Brandserie in Stuttgart Hausfassade in Flammen – War ein Brandstifter am Werk?
Drei Wohnhäuser zeitweise evakuiert, Hunderttausende Euro Schaden – das Großfeuer in einem Hinterhof in Stuttgart-Süd steht in einer Reihe mit ähnlichen Brandfällen.
Drei Wohnhäuser zeitweise evakuiert, Hunderttausende Euro Schaden – das Großfeuer in einem Hinterhof in Stuttgart-Süd steht in einer Reihe mit ähnlichen Brandfällen.
Von einer Altpapiertonne ist nur noch ein schwarzer Klumpen übrig. Davor steht ein ausgebrannter VW T-Roc, dessen dunkelblaue Lackfarbe lediglich am Heck erkennbar ist. Am schlimmsten hat das Feuer an der Fassade eines angrenzenden Wohnhauses gewütet – die Flammen hatten sich in Minutenschnelle vom Parterre bis zum Dach ausgebreitet. Bei einem Großeinsatz der Feuerwehr in der Nacht zum Mittwoch im Areal Gerberstraße mussten 39 Bewohner nach draußen, der Schaden geht in die Hunderttausende. Als Ursache ist Brandstiftung nicht ausgeschlossen – es wäre nicht die erste in jüngster Zeit.
Die Einsatzkräfte wurden am Mittwoch gegen 2 Uhr alarmiert. „Erst war uns der Brand einer Mülltonne gemeldet worden“, sagt Feuerwehrsprecher Daniel Anand, „doch bei unserem Eintreffen hatte sich das Feuer schon auf die Fassade und einen Pkw ausgebreitet.“ Ein einziger Löschzug reichte da nicht aus. Die enge Bebauung zwischen Wohngebäuden sorgte für einen Kamineffekt, und die Wärmedämmungsplatten und ein Baugerüst, das an einem Gebäude aufgestellt war, taten ihr Übriges. „Es war eine Herausforderung, das Feuer einzudämmen und aufzuhalten“, so Anand.
Drei Wohngebäude mussten wegen Feuer und Rauch geräumt werden. Die betroffenen 39 Bewohner wurden in einem Bus der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) betreut. Immerhin wurde niemand verletzt, und die meisten durften in den frühen Morgenstunden wieder in ihre Wohnungen zurück. Eine der Wohnungen allerdings ist wegen Rauch- und Brandschäden vorerst nicht mehr bewohnbar. Der Schaden, ursprünglich auf 150.000 Euro geschätzt, erhöht sich auf mehrere Hunderttausend.
Die Ermittler des Branddezernats der Stuttgarter Polizei suchten am Mittwoch nach dem Brandherd und weiteren Spuren, die auf die Ursache des Feuers hinweisen. War’s die Altpapiertonne? Oder das Auto? Oder etwas an der Fassade? Dabei dürfte den Ermittlern das Stichwort Mülltonne hinlänglich bekannt sein – mindestens seit Spätsommer häufen sich besonders in den Innenstadtbezirken die Vorfälle, bei denen Mülltonnen von Unbekannten in Brand gesetzt werden. Gibt es da Zusammenhänge? „Das ist alles Gegenstand der Ermittlungen“, sagt Polizeisprecherin Charlotte Weller.
Die Liste ist lang. Zuletzt hatte es am 3. Dezember im Stuttgarter Westen Alarm gegeben. In der Johannesstraße wie auch in der Silberburgstraße waren gegen 21 Uhr Mülltonnen in Flammen aufgegangen. In der Nacht zum 7. November brannten an zwei Stellen in der Wagenburgstraße im Stuttgarter Osten eine Mülltonne sowie mehrere Müllsäcke. Im Dauereinsatz war die Feuerwehr am 15. Oktober, als zwischen 20.45 und 23.45 Uhr in der Lehmgruben- und der Ostendstraße im Stuttgarter Osten und der Bopserstraße in der Innenstadt Mülltonnen in Brand gesteckt wurden. Auch da hatten die Flammen auf Hausfassaden übergegriffen, ein Holzschuppen brannte ab.
Ebenfalls noch ungeklärt ist der Brand zweier Müllcontainer am 11. Oktober zwischen zwei Wohngebäuden in der Arminstraße im Stuttgarter Süden, bei dem Teile der Fassaden und ein Fenster beschädigt wurden. Am 30. September konnte ein Zeuge in der Raitelsbergstraße im Stuttgarter Osten eine brennende Tonne rechtzeitig von einer Hauswand wegschieben. Die Feuerwehr erledigte den Rest. Tatverdächtige sind bisher nicht dingfest gemacht worden.