Seit Februar wurden im Stuttgarter Osten 20 Fälle von Brandstiftung angezeigt. Nach der Aufklärung ist es ruhig geworden in der Jugendszene.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Irgendwann seien die Jugendlichen im Stuttgarter Osten gewaltig genervt gewesen von dem gefährlichen Unfug, den Altersgenossen in ihrem Stadtteil anrichteten, sagt der Sozialpädagoge Marco Auwärter vom Verein Mobile Jugendarbeit Stuttgart Ost. Seit Anfang Februar wurden im Osten 20 Fälle von Brandstiftung angezeigt. Immer wieder brannten Mülltonnen. Inzwischen hat die Polizei 14 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren ermittelt, die für zwölf der Taten verantwortlich sein sollen. Und weil von Anfang an aufgrund von Zeugenaussagen jugendliche Täter gesucht worden waren, hatte die Polizei verstärkt auf Personenkontrollen gesetzt. "Das hat die Jugendlichen zum Teil so genervt, wenn sie dreimal am Tag kontrolliert wurden, dass manche von ihnen abends zu Hause geblieben sind, statt auf die Straße zu gehen", sagt der Sozialpädagoge.

 

"Wir haben den Streifendienst in den Abend- und Nachtstunden verstärkt", sagt der stellvertretende Leiter des Polizeireviers Ost, Reinhard Neureither. Die Taten seien keiner einzelnen Clique zuzuordnen, von denen es viele im Osten gebe. Zwar waren unter den ertappten Tätern Anhänger der bekannten Gruppe R.i.O. Crime, bei der R.i.O für Raitelsberg im Osten steht. Aber die gefährlichen Streiche seien nicht alle dieser Gruppe zuzurechnen, sagt Neureither. Das haben auch die Sozialpädagogen der Mobilen Jugendarbeit von ihren Schützlingen erzählt bekommen, zu denen auch R.i.O.-Crime-Anhänger zählen.

"So einen Blödsinn machen wir nicht"

Die Gruppe aus dem Raitelsberg verhalte sich - wie auch die anderen Cliquen, die meist Gangsterrapper verehren - zurzeit sehr ruhig. Das bestätigen Vertreter der Polizei und der Mobilen Jugendarbeit. Der Vorsitzende des Sicherheitsbeirats im Stadtbezirk Ost, Ernst Strohmaier, hat an seiner Arbeitsstelle Kontakt zu einigen von ihnen. Die Geschäftsstelle der Deutschen Jugend aus Russland (DJR) in der Landhausstraße sei eine Anlaufstelle für Jugendliche aus dem Osten. "So einen Blödsinn machen wir nicht", hätten R.i.O-Crime-Anhänger zu ihm gesagt, als sie über die Brände sprachen.

"Wir haben bei den Jugendlichen, die zu uns kommen, das Bewusstsein dafür geschärft, dass die Brände sehr gefährlich sind - und dass die Polizei durch ihre verstärkten Streifendienste die Täter sicher finden werde", sagt Marco Auwärter. Die Sozialpädagogen erhofften sich von ihren Warnungen, dass ihre Klientel die Botschaft im Stadtteil verbreiten. Viele der Taten seien vermutlich Nachahmungstaten gewesen, sagt der stellvertretende Revierleiter Reinhard Neureither. So sei auch das erneute Aufflackern der Serie zu erklären: Am Dienstag hatten unbekannte Zündler im Osten erneut Mülleimer angesteckt.