Brandkatastrophe von Backnang Alles spricht für eigenes Verschulden

Bei dem Feuer in einem Wohnhaus in Backnang kamen acht Menschen ums Leben. Foto: dpa 30 Bilder
Bei dem Feuer in einem Wohnhaus in Backnang kamen acht Menschen ums Leben. Foto: dpa

Es war der 10. März, als ein Alarm die Kameraden der Backnanger Feuerwehr aus dem Schlaf riss: Ein Wohnhaus in der Wilhelmstraße stand in Flammen. Trotz aller Bemühungen starben dabei acht Menschen. Jetzt haben die Ermittler ihren Bericht zur Brandursache vorgelegt.

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Backnang - Alle Befunde sprechen für einen unvorsichtigen Umgang mit offenem Feuer oder einem glimmenden Gegenstand“ – das ist das Fazit, das der Leitende Staatsanwalt Siegfried Mahler bei einer Pressekonferenz zur Brandkatastrophe von Backnang mitgeteilt hat. Bei dem Unglück waren am 10. März eine 40 Jahre alte türkischstämmige Frau und sieben ihrer zehn Kinder ums Leben gekommen. Die Mutter der 40-Jährigen, einer ihrer Söhne und einer ihrer Enkel hatten sich gerade noch aus der brennenden Wohnung retten können.

In drei Wochen akribischer Ermittlungsarbeit von Kriminaltechnikern der Polizeidirektion Waiblingen, Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) sowie der Züricher Kantons- und Stadtpolizei – letztere wurden laut Mahler hinzugezogen, um „doppelte Sicherheit zu bekommen“ – hätten sich keine Hinweise auf eine Brandstiftung oder einen fremdenfeindlichen Anschlag ergeben.

Verschlossene Eingangstüren

Auch Thomas Schöllhammer, der Leiter der Kriminalpolizei Waiblingen, betonte, eine Einwirkung von außen könne man definitiv ausschließen. Beide Eingangstüren seien verschlossen gewesen – das bestätigten die Aussagen eines Nachbarn, der versucht hatte, in die Wohnung zu gelangen und die Familie zu retten. „Es kann kein Molotowcocktail in die Wohnung geflogen sein“, sagte Schöllhammer. Speziell ausgebildete Hunde hätten ebenso wenig Rückstände brennbarer Flüssigkeiten wie Benzin oder Heizöl entdecken können, wie die deutschen und schweizerischen Brandspezialisten, die laut Ernst Rücker vom Landeskriminalamt so geringe Mengen wie ein Millionstel Liter nachweisen können.

Aufgrund der Analyse der Spuren sei inzwischen klar, dass das Feuer in einem als Gästezimmer genutzten Raum ausgebrochen sei, erklärte Rücker. Und zwar in der Ecke, in der eine Außenwand auf eine Trennwand zu dem benachbarten Kinderzimmer stößt. Dort stand ein Schlafsofa, an dem wohl ein Schwelbrand entstand, der dann in ein offenes Feuer überging. Im Bereich dieser Ecke habe es keine elektrischen Leitungen oder Geräte gegeben, betonte Rücker: „Elektrische Energie als Zündquelle ist auszuschließen.“

Der Bruder der getöteten 40-Jährigen, der in einem Nachbarzimmer schlief, hat die Zimmerecke als Ursprungsort des Feuers laut Schöllhammer bestätigt. Nach den Schilderungen dieses Zeugen waren die erwachsenen Familienmitglieder gegen drei Uhr morgens zu Bett gegangen. Etwa eine Stunde später sei der Mann durch laute Schreie seiner 62-jährigen Mutter wach geworden und ins Gästezimmer geeilt, wo er im Kopfbereich des Sofas das Feuer entdeckt habe. Auch die Haare der Frau seien teils versengt worden.

„Flashover“

„Das Feuer sah zunächst nicht so schlimm aus und er wollte es mit Wasser aus der Küche löschen“, so Schöllhammer. Das aber sei nicht gelungen, stattdessen hätten sich die Flammen trichterförmig ausgebreitet. Wenig später sei der Punkt erreicht gewesen, den Fachleute als „Flashover“ bezeichnen: „Innerhalb von ein, zwei Minuten springt das Feuer schlagartig auf die aufgeheizten Gegenstände des ganzen Raums über.“

Die teils mit Holz- und Kunststoffpaneelen verkleideten Decken brannten lichterloh, der 40-Jährigen, die mit zwei Kindern in einem anderen Zimmer war, wurde der Fluchtweg versperrt. Die vier Buben, die in einem weiteren Zimmer in ihren Betten lagen, seien wohl im Schlaf vom Rauchgas überrascht und ohnmächtig worden, sagte Schöllhammer.

Keine Spuren einer Zigarette oder Kerze

Als Brandauslöser kämen beispielsweise eine glimmende Zigarette oder auch eine Kerze in Betracht, erklärte Ernst Rücker. Da diese bei einem Feuer jedoch komplett zerstört würden, ließen sich keine Spuren nachweisen. Kerzen seien in der Familie laut den Aussagen von Zeugen wohl selten verwendet worden. „Wir wissen nicht, was den Brand ausgelöst hat, aber wir wissen, dass in der Wohnung geraucht wurde – auch dort, wo der Brand ausgebrochen ist“, so formulierte es Schöllhammer. Die 62-jährige Großmutter sei unmittelbar nach dem Unglück „schonend“ vernommen worden. „Vor zwei Tagen wollten wir dies intensivieren, aber sie ist nicht vernehmungsfähig und hat ein Attest vorgelegt.“ Die Frau habe beteuert, sie habe ausschließlich in der Küche geraucht.

Was die Vorwürfe gegen den Vermieter bezüglich des Zustands der Wohnung betrifft, so haben die Ermittlungen ergeben, dass nicht alle elektrischen Leitungen den DIN-Normen entsprachen. Laut Schöllhammer hatte der Mann vor der Vermietung Bedenken geäußert, worauf der Lebensgefährte der 40-Jährigen sich als Renovierer angeboten habe. Er habe von dem Vermieter 600 Euro und eine Karte für den Kauf von Material im Baumarkt erhalten.

Laut dem Oberstaatsanwalt Mahler läuft das Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt weiter. Da es mehrere mögliche Verursacher des Brandes gebe, könne man das Verfahren nicht auf eine Person eingrenzen. Gestraft ist die Familie angesichts eines so gravierendenden Schicksalsschlages mit acht toten Angehörigen.




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