Brandserie in Unterensingen Jeden Sommer brennen die Felder

Schon eine achtlos weg geworfene Zigarettenkippe kann trockenes Laub und Gras entzünden, aber in Unterensingen geht die Polizei von Brandstiftung aus. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Seit Jahren wird Unterensingen von ungeklärten Bränden heimgesucht. Die betroffenen Landwirte schlagen Alarm und haben jetzt eine Belohnung ausgesetzt.

Region: Corinna Meinke (com)

Das ist kein Streich mehr“, empört sich Sibylle Jenz und ergänzt, „wenn wir das nicht gesehen hätten, hätte auch der Wald brennen können“. Die Landwirtin spricht von einem der Brände, der am vergangenen Wochenende in Unterensingen im Bereich Lindenhöfe entdeckt wurde – nur eine Feldlänge vom Wald entfernt. Seit Jahren klagen die Unterensinger Landwirte über brennende Felder während der Erntezeit und vermuten, dass Brandstifter am Werk sind. Sie hoffen, dass der Spuk bald ein Ende hat und haben deshalb eine Belohnung von 500 Euro ausgelobt.

 

„Wenn es Jugendliche sind, muss man sie vor sich selber schützen“, meint der ebenfalls betroffene Milchbauer Erich Kemmner, der sich mit mehreren Kollegen spontan die Idee mit der Belohnung ausgedacht hat. Der Gemeinderat hofft auf den erzieherischen Effekt, denn es sei gut möglich, dass sich zum Beispiel eine Clique gegenseitig hochschaukelt, wie bei einer Mutprobe. Aber es könnte auch ein Einzeltäter sein. Das Gebiet bei den Lindenhöfen ist ein beliebtes Revier für Gassigeher und Spaziergänger.

Sommerliche Brandserien sind in Unterensingen seit Jahren ein großes Ärgernis – nicht weil sie besonders großen Schaden zur Folge haben, sondern weil sie Landwirte und Anwohner auf Trab halten – von der Feuerwehr ganz zu schweigen. „Es ist unheimlich schwierig, so einen Täter zu fassen“, meint der Landwirt Manfred Herthneck und berichtet vom vergangenen Sommer. Damals kam nach einer Brandserie sogar ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera zum Einsatz – vergeblich.

Inzwischen lockten die Brände sogar Schaulustige an. Das nächtliche Feuer am Samstag vor einer Woche habe einen kleinen Menschenauflauf erzeugt, während zeitgleich die Feuerwehr ein Fest gefeiert hatte.

Schaulustige werden angelockt

Zuletzt wurden die Wehrleute am Samstag, 23. Juli, auf ein abgeerntetes Getreidefeld unweit der Lindenhöfe gerufen, das in Flammen stand. Es sei reiner Zufall gewesen, dass ihr Sohn das Feuer auf dem Feld eines Nachbarn gegen 23.30 Uhr entdeckt hat, erzählt Sibylle Jenz, deren Familie eine Pferdepension betreibt und Hühner hält. Ihr Sohn habe zwei Milchkannen mit je 20 Liter Wasser geholt und damit notdürftig bis zum Eintreffen der Feuerwehr gelöscht.

„Hinweise auf einen Täter liegen bislang nicht vor. Eine Schadenshöhe ist noch nicht bekannt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen“, heißt es dazu knapp im Polizeibericht. Auf Nachfrage bestätigt sie den Verdacht auf Brandstiftung.

Alles begann am Baggersee

Dem Hinweis, es handle sich erst um den vierten Brand in diesem Sommer in Unterensingen widerspricht Jenz energisch. Schon am Nachmittag habe es auch auf einem ihrer Felder gebrannt, als sie Getreide ernteten. „Wir haben gedroschen“ und uns gefragt, warum es weiter hinten so staubt, da sei doch gar kein Mähdrescher unterwegs, berichtet die Landwirtin. Bis sie gemerkt hätten, dass es sich um den Rauch eines Feuers handelte.

„Das hat am Baggersee vor fünf, sechs Jahren angefangen“ erinnert sich Landwirt Herthneck und ergänzt, längst nicht jedes Feuer werde entdeckt und auch nicht jeder Brand angezeigt. Am Baggersee brannte damals die erste Wiese. Vor 14 Tagen habe es dort wieder ein Feuer gegeben, doch inzwischen habe sich das Phänomen auf die Felder bei der B 313 verlagert. Bisher habe es vor allem freitags in der Dämmerung oder nachts gebrannt, nun sogar am helllichten Tag, überall, wo man geschickt hinkommt, in der Nähe eines Weges oder einer Straße und oft an nicht gut einsehbaren Stellen. Inzwischen fährt die Polizei verstärkt Streife und Herthneck und seine Kolleginnen und Kollegen hoffen, dass der Brandstifter endlich gefasst wird.

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