Brandanschlag in Korntal im Juni War der Baustoffhandel das Ziel einer politischen Tat?

Der Brand in Korntal ist weithin sichtbar gewesen. Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe.Foto: KS-Images/Andreas Rometsch Foto:  

Geschichten des Jahres Als im Juni ein Brandanschlag auf einen Baustoffhandel in Korntal verübt wird, wird viel über die Gründe spekuliert. Hat ein Israel-Hasser Spuren hinterlassen?

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Das Entsetzen ist groß, als die Nachricht von einem großen Brand in Korntal die Runde macht. Ende Juni 2025 ist bei dem Feuer in Korntal auf dem Gelände eines Baustoffhandels ein Schaden in Millionenhöhe entstanden, außerdem wurden Nazi-Symbole gesprüht. In englischer Sprache wurd Freiheit für Palästina gefordert. Rund hundert Feuerwehrleute waren im Einsatz, neben den Wehren aus Ditzingen, Hemmingen und Leonberg waren Feuerwehren aus Walheim, Steinheim und Remseck in Korntal gefordert: In Walheim ist die Drohnengruppe ansässig, die Steinheimer Wehr wurde für Schadstoffmessungen in der Luft herangezogen, Remseck für den Einsatz von Sonderlöschmittel.

 

Bilder aus einer Überwachungskamera wurden ausgewertet

Das Feuer zerstörte neben drei Lastzügen auch Silos sowie eine Halle. Das Herzstück des Unternehmens, die Verwaltung, blieb unbeschadet. Die Kriminalpolizei ermittelte, unter anderem wegen des Verdachts einer Brandstiftung. Die Abteilung Staatsschutz wurde eingeschaltet. Denn eine politisch motivierte Tat wurde nicht ausgeschlossen, und das wird sie unverändert nicht: Die Ermittlungen dauern laut der Polizei an.

Erkenntnisse erhofften sich die Ermittler bald schon aus den Bildern einer Überwachungskamera, sie veröffentlichten Fahndungsfotos. Diese zeigen einen vermummten Radfahrer. Die Polizei äußert sich bisher nicht weiter dazu. Wenige Tage nach dem Brand an dem vorletzten Juni-Wochenende hat die Polizei die Ermittlungsgruppe „EG Silo“ gegründet, die fortan unter der Leitung des Staatsschutzes arbeitete.

Eine politisch motivierte Tat schien durchaus denkbar: Der Seniorchef des Unternehmens hatte nach dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel, auf seinem Betriebsgelände weithin sichtbar mehrere Israel-Flaggen gehisst. Auch wenn in der Vergangenheit dort Flaggen anderer Nationen hingen, etwa dann, wenn sich Gäste aus fernen Ländern auf dem Gelände aufhielten, hat die israelische Flagge – im Kontext der Brüdergemeinde betrachtet – doch eine weitergehende Bedeutung.

„Als Evangelische Brüdergemeinde ist uns wichtig, die Verbundenheit zu Israel zu zeigen, denn der christliche Glaube ist ohne seine jüdischen Wurzeln nicht denkbar.“

Johannes Luithle, Pfarrer der Evangelischen Brüdergemeinde

Im Internet ist der Seniorchef für seine Haltung zu Israel angegangen worden. Ungeachtet dessen ist die Unternehmerfamilie in der Evangelischen Brüdergemeinde aktiv, die wiederum seit jeher eine besondere Verbindung zu Israel hat.„Die Verbindungen nach Israel bestehen heute ausschließlich auf persönlicher Ebene. Einzelne Mitglieder pflegen Kontakte zu Personen und Organisationen, die vor allem im sozialen Bereich tätig sind“, sagte der Pfarrer der pietistischen Gemeinde, Johannes Luithle. Doch „zur jüdischen Gemeinde hin existieren keine direkten institutionellen Verbindungen“. Das schließt einzelne Kontakte nicht aus. „Vereinzelt gibt es engere persönliche Beziehungen vor allem zu jüdischen Menschen, die an Jesus, den Messias glauben.“

Gleichwohl: Diese Verbindungen zu Israel prägen die Evangelische Brüdergemeinde seit jeher. Von außen betrachtet entsteht dadurch eine ebenso kulturelle wie auch spirituelle Vielfalt.

„Als Evangelische Brüdergemeinde ist uns wichtig, die Verbundenheit zu Israel zu zeigen, denn der christliche Glaube ist ohne seine jüdischen Wurzeln nicht denkbar“, sagt Luithle. „Wir haben eine gemeinsame Bibel, den Glauben an den einen Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, sowie ein gemeinsames kulturelles und spirituelles Erbe.“

Im Ort viele sichtbare Bezüge zu Israel

In Korntal stößt der Besucher immer wieder auf Verbindungen zu Israel. Ob im Saalgarten, ob in der Ortsmitte in der Nähe zum Rathaus, die Bezüge sind vielfältig. 1999 war Korntal-Münchingen die erste Kleinstadt in Deutschland, die einen eigenen Forst im sogenannten Wald deutscher Länder in Israel pflanzte. Im Jahr zuvor hatten die Evangelische Brüdergemeinde und die Stadt Korntal-Münchingen mehr als 100 000 Mark gesammelt, um 5000 Bäume zur Urbarmachung der israelischen Wüste zu spenden. Mit dem auch staatlich geförderten Projekt sollten Teile der Negev-Wüste durch die Anpflanzung verschiedener Baumsorten wieder bewohnbar gemacht werden. Um das Projekt zu finanzieren, sammelt der Jüdische Nationalfonds weltweit Geld in der ganzen Welt.

Johannes Rau machte den Anfang – im Jahr 2000 wurde ein Gedenkstein in Korntal aufgestellt

Der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, hatte 1991 den ersten Baum für den „Wald der deutschen Länder“ gepflanzt. In Korntals Saalgarten hinter dem Großen Betsaal der Brüdergemeinde wurde im Jahr 2000 ein Gedenkstein in Verbundenheit mit Israel aufgestellt. Dieser war aus Jerusalem-Stein gehauen und per Schiff nach Deutschland gebracht worden. Im „Korntal-Münchinger Wald“ bei Be’er Scheva, einer Großstadt im südlichen Israel, steht sein Pendant.

Weitere Themen