Brandschutz in Fellbach „Ein paar Atemzüge reichen zum Sterben“

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Rauchgase sind bei einem Feuer in der Wohnung fast noch gefährlicher als die Flammen selbst. Der Fellbacher Kommandant Christian Köder klärt übers richtige Verhalten im Brandfall auf.

Mitten in Fellbach  findet am 12. Mai  ein Tag der Feuerwehr statt. Foto: Feuerwehr/Alexander Ernst
Mitten in Fellbach findet am 12. Mai ein Tag der Feuerwehr statt. Foto: Feuerwehr/Alexander Ernst

Fellbach - Trotz gut ausgebildeter und technisch hervorragend ausgerüsteter Feuerwehren kommen bundesweit jedes Jahr etwa 600 Menschen bei Bränden ums Leben. Dabei wären die meisten der mehr als 200 000 Einsätze durch ein wenig mehr Sorgfalt im Umgang mit offenem Feuer überflüssig. Doch die brennende Kerze auf dem Adventskranz, die auf dem Sofakissen liegende Zigarettenglut und die auf dem Herd vergessene Hackfleischsoße lösen immer noch verheerende Brände aus – ebenso wie durchschmorende Küchenmaschinen oder nicht von fachmännischer Hand verlegte Elektrokabel. Brandexperten wie Fellbachs Feuerwehrkommandant Christian Köder beklagen, dass in der Bevölkerung große Unwissenheit übers richtige Verhalten im Brandfall herrscht. Zum „Tag der Feuerwehr“ am Sonntag, 12. Mai, gibt er Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Feuerwehrkommandant Christian Köder Foto: Alexander Ernst
Was tun, wenn’s brennt, Herr Köder? Aus Sicht der Feuerwehr ist entscheidend, dass Menschen auch im Brandfall die Ruhe bewahren. Wer in Panik gerät, kann auch nicht mehr überlegt handeln. Eigene Löschversuche sollten nur gestartet werden, wenn ein Feuer erst entsteht und noch im Keim erstickt werden kann – und wenn man sich nicht selbst in Gefahr bringt. Allerdings können Normalbürger aus Sicht von Brandexperten oft nur schwer einschätzen, wie gefährlich ein Feuer tatsächlich ist. „Wer untaugliche Löschversuche unternimmt, vergeudet wertvolle Zeit oder facht das Feuer gar zusätzlich an“, sagt Christian Köder.

Was tun, wenn Löschversuche scheitern? Die wichtigsten Schritte sind, Angehörige oder Mitbewohner vor den Flammen zu warnen, Türen und Fenster zum Brandraum zu schließen und über Notruf 112 die Feuerwehr zu alarmieren. Außerdem muss man sich selbstverständlich auch selbst in Sicherheit bringen. „Im Zweifelsfall stehen bei einem Brand nur wenige Augenblicke zur Verfügung, bis Rauch oder Flammen einem den Fluchtweg abschneiden“, sagt der Fellbacher Feuerwehrkommandant.

Warum sollen Fenster und Türen zu sein? Wichtig ist eine Eingrenzung schon, um dem Brand den Sauerstoff zu entziehen. Außerdem verhindern geschlossene Türen selbstverständlich auch, dass sich das Feuer und vor allem der Brandrauch ungehindert ausbreiten. Leider kommt es immer wieder vor, dass gerade mit Rauch gefüllte Treppenhäuser zur tödlichen Falle werden. In Feuerwehrkreisen berüchtigt ist ein Beispiel aus Freiburg, bei dem ein Kleinbrand vor Jahren gleich drei Menschen-leben forderte, weil Bewohner eines Mehrfamilienhauses panisch versuchten, durchs verqualmte Treppenhaus zu fliehen. Warum ist Rauchgas so gefährlich? Weil schon zwei bis drei Atemzüge reichen können, dass betroffene Menschen bewusstlos werden. Ein Sauerstoffmangel von nur drei Minuten löst im Gehirn schon irreparable Schäden aus. Tatsache ist, dass 90 Prozent aller Brandtoten nicht etwa wegen Verbrennungen ums Leben kommen, sondern weil Rauchgase die Sicht versperren und die Atmung blockieren. Der alte Feuerwehrspruch „Ein paar Atemzüge reichen zum Sterben“ hat deshalb durchaus seine Berechtigung. Im äußersten Notfall ist übrigens besser, sich nahe am Boden fortzubewegen statt zu stehen – in Tieflage ist die Konzentration giftigen Rauches nämlich am geringsten.

Wohin sollen Menschen flüchten? Wenn es in der eigenen Wohnung brennt, sinnvollerweise nach draußen ins Freie. Vorteilhaft ist, das Handy für den Notruf und den Wohnungsschlüssel für die an-rückenden Löschhelfer mitzunehmen. Wenn es in einer benachbarten Wohnung brennt oder das Treppenhaus bereits verqualmt ist, bietet die eigene Türe den besten Schutz. Betroffene sollten die anrückende Feuerwehr vom Fenster oder vom Balkon aus auf sich aufmerksam machen.

Was ist noch zu beachten? Keinesfalls sollte im Brandfall ein Aufzug benutzt werden – bei einem Stromausfall wird der Lift zur Falle. In Hotels, Flughäfen oder Einkaufszentren ist es auch durchaus sinnvoll, sich die aushängenden Pläne mit den Fluchtwegen einzuprägen. Erfahrene Brandschützer wie der Fellbacher Ab-teilungskommandant Stefan Idler tun das auf fremdem Terrain schon routinemäßig – auch wenn der Tipp für Normalbürger wenig lebensnah klingen mag. Ein wirksames Frühwarnsystem sind Rauchmelder – wenn die Batterie auch funktioniert. Was sind die größten Fehler bei Feuer? Allzu oft vergessen wird bei Küchen-bränden, dass brennendes Fett keinesfalls mit Wasser gelöscht werden darf, sondern abgedeckt werden muss. Auch dass Menschen bei einem Wohnungsbrand erst mal nach ihren Wertsachen suchen oder auf der Suche nach vermeintlich wichtigen Dokumenten gar noch einmal in eine brennende Wohnung zurückkehren, kommt offenbar immer wieder vor. Beklagt wird von Brandexperten auch, dass gerade mal zehn Prozent der Bürger auch einen Feuerlöscher in der Wohnung haben. Was wird beim Notruf abgefragt? Die Leitstelle klärt beim Alarm über 112 die vier sogenannten W-Fragen: Wo es brennt, was passiert ist, wie viel Personen betroffen sind und welche Verletzungen es gibt. Das fünfte W steht für „Warten auf Rückfragen“ – wer einen Notruf absetzt, sollte den Hörer nicht einfach auflegen. Die Notrufnummer der Feuerwehr ist europaweit die 112 und lässt sich auch per Handy wählen, wenn eine SIM-Karte eingelegt ist.