Das schnelle Eingreifen von Bernd Reutter hat einen Millionenschaden an einer Kita in Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) verhindert. Auch zwei Kinder waren an der Aktion beteiligt.
Als Bernd Reutter am frühen Abend mit seinem Besuch im Garten saß, wurde ein geplanter Grillabend plötzlich zur Rettungsaktion: Zwei Kinder wiesen ihn und seinen Freund Simon Bäuerle auf eine dunkle Rauchwolke über dem nahegelegenen Kindergarten „Villa Sonnenschein“ in Sachsenheim hin. Bernd Reutter reagierte sofort, alarmierte die örtliche Feuerwehr – und griff dann auch gleich selbst zum Gartenschlauch.
Fünf Tage später steht Bernd Reutter mit Sachsenheims Bürgermeister Holger Albrich auf der Dachterrasse des evangelischen Kindergartens. „Wir wohnen ziemlich nah dran – das Feuer hätte auf uns übergreifen können“, sagt der 62-Jährige. Immer noch markiert ein rot-weißes Band die Stelle auf dem Anbau, auf dem der Brand ausbrach. „Der Sachverständige war schon da – der Kindergartenbetrieb ist seit Montag wieder normal angelaufen“, erklärt Holger Albrich. Der Bürgermeister ist extra gekommen, um Reutter zu danken.
Der Zufall wollte es, dass Bernd Reutter und Simon Bäuerle überhaupt den Brand bemerkten. Der geplante Grillabend der beiden Freunde sollte gerade beginnen, als um 18.30 Uhr zwei Kinder die Männer vor der Haustür fragten, ob der dunkle Rauch oberhalb der Dachterrasse normal sei.
Reutter, selbst lange Jahre als Vorarbeiter in der Industrie in der Verantwortung, nahm die Beobachtung ernst. Er versuchte, sich am Vordereingang der Kita Zutritt zu verschaffen – nachdem das misslungen war, sah er, dass die Rauchsäule dicker geworden war. „Kurz darauf konnte ich vom Fenster aus bei mir im ersten Stockwerk das offene Feuer erkennen.“
Natürlich alarmierte Reutter sofort die Feuerwehr. Aber er und Bäuerle blieben bis zu deren Ankunft nicht untätig. Schnell war ein Gartenschlauch zur Hand – Reutter drehte den Wasserhahn auf, Bäuerle kletterte über den Zaun der Kita, stieg die Treppen zur etwa vier bis fünf Meter hoch gelegenen Dachterrasse hinauf und hielt den Schlauch auf die Flammen.
Dieser relativ leichte Zugang zu der Terrasse könnte eine Brandstiftung erleichtert haben, sollte es eine gewesen sein. „Hier waren schon öfter mal Leute oben“, sagt Bernd Reutter. Die Gemeinde hatte den Kindergarten erst vor etwa eineinhalb Jahren für etwa zwei Millionen Euro saniert. Der Anbau war hinzugekommen.
Der Stadtverwaltung ist viel Aufwand erspart geblieben
Dank des Eingreifens der beiden Männer hält sich der Schaden an der Kita in Grenzen. Auch organisatorisch wäre nach einem großen Brand viel Arbeit auf die Stadt zugekommen. Die Verwaltung hätte 60 bis 80 Kinder des evangelischen Kindergartens an anderer Stelle unterbringen müssen. „Wir hätten jetzt im Sommer wahrscheinlich auf Spielplätze zurückgegriffen“, sagt Bürgermeister Holger Albrich. Der Kindergarten sei zwar in evangelischer Trägerschaft, der Stadt gehöre aber das Gebäude. Selbst bewirtschafte die Kommune sechs Kitas, zehn seien in fremder Trägerschaft.
Das Engagement von Bernd Reutter und Simon Bäuerle verdiene höchstes Lob, sagt Albrich, der Reutter einen 100-Euro-Gutschein und einen guten Tropfen städtischen Weins überreichte. Simon Bäuerle konnte urlaubsbedingt zum Termin nicht erscheinen. „Ihr Einsatz war mutig und vorbildlich“, sagte Albrich.
„Sie haben sofort reagiert, geholfen und sich dabei aber nicht selbst in Gefahr gebracht.“ Gerade in Zeiten, in denen vieles schlechtgeredet werde, müsse daran erinnert werden, dass das Meiste im Rettungswesen und in der Verwaltung funktioniere. Holger Albrich richtet seinen Dank auch an die Feuerwehrleute, die professionell agiert und das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht hätten.
Die Brandursache ist noch unklar
Bei dem Brand war ein Schaden von rund 30 000 Euro entstanden. Über die Ursache gebe es noch keine neuen Erkenntnisse, teilte Steffen Grabenstein, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, mit.