Haus vorschriftsmäßig mit Rauchmeldern ausgestattet war.

Der Einsatzleiter und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von Markgröningen, Hans-Hermann Kefer, schildert Szenen vom Unglücksort: „In den Räumen gibt es Betonabplatzungen bis auf die Armierungseisen.“ Das Haus sei komplett mit Rauch gefüllt gewesen. Kefer geht davon aus, dass die beiden Opfer an einer Rauchvergiftung gestorben sind. Den Brandherd vermutet er in der Küche: „Dort befanden sich die größten Brände.“ Kefer schätzt, dass es im Haus zwischenzeitlich zwischen 800 und 1000 Grad heiß war. Nun müsse das dreistöckige Gebäude komplett saniert werden.

Acht Obdachlose und zwei Asylbewerber lebten in der Unterkunft

In der Sozialunterkunft lebten nach Angaben der Stadt acht Obdachlose sowie zwei Asylbewerber. In der Nacht des Brands waren nach Angaben der Polizei neun Personen im Gebäude, darunter ein 56 Jahre alter Mann, der dort nur zu Besuch war. Weitere Hintergründe zu dem Mann sind der Polizei bislang nicht bekannt. Dieser Mann sowie eine 54 Jahre alte Frau kamen bei dem Brand ums Leben, zwei weitere Bewohner im Alter von 45 und 60 Jahren mussten laut Polizei von Rettungskräften wiederbelebt werden. Sie wurden mit einer lebensgefährlichen Rauchvergiftung in einer Druckkammer eines Krankenhauses gebracht. Im Laufe des Montagnachmittags verstarb der 60-Jährige. Eine weitere Person liegt schwer verletzt ebenfalls im Krankenhaus.

Die übrigen Bewohner wurden von der Stadt in ein Hotel gebracht. Später sollen sie in andere städtische Wohnungen kommen. Das ausgebrannte Haus will die Stadt nicht aufgeben: „Ich denke, es ist nicht so schwer beschädigt, dass es gar nicht mehr nutzbar ist“, sagt Rudolf Kürner.