Auf dem Weg zum XXXLutz oder zum Marktkauf auf der Hulb fällt die Brandruine ins Auge. Foto: Stefanie Schlecht
Im Jahr 2017 brannte auf der Hulb in Böblingen ein verlassener Möbelmarkt. Der Kommandant der Böblinger Feuerwehr erinnert sich. Was passiert mit dem Schandfleck?
Gespenstisch flattern zerfledderte Netzstoffbahnen an der zerklüfteten Fassade der Brandruine an der Ecke Heinkelstraße/Otto-Lilienthal-Straße in Böblingen im Wind. Andere Segmente sind mit Holzplatten verrammelt. Bauzäune geben den Blick frei auf alte Werbeversprechen: „Alles zum Mitnehmen“ steht da, oder „100 Prozent Tiefpreis-Garantie“. Daneben haben sich Sprayer mit Graffiti-Tags und Hakenkreuzen verewigt.
Auf der Böblinger Hulb dominiert schon seit fast zehn Jahren die Ruine eines ehemaligen Möbelmarkts das Stadtbild. Ein Schandfleck, der schon fast zu einem Lost Place geworden ist. Wie das Unternehmen XXXLutz, dem das Gebäude gehört, nun mitgeteilt hat, soll dort perspektivisch wieder ein Möbelmarkt eröffnet werden.
Große Teile der Fassade fehlen seit dem Brandtag. Foto: Stefanie Schlecht
Großbrand in Böblingen lässt Gebäude zur Ruine werden
Eingekauft hat dort allerdings schon sehr lange niemand mehr. Der ehemalige Möbel-Discounter Spar-Kauf, der sich im sogenannten Unger-Gebäude angesiedelt hatte, hatte bereits Ende Mai 2016 die Türen geschlossen. Seitdem dominierten dort Spinnweben statt Sperrholzmöbeln, Staub statt Stehlampen und Dunkelheit statt Doppelbetten. Und dann folgte der Großbrand, der das Gebäude endgültig zur Ruine werden ließ.
Mittagszeit im Sommer 2017 auf der Hulb. Es ist 12.30 Uhr am Donnerstag, 1. Juni, als die Feuerwehr Böblingen eine Meldung erreicht. Eine Brandmeldeanlage auf der Hulb hat ausgelöst. Gemeinsam fahren die Feuerwehren Böblingen und Sindelfingen – zunächst mit ihren hauptamtlichen Kräften – zum Einsatzort. Der Kommandant der Böblinger Feuerwehr, Thomas Frech, erinnert sich auch noch heute gut an den Einsatz. „Wir haben relativ schnell gesehen, das wird was Größeres“, sagt er.
Großbrand in Böblingen: Feuerwehr fordert Unterstützung an
Beim Eintreffen bemerken die Feuerwehrleute, dass brauner Rauch aus einer Öffnung in der Seite des Gebäudes quillt. „Für die Feuerwehr ist die Rauchfarbe ein wichtiges Indiz, was da brennt“, erklärt Frech. Möbel befinden sich damals keine mehr in dem Gebäude, was die Situation entschärft – denn dadurch gibt es weniger brennbare Hindernisse für die Einsatzkräfte. „Es waren nur noch Gitterrollwagen in den Etagen“, sagt Frech. Frech, der den Einsatz damals leitet, alarmiert dennoch auch die ehrenamtlichen Abteilungen in Böblingen und Dagersheim und er fordert Unterstützung aus dem restlichen Landkreis an.
Währenddessen gehen Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten von außen und innen gegen das Feuer vor. Von einer Fremdfirma besorgt die Feuerwehr ein Spezialfahrzeug. Großflächig wird damit die Fassade aufgerissen, um die Flammen besser erreichen zu können. „Das war ein Glück. Hätten wir das mit unseren Werkzeugen machen müssen, hätte das deutlich länger gedauert“, erinnert sich Frech.
Feuerwehr kämpft in riesigem Möbelmarkt gegen Flammen
Besonders die Dimension des ehemaligen Möbelmarkts sei ungewöhnlich an diesem Einsatz gewesen, erinnert sich der Feuerwehr-Kommandant. „Da hatte jede Etage weit über 1000 Quadratmeter.“ Teilweise seien die Etagen komplett verraucht gewesen, sodass es schwierig gewesen sei, die Brandherde ausfindig zu machen. Frech erinnert sich, dass die Feuerwehrleute dort, wo früher einmal Büromöbel verkauft wurden, mit Wärmebildkameras und Atemschutzausrüstung durch die Etagen nach den Flammen suchen mussten.
Ausgelöst worden war der Brand im Juni 2017 durch Schweißarbeiten auf dem Vordach des verlassenen Geschäfts. „Bei Schweißarbeiten kommt es durch den Funkenflug leicht zu Glutnestern“, sagt Frech. „Die wandern dann von außen nach innen, kriechen von Etage zu Etage oder die Dehnfugen entlang.“
„Deutlich schneller als erwartet“: Feuerwehr löscht Großbrand
Rund 200 Feuerwehrleute und weitere Einsatzkräfte von THW, Polizei, DRK und wegen eines Trafos im Untergeschoss auch von der EnBW sind damals im Einsatz. „Deutlich schneller als erwartet“ bringt die Feuerwehr das Feuer unter Kontrolle, gute sechs Stunden nach der ersten Alarmmeldung ist es gelöscht. Es bleibt noch eine Brandwache vor Ort, diese muss aber nicht mehr aktiv werden.
Seit dem Brand vor beinahe neun Jahren verfällt der ehemalige Möbel-Discounter zusehends. Die Pläne des XXXLutz-Konzerns, das Gebäude abzureißen und durch einen Mömax zu ersetzen, seien nach wie vor aktuell, sagt ein Sprecher des Unternehmens auf Nachfrage. Einen offizielle Zeitplan gebe es aber nicht. Bereits um die Zeit des Feuers herum hatten dem Vernehmen nach Pläne für einen Neubau kursiert: So sei einmal eine Brücke vom XXXLutz Gamerdinger zu dem geplanten Mömax angedacht gewesen. „Ich hätte gedacht, da passiert schneller was“, kommentiert Thomas Frech den augenscheinlichen Stillstand. „Als Böblinger finde ich es bedauerlich.“